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Welche Methoden zur Sanierung von Überfüllschäden von Vergaserkraftstoff an Tankanlagen gibt es?

KomNet Dialog 2174

Stand:

Kategorie: Gesunde Arbeit / Arbeitsschutz > Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Sanierungsarbeiten, Entsorgung

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Frage:

Welche Methoden zur Sanierung von Überfüllschäden/ Leckagen von Vergaserkraftstoff an Tankanlagen gibt es und welche Konsequenzen für den Arbeitsschutz haben die verschiedenen Methoden?

Antwort:

Für alle Sanierungsmaßnahmen ist folgendes zu beachten: Die Arbeitsschutzmaßnahmen hängen von der Höhe der Kontamination und der Arbeitsweise ab. In jedem Fall muss vor Beginn der Arbeiten ein Sicherheitsplan nach TRGS 524 erstellt werden. Bei der Festlegung der Arbeitsschutzmaßnahmen sind die berufsgenossenschaftlichen Regeln BGR 128 zu beachten. Unter anderem muss der Hautkontakt mit dem kontaminierten Material vermieden werden. Die Atemluftbelastung ist zu überprüfen und die arbeitsschutzrelevanten Grenzwerte MAK- und TRK-Werte) sind zu unterschreiten. Hier ist insbesondere wegen der krebserzeugenden Eigenschaften die Benzolbelastung zu berücksichtigen."

Das Merkblatt M 22 "Arbeitsschutz bei Erdbauarbeiten auf Altlasten und bei der Altlastensanierung" des Amtes für Arbeitsschutz in Hamburg enthält weitere Angaben zum Thema.

Für die Sanierung von Böden nach Überfüllschäden durch Kohlenwasserstoffe sind drei Methoden bekannt.

  1. Bei kleineren Schäden in der Nähe der Erdoberfläche oder mit begrenzter Ausdehnung bietet sich das Auskoffern an.
  2. Bei mittleren Schadensgrößen bzw. durchlässigen Böden oberhalb einer Wasserschicht und größeren Tiefen bietet sich die Brunnensanierung an.
  3. Bei großen Schadensmengen und in großen Tiefen sowie in großen Ausbreitungsbereichen bietet sich die Bodenluftabsaugung an.
Auskoffern
Es erfolgt ein Bodenaustausch und Abfahren des verseuchten Bodens zur Verbrennung oder bei leichtflüchtigen Flüssigkeiten das Ausdunsten unter mehrfacher Umlagerung. Dieses Verfahren ist in der Regel bis zu einer Tiefe von 6 m anwend- und bezahlbar. Es bedarf einer kontinuierlichen Überwachung, da großflächige explosionsgefährdete Bereiche zu erwarten sind. Es ist eine Absperrung von mindestens 10 m um die Grube erforderlich. Die Baggerarbeiten dürfen nur unter äußerster Vorsicht durchgeführt werden.

Brunnensanierung
Bei mittleren Schadensgrößen bzw. durchlässigen Böden oberhalb einer Wasserschicht und größeren Tiefen bietet sich die Brunnensanierung an. Es werden ein oder mehrere Brunnen im Bereich der Schadensstelle gebohrt. Entweder wird das Wasser/Schadstoffgemisch mittels einer Ex-Tauchpumpe oder einem umlaufendem Band mit angehängten Stoffteilen, die an der Oberfläche entwässert werden, gefördert. Bei diesem Verfahren muss der Brunnen gerammt werden, um Explosionsgefahren zu vermeiden. Um den Brunnen ist ein Schutzstreifen von ca. 10 m einzuhalten und abzusperren, um die Zündung der austretenden Dampf/Luftgemische zu vermeiden. Das Wasser muss von den entzündlichen Flüssigkeiten in einer explosionsgeschützten Anlage oder in einem Tank mit flammendurchschlagsicheren Armaturen durch Absetzen getrennt werden. (Dieses Verfahren wurde auf dem Müllberg Georgswerder in Hamburg durchgeführt)

Bodenluftabsaugung
Bei großen Schadensmengen und in großen Tiefen sowie in großen Ausbreitungsbereichen bietet sich die Bodenluftabsaugung an. Bei der Bodenluftabsaugung werden im Vergleich zur Brunnensanierung eine größere Anzahl von Rohren in den Boden getrieben und mit einer Luftsauganlage verbunden. Über die Steuerung dieser Anlage wird ein gesättigtes Dampf/Luftgemisch automatisch soweit verdünnt, dass die Kohlenwasserstoffe entweder über Aktivkohle oder eine "Thermische Nachverbrennung" schadlos aufgefangen oder entsorgt werden können. Der Betrieb solcher Anlagen kann über das Internet vom Fachbetrieb aus ferngesteuert und überwacht werden. Die Sanierungsgeschwindigkeit dieser Methode ist größer als bei der Brunnensanierung und hängt von den Zeitintervallen zwischen "saugen" und "Ruhe" ab. Da bei dieser Methode keine Kohlenwasserstoffe an die Umgebung abgegeben werden können, gibt es auch außerhalb der Rohrleitungen keine explosionsgefährdeten Bereiche. Die Geschwindigkeit der Sanierung kann durch Air-Sparging" wesentlich gesteigert werden. Dabei wird zusätzlich zur Bodenluftabsaugung in die Bodenschichten unterhalb des Schadensbereiches Druckluft eingeblasen. Der Austrag der Schadstoffe wird dadurch wesentlich erhöht.

Stand: August 2005