Inhaltsbereich
Seitentitel

KomNet-Wissensdatenbank

Werden die Vorgaben der BGV A3 erfüllt, wenn Windenergieanlagen der neuesten Bauart über einen Vollwartungsvertrag mit dem Hersteller der Anlage überwacht und gewartet werden?

KomNet Dialog 24278

Stand: 13.07.2015

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Prüfungen (1.13) > Prüfpflichtige Arbeitsmittel und Einrichtungen

Dialog
Favorit

Frage:

Für ortsfeste elektrische Anlagen und Betriebsmittel sind die Forderungen hinsichtlich Prüffrist und Prüfer erfüllt, wenn die in Tabelle 1A der BGV A3 genannten Festlegungen eingehalten werden. Die Forderungen sind für ortsfeste elektrische Anlagen und Betriebsmittel z. B. auch erfüllt, wenn diese von einer Elektrofachkraft ständig überwacht werden. Ortsfeste elektrische Anlagen und Betriebsmittel gelten als ständig überwacht, wenn sie kontinuierlich von Elektrofachkräften instand gehalten und durch messtechnische Maßnahmen im Rahmen des Betreibens (z. B. Überwachen des Isolationswiderstandes) geprüft werden. Im konkreten Fall reden wir über Windenergieanlagen modernster Bauart, die über einen Vollwartungsvertrag mit dem Hersteller der Anlage überwacht und gewartet werden. Reicht dieser Umstand bereits als Nachweis der Einhaltung der Vorschrift? Wenn nicht, wäre der Vorschrift genüge getan, wenn der Hersteller/Wartungsdienstleister bestätigt, dass die elektrische Anlage regelmäßig im Sinne der BGV A3 überwacht und instand gehalten wird?

Antwort:

Windenergieanlagen (WEA) sind Stromerzeuger und fallen somit gänzlich in den Anwendungsbereich der DGUV-Vorschrift 4 (bisher Unfallverhütungsvorschrift BGV A3). Sie stellen keine Arbeitsmittel oder überwachungsbedürftigen Anlagen dar, so dass die Vorgaben der Betriebssicherheitsverordnung hier vernachlässigbar sind (Ausnahme: Die WEA enthält nach BetrSichV zu prüfende Bestandteile, wie z.B. Krane, Aufzüge etc.).

Der entsprechende Passus der UVV wird leider nicht eingehender erläutert. Durch den Passus wird aber der Tatsache Rechnung getragen, dass die Durchführung herkömmlicher Prüfungen an bestimmten elektrischen Anlagen oder Betriebsmitteln oft nicht möglich ist oder zu erheblichen Betriebsstörungen führen kann (z.B. bei Produktionsanlagen, Anlagen in Bereichen mit erhöhter Strahlung, Hitze, Kälte oder sonstigen Einwirkungen).

Grundsätzlich ist es zwar möglich, die durchzuführenden Prüfungen auf einen externen Dienstleister (z. B. im Rahmen eines Wartungsvertrages mit dem Hersteller) zu übertragen, dabei muss aber festgelegt sein, welche Prüfungen konkret notwendig sind und auch im Rahmen des Wartungsvertrages durchgeführt werden können. Zu beachten ist weiterhin, dass mittels der angesprochenen Isolationsüberwachung nur bestimmte Aspekte der elektrischen Sicherheit überwacht werden können.
Die Prüfung des Blitzschutzes oder der Schutzleiterdurchgängigkeit ist hiermit nicht möglich.

In Ihrem Fall empfiehlt es sich ein Wartungs- und Prüfkonzept zu erstellen. In diesem kann geklärt werden, welche "herkömmlichen" Prüfungen in welchem Abstand weiterhin durchgeführt werden müssen und welche Prüfungen ggf. im Rahmen der Wartung bzw. durch Überwachung (vor Ort oder Online) erfolgen können.

An der Abstimmung sollten neben den Vertretern Ihres Hauses (insbesondere die hier zuständige verantwortliche Elektrofachkraft (VEFK)) auch Vertreter Ihrer Berufsgenossenschaft, des Herstellers sowie ggf. des Sachversicherungsträgers beteiligt werden.

Sollten Bereiche der Betriebssicherheitsverordnung oder sogar des Landesbaurechtes (=> innenliegende elektrische Betriebsräume) betroffen sein, sollten an der Abstimmung des Prüfkonzeptes auch Vertreter der jeweils zuständigen Arbeitsschutzbehörde sowie der zu beauftragende Prüfsachverständige beteiligt werden.