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KomNet-Wissensdatenbank

Fragen zu Überstunden, Freizeitausgleich und Einsatzgebieten während der Ausbildung zum Automobilkaufmann

KomNet Dialog 2272

Stand:

Kategorie: Arbeitszeit, Arbeitsbedingungen > Arbeitszeitberatung und -gestaltung > zulässige Arbeitszeitdauer

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Frage:

Mein Freund (Alter über 18 Jahre) macht in einem Autohaus eine Ausbildung zum Automobilkaufmann. Laut Ausbildungsvertrag muss er 40 Stunden die Woche arbeiten. Allerdings muss er jeden 2. Samstag arbeiten und hat nun in diesem Jahr schon über 60 Überstunden angesammelt. Wenn er Ausgleich machen möchte, wird dieser ihm meistens nicht genehmigt mit dem Argument, es wäre zur Zeit sehr ungünstig. Außerdem wird ihm vorgeschrieben, dass der Ausgleich nur Dienstags oder Donnerstags genommen werden kann.Dieses Jahr wurde ihm erst 2x Ausgleich genehmigt. Seine normale Arbeitszeit ist von 10.00-19.00 Uhr inkl. 60 min Pause. Nun hat sein Chef ihn angesprochen, seine Arbeit sei zu `freizeitorientiert`, er solle sich mehr engagieren, sprich: jeden Tag von 8.00-19.00 arbeiten. Ansonsten würde er aus dem Verkauf genommen und in die Buchhaltung gesteckt. Damit hätte er eine 50 Stunden Woche, und jede 2. Woche sogar noch 5-6 Stunden zusätzlich, wegen des Samstags. Welche Möglichkeiten hat man, um hier gegen vorzugehen, ohne dass sein Ausbildungsplatz gefährdet ist? Ist es überhaupt zulässig, wenn ihn sein Chef aus dem Verkauf droht, obwohl er einen Ausbildungsvertrag für diesen Bereich abgeschlossen hat? Und gibt es eine Mölichkeit, dass eine direkte Konfrontation zwischen meinem Freund und dem Chef umgangen werden kann?

Antwort:

Auf Arbeitszeiten von Auszubildenden, die 18 Jahre alt sind, ist das Arbeitszeitgesetz-ArbZG anzuwenden. Das ArbZG regelt die Höchstgrenzen der Arbeitszeit und geht über die tarifrechtlichen bzw. die im Ausbildungsvertrag festgelegten Arbeitszeiten hinaus. Die werktägliche Arbeitszeit darf grundsätzlich 8 Stunden nicht überschreiten. Werktage sind die Tage von Montags bis einschließlich Samstags (6-Tage-Woche). Die werktägliche Arbeitszeit kann auf bis zu 10 Stunden verlängert werden, wenn innerhalb von 6 Kalendermonaten oder 24 Wochen ein Ausgleich auf durchschnittlich 8 Stunden gewährleistet ist (§ 3 ArbZG). Eine Schichtzeit von 8.00 Uhr – 19.00 Uhr wäre nur zulässig, wenn eine entsprechende Pausenzeit gewährt wird, so dass die reine Arbeitszeit max. 10 Stunden beträgt und der Ausgleichszeitraum berücksichtigt wird. Unabhängig von den gesetzlichen Grenzen der Arbeitszeit nach dem ArbZG ist allerdings auch der Ausbildungsvertrag zu beachten. Für die Genehmigung der Ausbildungsverträge ist die Handwerkskammer zuständig. Ihr Freund könnte sich an den dort tätigen Ausbildungsberater wenden. Die örtliche Zuständigkeit der Kammer richtet sich nach dem Standort des Ausbildungsbetriebes. Der Ausbildungsberater wird eine Lösung anstreben, ohne dass es zu einer direkten Konfrontation kommen muss. Sollte diese Wege erfolglos sein, besteht auch die Möglichkeit, sich von dem zuständigen Amt für Arbeitsschutz beraten zu lassen.