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KomNet-Wissensdatenbank

Berücksichtigung des Gefährdungspotentials von statischer Elektrizität als Zündquelle im Explosionsschutzdokument

KomNet Dialog 2485

Stand: 04.08.2010

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Entzündliche Flüssigkeiten > Rechts- und Auslegungsfragen, Sonstiges (1.2.2)

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Frage:

Bei der Erstellung eines Explosionschutzdokuments muß unter anderen auch beurteilt werden, ob Zündquellen vorhanden sind. Gemäß der EN 1127-1 stellt auch statische Elektrizität eine Zündquelle dar. Gibt es Beispielsammlungen, mit denen das Gefährdungspotential von statischer Elektrizität abgeschätzt werden kann? Als Konkretes Beispiel: Bei Tankstellen sind die Böden in der Regel elektrisch leitfähig ausgeführt. Wenn die Person, die die Betankung durchführt, keine Schuhe mit leitfähigen Schuhsohlen trägt, kann bei der Betankung eine Entladung erfolgen. Gibt es Angaben, wie hoch die Zündenergie einer solchen Entladung seien kann? Muß ein derartiges Szenario beim Explosionschutzdokument berücksichtigt werden?

Antwort:

Bei der Betrachtung von Zündquellen ist u.a. die Berufsgenossenschaftliche Regel BGR Nr. 104 „Ex-RL“ (ZH 1/10) heranzuziehen. Speziell der Bereich statische Elektrizität wird sehr gut in der BGR 132 (ZH 1/200) abgehandelt. Für Tankstellen ist weiterhin die Technische Regeln brennbare Flüssigkeiten TRbF 40 maßgebend. Diese verweist in Ziffer 8 auf die zuvor genannte BGR 132.

Personen können sich beim Gehen, beim Aufstehen von einem Sitz, beim Kleiderwechsel bei der Handhabung von Kunststoffen, bei Schütt- oder Füllarbeiten elektrisch aufladen. Berührt diese Person einen leitfähigen Gegenstand tritt eine Funkenentladung auf. Die typischen Werte der gespeicherten Energie einer Person liegen so um die 10 mJ. Ein Wert von 0, 5 mJ kann schon zündwirksam sein. Es ist auch richtig, dass Personen die ableitfähiges Schuhwerk auf ableitfähigen Böden tragen (wie an Tankstellen für AI und AII vorgeschrieben) sich nicht aufladen.

Vor der Betrachtung der Zündquellenwahrscheinlichkeit ist die Betrachtung der Wahrscheinlichkeit und Dauer des Auftretens gefährlicher explosionsfähiger Atmosphäre vorzunehmen. Ziffer 6 der TRbF 40 gibt hier konkrete Einstufungen (Zonen) für bestimmte Einrichtungen einer Tankstelle vor. So ist die Umgebung einer Zapfsäule als Zone 2 definiert.
Gem. BGR 132 sind ableitfähige Schuhe nur in explosionsgefährdeten Bereichen der Zone 0 und 1, nicht aber zwingend für Zone 2 vorgeschrieben. Anders sieht dies aus, wenn Personen in das Innere von Pumpenschächten, Domschächten oder Verteilerschächten einsteigen. Hier liegt Zone 1 vor, so dass bei diesen Tätigkeiten sehr wohl ableitfähiges Schuhwerk getragen werden muss, bzw. die Ableitung statischer Elektrizität durch andere Einrichtungen gewährleistet sein muss.

Gemäß § 5 Betriebssicherheitsverordnung - BetrSichV und unter Berücksichtigung der Ergebnisse der Gefährdungsbeurteilung muss der Arbeitgeber die ermittelten explosionsgefährdeten Bereiche in Zonen entsprechend Anhang III BetrSichV einteilen. Dies wird dann im Explosionsschutzdokument (§ 6 BetrSichV) dokumentiert.

Bei der Erstellung des Explosionsschutzdokumentes müssen u.a. Informationen zur Durchführung der Gefährdungsbeurteilung, insbesondere die Methodik und die Ergebnisse dargestellt werden. Dazu gehört weitestgehend die Zoneneinteilung, die getroffenen Maßnahmen des Explosionsschutzes und die Zündquellenbetrachtung (auch elektrostatische Entladung). Auf Grund der relativ gut abgehandelten Darstellung zum Explosionsschutz in der TRbF 40, kann dies im Explosionsschutzdokument knapper gehandelt werden. Abweichungen von den Regeln der TRbF 40 bedürfen aber immer eine ausführliche Begründung im Explosionsschutzdokument.

Eine gute Hilfestellung zur Erstellung des Ex-Dokumentes gibt die Mitteilung Nr. 1 / 2003 „Gefährdungsbeurteilung, Explosionsschutz und Explosionsschutzdokument“ des Landesinstitut für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin des Freistaates Sachsen (www.arbeitsschutz-sachsen.de). Siehe auch die Technische Regeln für Betriebssicherheit (TRBS), z.B. TRBS 2152.

Einzelfragen können Sie gerne mit Ihrer zuständigen Arbeitsschutzbehörde vor Ort zu klären. In Nordrhein-Westfalen erreichen sie Ihr zuständiges Arbeitsschutzdezernat der Bezirksregierung unterwww.arbeitsschutz.nrw.de. Die Adressen der Arbeitsschutzverwaltungen anderer Bundeslände werden hier angeboten.