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KomNet-Wissensdatenbank

Besteht die Möglichkeit, dass die Mitarbeiter im Betrieb (CNC, Drehmaschine, Schleiferei) auf eigenen Wunsch kurze Hosen tragen?

KomNet Dialog 23585

Stand: 12.04.2015

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Persönliche Schutzausrüstung (PSA) > Benutzung von PSA

Dialog
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Frage:

Die Mitarbeiter in einer Stanzerei und mechanischen Bearbeitung (CNC, Drehmaschine, Schleiferei) möchten kurze Hosen tragen. Das wurde zunächst aufgrund der Verletzungsgefahr abgelehnt. Unter welchen Bedingungen wäre so etwas möglich? Kann der Unternehmer zur Verantwortung gezogen werden, wenn die Mitarbeiter trotzdem kurze Hosen tragen und es zu einem Unfall kommt?

Antwort:

Gemäß § 5 Arbeitsschutzgesetz - ArbSchG - i. V. m. § 3 der Betriebssicherheitsverordnung - BetrSichV ist der Arbeitgeber verpflichtet, eine Gefährdungsbeurteilung, hier speziell für die Arbeiten in Bereichen der mechanischen Bearbeitung von Werkstoffen (wie z. B. Stanzen, Drehen, Fräsen, Bohren etc.) zu erstellen. Hierbei hat er mögliche Gefährdungen zu ermitteln, Maßnahmen zur Gefahrenabwehr bzw. Gefahrenminderung eigenverantwortlich festzulegen und diese umzusetzen.

In die Erstellung der Gefährdungsbeurteilung sind die Technische Regeln für Betriebssicherheit - TRBS - insbesondere die TRBS 1111 "Gefährdungsbeurteilung und sicherheitstechnische Bewertung",  die PSA-Benutzungsverordnung - PSA-BV, sowie die berufsgenossenschaftlichen Vorschriften und Regelwerke, wie z. B. die BGV A1"Grundsätze der Prävention" bzw. die BGR 189"Benutzung von Schutzkleidung" sowie die Gebrauchs-, Betriebs- bzw. Bedienungsanleitungen der Hersteller von Anlagen, Teilen von Anlagen und Arbeitsmitteln, im vorliegenden Fall der Hersteller der Bearbeitungsmaschinen von Werkstoffen, einzubeziehen.

Die Entscheidung, ob für die Arbeitsbereiche der mechanischen Bearbeitung von Werkstoffen "kurze Hosen" erlaubt sind oder gemäß dem Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung entsprechende Schutzkleidung zu tragen ist, trifft somit der Arbeitgeber in eigener Verantwortung.

Abweichungen vom "Technischen Regelwerk" der berufsgenossenschaftlichen Vorschriften sind grundsätzlich möglich, müssen aber in der Gefährdungsbeurteilung hinreichend werden. Da im Schadensfall solche Abweichungen oft sehr kritisch hinterfragt werden, empfehlen wir, solche Abweichungen im Vorfeld mit dem zuständigen Unfallversicherungsträger abzustimmen.

Das Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung ist gemäß § 6 ArbSchG zu dokumentieren. Bei der Erstellung der Gefährdungsbeurteilung wird der Arbeitgeber durch die Fachkraft für Arbeitssicherheit und den Betriebsarzt unterstützt