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Muss bei Arbeitsbühnen über 35 m zwingend eine zweite Treppe vorhanden sein, um einen sicheren 1. Fluchtweg zu garantieren?

KomNet Dialog 23550

Stand: 08.04.2015

Kategorie: Gestaltung von Arbeitsplätzen > Arbeitsplatz- und Arbeitsstättenbeschaffenheit > Beschaffenheit von Fluchtwegen

Dialog
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Frage:

In einer Werkstatthalle (ca. 60 m lang) für Schienenfahrzeuge wurde eine Arbeitsbühne von ca. 45 m Länge fest installiert. Diese besitzt an einer Längsseite eine Treppe und an der gegenüberliegenden Seite eine Steigleiter. Ist diese Situation hinsichtlich der Fluchtwege (Länge 35 m Fluchtwege nur über Treppen beides laut ASR A2.3) nach ArbStättV in Ordnung? Muss bei Arbeitsbühnen über 35 m zwingend eine zweite Treppe vorhanden sein, um einen sicheren 1. Fluchtweg zu garantieren? Wie ist hierzu die BGR 157 (Fahrzeug-Instandhaltung) Ziff. 4.9.7 zu interpretieren?

Antwort:

Ihre Frage läßt sich nicht abschließend beantworten. Deshalb können nur Hinweise zu einer aus der Sicht des Arbeitsschutzes  sicheren  Lösung des Problems gegeben werden.

Grundsätzlich ist eine zweite Treppe am Ende der Bühne unter Sicherheitsaspekten  grundsätzlich vorzuziehen.
Die einschlägigen Anforderungen an Fluchtwege und innerbetriebliche Verkehrswege sind da eindeutig.
Aus Sicht des Baurechtes können Rettungswege größere Lauflängen als Fluchtwege gem. Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) bzw. den Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR) aufweisen, was sich u.a. aus der Industriebaurichtlinie ergibt. 

Da die Bühne bereits erstellt ist, spielen Gesichtspunkte wie bestehende Baugenehmigungen und die Verhältnismäßigkeit weiterer Baumaßnahmen eine Rolle sowie die Frage, ob am Ende der Bühne noch Platz für eine zusätzliche Treppe besteht. 
Der formale Weg muß darin bestehen, daß der Arbeitgeber eine Gefährdungsbeurteilung erstellt. In dieser Gefährdungsbeurteilung müssen u.a. die folgenden Hinweise Eingang finden:

  • Wie viele Arbeitnehmer arbeiten gleichzeitig auf der Bühne?
  • Wieviele Arbeitnehmer müssen - regulär oder im Gefahrenfall- zeitgleich die Treppe bzw. die Steigleiter benutzen?
  • Sind alle Arbeitnehmer in der Lage, eine Steigleiter zu benutzen? In der ASR A2.3 werden in der Nummer 4, Absatz 6 die Steigleitern nachrangig genannt, da Steigleitern als der unfallträchtigste Weg gelten.
  • Gibt es eine Brandmeldeanlage mit akustischer Alarmierung?
  • Was passiert, wenn es auf der Bühne zu einer Panik kommt?
  • Wie viel Platz ist über der Bühne vorhanden, was die Frage beantworten soll, wie lange es dauert, bis die Bühne im Fall eines Brandes von heißen Rauchgasen eingehüllt wird, wodurch eine Flucht entweder unmöglich oder sehr erschwert wird.
  • Ist es möglich, entlang der Bühne noch weitere Steigleitern einzubauen?
  • Wie erfahren sind die auf der Bühne arbeitenden Personen? Ändert sich die Belegschaft ständig, dann sind höhere Anforderungen an die Qualität der Fluchtwege zu stellen.
Das Ergebnis sollte zu den folgenden Ergebnissen kommen:
  • Arbeiten sehr viele Personen gleichzeitig auf der Bühne, befindet sich über der Bühne wenig Luftraum zur Aufnahme von Rauchgasen oder wollen sehr viele Personen gleichzeitig über die Treppe oder die Steigleiter fliehen, dann ist eine zweite Treppe erforderlich.
  • Die von Ihnen genannte DGUV-Regel 109-008 Fahrzeug-Instandhaltung (früher: BGR 157) kann ausschließlich im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung als Quelle herangezogen werden.