Inhaltsbereich
Seitentitel

KomNet-Wissensdatenbank

Wäre im Falle, dass Ausscheidungen von Ebolapatienten ins Abwasser abgeleitet werden, ein potentielles Infektionsrisiko bei Tätigkeiten im Abwasserkanal gegeben?

KomNet Dialog 22225

Stand: 05.11.2014

Kategorie: Gesunde Arbeit / Arbeitsschutz > Belastungen durch Biostoffe > Gefährdungen, Belastungen (6.2)

Dialog
Favorit

Frage:

Wäre im Falle, dass Ausscheidungen von Ebolapatienten ins Abwasser abgeleitet werden, ein potentielles Infektionsrisiko bei Tätigkeiten im Abwasserkanal gegeben?

Antwort:

Da das Ebolavirus außerhalb des Körpers in der Umwelt wenig stabil ist, stellt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) fest: Es gibt derzeit keinen Hinweis darauf, dass Ebolafieber über Abwassersysteme weitergegeben wird und das Virus dabei infektiös bleibt, sei es mit oder ohne Abwasserbehandlung. Abfall wie Stuhl, Urin und Erbrochenes sowie Waschwasser können über die Kanalisation abgegeben werden, eine weitere Behandlung ist nicht nötig (aus: "Interim Infection Prevention and Control Guidance for Care of Patients with Suspected or Confimed Filovirus Haemorrhagic Fever in Health-Care Settings, with Focus on Ebola", Stand 10.2014). Ähnlich argumentieren die Centers for Disease Control and Prevention (CDC), arbeiten nach einer Pressemitteilung vom 17.10.2014 derzeit aber dennoch eine vorläufige Leitlinie ("Interim Guidance for Workers Handling Untreated Sewage from Ebola Cases in the United States") für Beschäftigte im Abwasserbereich aus.

Nach der Orientierungshilfe für Fachpersonal (Stand 17.10.2014) des Robert Koch-Instituts zu Maßnahmen bei einem begründeten Ebolafieber-Verdachtsfall in Deutschland kann Abwasser, inklusive Stuhl und Urin, außerhalb von Sonderisolierstationen über die Toilette in das normale Abwassersystem entsorgt werden. Eine vorausgehende Desinfektion ist nicht nötig.

Die Technische Regel für Biologische Arbeitsstoffe "Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege" TRBA 250 bestimmt in Anhang 1: Die Untersuchung, Behandlung und Pflege von Patienten, die mit Krankheitserregern der Risikogruppe 4 infiziert sind, entsprechen Tätigkeiten der Schutzstufe 4. Diese müssen grundsätzlich in einem Behandlungszentrum (Sonderisolierstation) der Schutzstufe 4 erfolgen.
Hier sind die Regelungen weitreichender, in Abschnitt 1.2.4 des Anhangs 1 wird gefordert: Der Sanitärraum muss an eine thermische Inaktivierungsanlage für die Abwässer aus Waschbecken, Dusche und Toilette angeschlossen sein. Unter Umständen können die Abwässer auch in einem entsprechend eingerichteten Tank gesammelt und chemisch inaktiviert werden.

Weiterführende Schutzmaßnahmen im Hinblick auf das Ebolavirus für Mitarbeiter im Abwasserkanalbereich werden derzeit aus Arbeitsschutzsicht nicht gefordert. Die Regelungen der TRBA 220"Sicherheit und Gesundheit bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in abwassertechnischen Anlagen" sind einzuhalten.