Inhaltsbereich
Seitentitel

KomNet-Wissensdatenbank

Gibt es Erkenntnisse, ob Hochleistungs-Permanent-Magnete (oder auch starke elektromagnetische Felder) eine schädigende Wirkung auf den Menschen haben?

KomNet Dialog 23741

Stand: 30.04.2015

Kategorie: Physikalische Belastungen und Beanspruchungen > Nichtionisierende Strahlung > elektromagnetische Strahlung / Felder

Dialog
Favorit

Frage:

Gibt es Erkenntnisse, ob Hochleistungs-Permanent-Magnete (oder auch starke elektromagnetische Felder) eine schädigende Auswirkung auf den Menschen haben? Reicht ein Hinweis auf starke Magnetfelder in der Betriebsanleitung aus, oder muss im möglichen Expositionsbereich unbedingt auch ein Warnhinweis angebracht werden? (Stichwort: Herzschrittmacher)

Antwort:

Elektrische, magnetische sowie elektromagnetische Felder, kurz als elektromagnetische Felder bezeichnet, können schädigende Wirkungen auf den Menschen haben. Ist eine Person einem starken statischen Magnetfeld ausgesetzt kann dies als direkte Wirkung eine Verlangsamung des Blutflusses zur Folge haben. Eine weitaus größere Gefährdung geht von den indirekten Wirkungen statischer Magnetfelder aus, wie der Projektilwirkung (Kraftwirkung auf magnetische Gegenstände) und die Beeinflussung von Implantaten.

Bewegt sich eine Person zudem in einem statischen Magnetfeld, wird dadurch ein Strom erzeugt (Induktion). Dieser Strom kann wiederum Wirkungen auf Nerven und Muskeln haben. Niederfrequente elektrische und magnetische Felder induzieren ebenfalls Ströme im menschlichen Körper und können im schlimmsten Fall sogar Herzkammerflimmern hervorrufen. Hochfrequente elektromagnetische Felder führen in erster Linie zu Gewebeerwärmungen. Langzeitwirkungen wie eine mögliche krebserzeugende Wirkung sind bislang wissenschaftlich nicht nachgewiesen.

In Deutschland wird der Schutz vor Gefährdungen durch elektromagnetische Felder von Beschäftigten durch die DGUV Vorschrift 15"Elektromagnetische Felder" (bisher BGV B11) geregelt. Sie legt u. a. fest, dass jeder Unternehmer sicherstellt, dass zulässige Werte nicht überschritten werden.

In Anlage 2 der DGUV Vorschrift 15 sind sogenannte "abgeleitete Werte" aufgeführt, deren Einhaltung sich mittels Ermittlung des Expositionsausmaßes (Messungen, Herstellerangaben, Datenbanken, etc.) überprüfen lässt. Werden diese Werte eingehalten, kann eine Gefährdung der Arbeitnehmer in jedem Fall ausgeschlossen werden.

Ausgenommen hiervon sind Träger aktiver und/oder passiver Implantate. Pauschal kann man keine Aussage treffen, wann Träger eines Implantats gefährdet werden. In jedem Fall ist eine individuelle Beurteilung der Arbeitsbedingungen unter Beteiligung des behandelnden Arztes notwendig. Gefahrenbereiche für Implantatträger müssen gekennzeichnet werden. Zudem muss eine Unterweisung der Beschäftigten, Besucher sowie allen weiteren Personen, die Zutritt zu diesen Bereichen haben, erfolgen. Ausführliche Informationen enthält die DGUV Information 203-043 (bisher: BGI 5111) „Beeinflussung von Implantaten durch elektromagnetische Felder“.

Zur Erstellung der erforderlichen Gefährdungsbeurteilung hat der Gesetzgeber folgende Verfahrensweise vorgesehen:

Gemäß § 5 Arbeitsschutzgesetz - ArbSchG - i. V. m. der Betriebssicherheitsverordnung - BetrSichV - und der Arbeitsstättenverordnung - ArbStättV - ist der Arbeitgeber verpflichtet, eine Gefährdungsbeurteilung, hier speziell für die den Einsatzbereich des Hochleistungs-Permanent-Magneten, zu erstellen. Hierbei hat er mögliche Gefährdungen zu ermitteln, Maßnahmen zur Gefahrenabwehr bzw. Gefahrenminderung eigenverantwortlich festzulegen und diese umzusetzen.

In die Erstellung der Gefährdungsbeurteilung sind neben den Technischen Regeln für Betriebssicherheit - TRBS, insbesondere die TRBS 1111 "Gefährdungsbeurteilung und sicherheitstechnische Bewertung", die Technische Regeln für Arbeitsstätten - ASR, hier speziell für Ihren Fall die ASR A1.3 "Sicherheits- und Gesundheitsschutzkennzeichnung" (Anhang 1), das berufsgenossenschaftliche Regelwerk, wie z. B. die DGUV Vorschrift 1"Grundsätze der Prävention" (bisher BGV A 1), die DGUV Regel 100-001 "Grundsätze der Prävention" (bisher BGR A 1), die DGUV Vorschrift 15 "Elektromagnetische Felder" (bisher BGV B11; siehe auch § 4 "Beurteilung der Expositionsbereiche"; Beurteilung der Exposition, Einhaltung der Grenzwerte bzw. Ermittlung der Expositionsbereiche) sowie die Gebrauchs- Betriebs- bzw. Bedienungsanleitung des Herstellers des Hochleistungs-Permanent-Magneten einzubeziehen.

Das Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung ist gemäß § 6 ArbSchG hinreichend zu dokumentieren. Bei der Erstellung der Gefährdungsbeurteilung kann sich der Arbeitgeber durch die Fachkraft für Arbeitssicherheit und den Betriebsarzt unterstützen lassen.

Hinweise:
Hinweise z. B. in der Betriebsanleitung alleine reichen nicht aus!

Weiterführende Informationen zur Thematik "Elektromagnetische Felder" finden Sie auch im Internetauftritt des Landesinstituts für Arbeitsgestaltung - LIA.NRW.