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Welche Sicherungsmaßnahmen sind bei der Feuerwehr für die Besatzung im Korb der Drehleiter und in der Hubarbeitsbühne notwendig?

KomNet Dialog 24842

Stand: 25.09.2015

Kategorie: Betriebliches Arbeitsschutzsystem > Gefährdungsbeurteilung > Spezifische Gefährdungen

Dialog
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Frage:

Als Feuerwehr führen wir Tätigkeiten aus dem Korb der Drehleiter und aus Hubarbeitsbühnen (HAB) von Teleskopmastfahrzeugen aus. Die Gefährdungsbeurteilung hat ergeben, dass ein Katapult-/Peitscheneffet nicht ausgeschlossen werden kann. Welche Sicherungsmaßnahmen sind für die Besatzung im Korb der Drehleiter und in der HAB notwendig bzw. unter welchen rechtlichen Gesichtspunkten erforderlich? Beim Arbeiten im Korb/HAB darf es zu keinen Behinderungen durch Sicherungsmaßnahmen kommen. Ein Abweichen bei der Menschenrettung ist nach UVV Feuerwehren (DGUV Vorschrift 49) möglich. Wie sollte sich aber bei anderen zeitkritischen Einsätzen (z. B. Brandbekämpfung) gesichert werden, wo das Anlegen eines zugelassenen PSAgA (u. a. Ganzkörpergurt) zu einer nicht akzeptablen Zeitverzögerung führen könnte, vor allem wenn ein ausgerüsteter Atemschutztrupp erst noch wieder den Pressluftatmer abnehmen müsste. Gibt es beim Übungsdienst bzw. bei nicht zeitkritischen Einsätzen rechtssichere Alternativen zum zugelassenen PSAgA (Ganzkörpergurt mit zugelassenem Verbindungsmittel)? Bei zeitkritischen Einsätzen besteht bisher die Meinung, dass der Feuerwehr-Haltegurt, einsträngig, direkt mit dem Karabiner in die Halteöse bzw. Haltevorrichtung des Korb / HAB angeschlagen besser ist als nichts. Ist diese Verfahrensweise so rechtssicher? Welche Rückhaltesysteme im Korb/HAB werden von Ihnen empfohlen unter Berücksichtigung der rechtlichen Anforderungen bei: -Übungsdienst und nicht zeitkritischen Einsätzen -Zeitkritischen Einsätzen

Antwort:

Es gibt keine abschließende Regelung des von Ihnen angesprochenen Arbeitsschutzproblems. Tatsächlich gibt es keine Verpflichtung zur Nutzung von Schutzausrüstungen gegen Absturz in einer Hubarbeitsbühne.

Der formale Weg ist wie folgt zu beschreiten:
Die Verwendung von persönlicher Schutzausrüstung gegen Absturz bei der Benutzung von Hubarbeitsbühnen muss im Rahmen Ihrer Gefährdungsbeurteilung vom Arbeitgeber bewertet werden.

 Der Arbeitgeber muss hierbei insbesondere folgende Punkte / technische Regeln berücksichtigen:-       BetrSichV i.V. m. der Technische Regeln für Betriebssicherheit TRBS 2121 Gefährdung von Personen durch Absturz-       PSA BV - Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Benutzung persönlicher Schutzausrüstungen bei der Arbeit-       DGUV GUV-R 198 – Benutzung von persönlicher Schutzausrüstung gegen Absturz-       BGG/GUV-G 966 - Ausbildung und Beauftragung der Bediener von Hubarbeitsbühnen-       Bedienungsanleitung / Hinweise Vermieters des Arbeitsmittels Eine explizite (Muss-) Forderung in technischen Regeln / berufsgenossenschaftlichen Vorgaben in einer Hubarbeitsbühne persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz (PSA g. A.) zu tragen, gibt es nicht.Die Verwendung von PSA gegen Absturz wird seitens der Berufsgenossenschaft empfohlen. Grund hierfür ist der sogenannte „Peitscheneffekt". Hersteller aber auch Vermieter von Hubarbeitsbühnen weisen für den Verwender auf die Benutzung von PSA gegen Absturz (PSAgA) explizit hin bzw. empfehlen deren Verwendung. Hersteller tun dies u.a. auch im Rahmen ihrer Betriebs- und Wartungsanleitung. Der Hersteller hat für die Verwendung von PSAgA. Anschlagpunkte am Fahrkorb vorgesehen und empfiehlt (keine Verpflichtung des Benutzers) die Verwendung von Höhensicherungsgeräten nach DIN EN 360 (linkes Bild im unten aufgeführten link). Firmen, die fahrbare Hubarbeitsbühnen verwenden, benutzen  Auffanggurte in Kombination mit Bandfalldämpfern (rechtes Bild s.u.). Sie dokumentieren dies als Angebot an den Benutzer in der dazugehörigen Gefährdungsbeurteilung.Als Grundlage für ihre Unterweisung werden den Benutzern auch mitgelieferten Muster-  Betriebsanweisung zur sicheren Benutzung der PSA an die Hand gegeben.Diese praktische Einweisung in die Benutzung (praktische Übung) erfolgt durch den Arbeitgeber auf der Grundlage des § 3 PSA BV – persönliche Schutzausrüstung bei der Arbeit.Die Entscheidung darüber, welche PSA für die sichere Durchführung der Tätigkeit geeignet sind, muss der Arbeitgeber im Rahmen seiner Gefährdungsbeurteilung mit fachlicher  Unterstützung durch seine Sicherheitsfachkraft/ Betriebsarzt oder ggf. durch externe Berater, treffen.  
Bilder:  komnet.nrw.de/files/ccnxtg/cc33419/Bild_Falldämpfer_Hubarbeitsbühne  FAZIT:1)    PSA gegen Absturz zu tragen wird rechtlich nicht explizit gefordert, sondern muss im Rahmen Ihrer Gefährdungsbeurteilung bewertet und festgelegt werden.
2)    Hersteller und Vermieter empfehlen ausdrücklich die Verwendung von PSA gegen Absturz.