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Welche technischen Regeln für biologische Arbeitsstoffe müssen beim Umgang mit Urinproben beachtet werden?

KomNet Dialog 2247

Stand:

Kategorie: Belastungen durch Biostoffe > Schutzmaßnahmen beim Umgang mit Biostoffen > Allgemeine Schutzmaßnahmen (6.)

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Frage:

In meinem Zuständigkeitsbereich werden von Mitarbeitern Urinproben bearbeitet (Zuckertest). Die Probe wird vom Probanden (gesunde junge Männer) in einen Becher gefüllt (in einer räumlich abgetrennten Toilette), dann dem Arzthelfer überreicht. Die Probe wird auf einer Edelstahlspüle bearbeitet und anschließend unter ausreichend Wasserspülung entsorgt. Der Raum (mit der abgetrennten Toilette) ist nicht nur Labor, sondern auch ständiger Arbeitsplatz des Mitarbeiters. Es befindet sich noch ein Schreibtisch mit Arbeitsplatzcomputer im Raum. Dabei ergeben sich folgende fragen: Wie ist der Umgang mit den Urinproben nach der Biostoffverordnung und der TRBA 100 einzustufen. 1.gezielte oder nicht gezielte Tätigkeit 2.Zuordnung zu einer Risikogruppe 3.Urinprobe:potentiell infektiös????? 4.Zuordnung von Schutzstufen Welche konkreten Maßnahmen habe ich bei Zuordnung in Schutzstufe 1 und welche bei Zuordnung in Schutzstufe 2 zu veranlassen? Welche Gefährdungen sind für die Beschäftigten durch den offenen Umgang mit den Urinproben vorhanden bzw möglich?

Antwort:

Bei der Untersuchung von Urinproben handelt es sich um einen Umgang mit Körperausscheidungen, bei denen eine Infektionsgefährdung nicht völlig auszuschließen ist und somit um ungezielte Tätigkeiten nach der Biostoffverordnung - BiostoffV. Das Infektionsrisiko durch Urinproben gesunder Probanden ist allerdings sehr gering, es ist nicht vergleichbar mit dem Risiko durch Blutkontakte und liegt nicht über dem, dem die allgemeine Bevölkerung je nach Saison in der Öffentlichkeit ausgesetzt ist. Aufgrund des niedrigen Infektionsrisikos sind die Schutzmaßnahmen der Stufe 1, die den allgemeinen Hygienemaßnahmen entsprechen, ausreichend (siehe Technische Regel für biologische Arbeitsstoffe - TRBA 500). Die von Ihnen erwähnte TRBA 100 – „Schutzmaßnahmen für gezielte und nicht gezielte Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in Laboratorien“ ist nur dann anzuwenden, wenn es sich um Laboratorien im eigentlichen Sinne zur Untersuchung von menschlichen Probematerialien handelt, also z.B. im Einrichtungen der Laboratoriumsmedizin. Tätigkeiten zur Untersuchung von menschlichen Körperflüssigkeiten oder -ausscheidungen in Arztpraxen oder sonstigen vergleichbaren Untersuchungseinrichtungen (z.B. Urintests, Zuckertests) fallen unter die TRBA 250 „Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege“. Die Biostoffverordnung sowie die dazu veröffentlichten technischen Regeln für biologische Arbeitsstoffe - TRBA werden im Internet z.B. unter http://www.baua.de/prax/index.htm angeboten.

Stand: Dezember 2003