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Fallen Messgeräte (Messprinzip `Flammenionisationsdetektor), die nicht im Ex-Bereich eingesetzt werden,unter die ATEX-Richtlinie?

KomNet Dialog 2234

Stand:

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Explosionsschutz, Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen > Rechts- und Auslegungsfragen, Sonstiges (1.4.4)

Dialog
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Frage:

Meine Anfrage betrifft die Anwendung der ATEX-RL: Wie sieht es aus mit Messgeräten, denen prinzipbedingt Wasserstoff zugeführt wird, der im Inneren verbrannt wird (Messprinzip `Flammenionisationsdetektor FID`), die aber nicht für den Einsatz in EX-Umgebungen gedacht sind (Labor-/ Tischgeräte): Hier gibt es i.a. eine Brennkammer, in der H2 unter Zuführung von Sauerstoff verbrannt wird. Die Zuführung des H2 erfolgt über Rohrleitungen, das Volumen der Brennkammer beträgt einige wenige ml, der H2-Durchfluss 70-80 ml/min. Es findet im Inneren der Kammer eine kontrollierte Verbrennung statt, eine Freisetzung kann nur im Fehlerfall erfolgen (undichte Verschraubungen, etc.). Die Rohrleitungen haben entsprechend der zugeführten Gasmenge nur einen kleinen Querschnitt. Andererseits reichen elektrische Kontakte (Mess-Sensoren)in die Kammer, um die Messwerte aufzunehmen. Fallen derartige Analysengeräte unter die ATEX-Richtlinie?

Antwort:

Die Richtlinie 94/9/EG (ATEX-Richtlinie) regelt das erstmalige Inverkehrbringen von Produkten innerhalb der EU, die im Zusammenhang mit einem explosionsgefährdeten Bereich stehen. Hierbei muss der Hersteller, sein Bevollmächtigter oder eine weitere Person (Inverkehrbringer) entscheiden, ob das Produkt unter die RL 94/9/EG fällt und, soweit zutreffend, deren Bestimmungen anzuwenden sind. Für eine Beurteilung ist entscheidend, ob das Messgerät  in den Anwendungsbereich der Explosionsschutzverordnung (11. GPSGV) in Verbindung mit der Richtlinie 94/9/EG (ATEX) fällt, also ob ein Gerät entsprechend Artikel 1 Absatz 3 Buchstabe a der Rl 94/9 vorliegt.

Geräte fallen, gemäß der  Leitlinie zur RL 94/9/EG (ATEX-Guidelines) [Ausgabe 2001], nur dann in den Anwendungsbereich der Richtlinie, wenn die Geräte ganz oder teilweise für den Einsatz in explosionsgefährdeten Bereichen bestimmt sind. Die Tatsache, dass entsprechend der bestimmungsgemäßen Verwendung ein explosionsgefährdeter Bereich innerhalb des Gerätes vorhanden sein kann (wie hier geschildert), spielt nur bei folgenden Ausnahmen eine Rolle:
a) Wenn der FID innerhalb seines explosionsgefährdeten Bereiches ein eigenes Gerät mit autonomer Funktion beinhaltet, so fällt dieses innere Gerät selbst unter die ATEX-Richtlinie.
b) Wenn der FID auf Grund seiner Bauweise oder Betriebes einen explosionsgefährdeten Bereich erzeugt, der das Gerät ganz oder teilweise umgibt, befindet sich das Gerät tatsächlich im explosionsgefährdeten Bereich und unterliegt somit auch der Richtlinie.

Geräte im Sinne der Richtlinie müssen weiterhin eine eigene potenzielle Zündquelle besitzen. Wenn das Gerät bei bestimmungsgemäßer Verwendung (einschließlich Funktionsstörungen) eine explosionsgefährdete Atmosphäre entzünden kann, muss der erforderliche Schutzgrad der Richtlinie eingehalten werden.

Die Hauptfragen bei der Analyse gemäß der o.g. ATEX-Leitlinien sind:
1. Besitzt dass Gerät eine eigene potenzielle Zündquelle?
2. Wird das Gerät im Zusammenhang mit explosionsgefährdeten Bereichen eingesetzt?
3. Befindet sich im Gerät selbst, bestimmungsgemäß eine explosionsfähige Atmosphäre?

Nur wenn alle drei Fragen mit ja beantwortet, bzw. Frage 1 und 2 mit Ja beantwortet werden kann, fällt das betreffende Gerät unter die RL 94/9/EG. Bei den anderen Fällen ist aber immer die Einschränkung unter a) und b) zu beachten!

Hinweis: Die Nichtanwendung der 11. GPSGV (ATEX) bedeutet nur, dass die hier verankerten förmlichen Prüfverfahren vor dem Inverkehrbringen nicht angewendet werden müssen. Gleichwohl müssen in der Gefahrenanalyse die möglichen Explosionsgefahren diskutiert werden und das Gerät muss sicher in Verkehr gebracht werden, d.h. es muss z.B. eine Art von Zündsicherung haben. 

Hinweis: Die ATEX-Leitlinien (Guidelines), in der zweiten (aktualisierte) Fassung vom Juli 2005, können auf der folgenden Internetseite der Europäischen Union eingesehen werden: http://ec.europa.eu/enterprise/sectors/mechanical/documents/guidance/atex/.

Informationen zum Thema bietet die Physikalisch-Technische Bundesanstalt im Internet unter http://www.ptb.de/cms/fachabteilungen/abt3/exschutz.html an.