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Wie beurteilen Sie die Situation, dass in einem Blankstahlwerk die Mitarbeiter im Sommer die Hosen hochkrempeln?

KomNet Dialog 21762

Stand: 11.08.2014

Kategorie: Arbeitszeit, Arbeitsbedingungen > Sicheres Verhalten / Erkennen von Gefährdungen > Arbeiten im Betrieb

Dialog
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Frage:

In einem Blankstahlwerk werden Hosen im Sommer durch die Mitarbeiter hochgekrempelt getragen, um die Wärmebelastung zu mindern. Nun besteht eine erhöhte Gefährdung von Schnittverletzungen an scharfkantigen in Bodennähe gelagertem Material. Welche Beurteilungen gibt es hierzu?

Antwort:

Die Frage betrifft sowohl arbeitsschutzrechtliche als auch arbeitsrechtliche Aspekte. Arbeitsschutzrechtlich muss zunächst unterstellt werden, dass der Arbeitgeber, wie nachfolgend beschrieben, seiner Pflicht zur Erstellung einer Gefährdungsbeurteilung nachgekommen ist und dabei ein Erfordernis spezieller Schutzkleidung festgestellt wurde.

Gemäß § 5 Arbeitsschutzgesetz - ArbSchG - i. V. m. § 3 der Betriebssicherheitsverordnung - BetrSichV ist der Arbeitgeber verpflichtet, eine Gefährdungsbeurteilung, hier speziell für die Arbeiten in seinem Blankstahlwerk, zu erstellen. Hierbei hat er mögliche Gefährdungen zu ermitteln, Maßnahmen zur Gefahrenabwehr bzw. Gefahrenminderung eigenverantwortlich festzulegen und diese umzusetzen.

In die Erstellung der Gefährdungsbeurteilung sind die Technische Regeln für Betriebssicherheit - TRBS - insbesondere die TRBS 1111 "Gefährdungsbeurteilung und sicherheitstechnische Bewertung", die PSA-Benutzungsverordnung - PSA-BV, sowie die berufsgenossenschaftlichen Vorschriften und Regelwerke, wie z. B. die DGUV Vorschrift "Grundsätze der Prävention" (bisher BGV A1) bzw. die DGUV Regel 112-189 "Benutzung von Schutzkleidung" (bisher BGR 189) einzubeziehen.

Die Entscheidung, ob für die Arbeiten im Betrieb aufgrund der sommerlichen Temperaturen das Tragen von "kurzen Hosen" bzw. das "Hochkrempeln von Hosen" erlaubt ist oder gemäß dem Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung entsprechend "lange" Schutzkleidung getragen werden muss, trifft somit der Arbeitgeber in eigener Verantwortung.

Abweichungen vom "Technischen Regelwerk" der berufsgenossenschaftlichen Vorschriften sind grundsätzlich möglich, müssen aber in der Gefährdungsbeurteilung hinreichenddokumentiert werden. Da im Schadensfall solche Abweichungen oft sehr kritisch hinterfragt werden, empfehlen wir, solche Abweichungen im Vorfeld mit dem zuständigen Unfallversicherungsträger abzustimmen.

Das Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung ist gemäß § 6 ArbSchG hinreichend zu dokumentieren. Bei der Erstellung der Gefährdungsbeurteilung wird der Arbeitgeber durch die Fachkraft für Arbeitssicherheit und den Betriebsarzt unterstützt.

Hinweis:
Auf § 1 Abs 1 der PSA-BV weisen wir gesondert hin.

In den FAQ des Fachausschusses "Persönliche Schutzausrüstung" Sachgebiet Schutzkleidung wird zu der Frage "Was versteht man unter Schutzkleidung im Gegensatz zur Arbeitskleidung, die am Arbeitsplatz verwendet wird?" u. a. folgendes ausgeführt:
"Im Gegensatz zur Schutzkleidung wird bei der Arbeitskleidung keine spezielle Schutzwirkung ausgelobt. Im Wesentlichen wird diese Kleidung getragen, um Verschmutzungen o. ä. von der Privatkleidung fern zu halten. Teilweise wird auch so genannte Zunftkleidung als "Arbeitskleidung" getragen. Neben dem Effekt, die Privatkleidung zu schonen, wird hierdurch die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Berufsgruppe gezeigt. Die Kosten für Arbeitskleidung müssen im Gegensatz zur Schutzkleidung im Regelfall nicht vom Arbeitgeber übernommen werden. Die Kosten für Arbeitskleidung müssen ggf. dann vom Arbeitgeber getragen werden, wenn das Arbeitsverfahren eine ständige und starke Verschmutzung der Arbeitskleidung bedingt und hierdurch für den Beschäftigten eine Gefährdung gegeben ist."

Fazit:
Unter bestimmten Umständen, wenn z. B. die Gefährdungsbeurteilung ergibt, dass keine Schutzkleidung erforderlich ist, wie z. B. bei Büroarbeitsplätzen, könnte auch das Tragen von "kurzen Hosen" bzw. das "Hochkrempeln von Hosen" durch den Arbeitgeber erlaubt werden.