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KomNet-Wissensdatenbank

Darf bei der Aufstellung von mehreren Monitoren in einer Leitstelle die oberste Bildschirmzeile über Augenhöhe liegen?

KomNet Dialog 2172

Stand:

Kategorie: Gestaltung von Arbeitsplätzen > Bildschirmarbeitsplätze > Bildschirmergonomie

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Frage:

Mit der Einrichtung einer Leitstelle ( einschl. Steuereinheiten ) betraut, stellt sich uns bezüglich der Anordnung der Monitore folgender Sachverhalt dar. Es handelt sich je Arbeitsplatz um eine übereinander gelagerte Anordnung von jeweils 4 Monitoren in zwei Reihen. Von der gesamten Bildschirmfläche befinden sich somit ca. 2/3 oberhalb der Augenhöhe. Die Forderung wonach die oberste Bildschirmzeile max. in Augenhöhe liegen darf kann somit nicht erfüllt werden. In Beratungsgesprächen wurden uns zweierlei Rechtsauffassungen mitgeteilt: 1. Die Forderung bezüglich der in Augenhöhe liegenden obersten Bildschirmzeile sei als Empfehlung des Unfallversicherungsträgers eine `Soll-Regelung` und somit rechtlich nicht durchsetzbar. 2. Die Forderung bezüglich der in Augenhöhe liegenden obersten Bildschirmzeile sei wegen der Veröffentlichung durch den Unfallversicherungsträger `Stand der Technik` und daher als rechtlich zwingend vorgeschrieben anzusehen. Bezugnehmend auf den § 4/ 3. ArbSchG wurde uns bezüglich der Wortwahl `zu berücksichtigen` mitgeteilt, dass dies keine zwingende Regelung sei und der Arbeitgeber daher aus wirtschaftlichen, wie auch anderen Erwägungen hiervon abweichen könne. Unsere Urteilsrecherchen ergaben bezüglich der Durchsetzbarkeit von Forderungen gem. BildschirmarbV bisher leider keine aussagekräftigen Ergebnisse. Für eine diesbezügliche Hilfestellung Ihrerseits wäre ich sehr dankbar.

Antwort:

Leitstellen fallen unter die Bildschirmarbeitsverordnung (BildscharbV)und sind wie Bildschirmarbeitsplätze einzurichten.
Grundsätzlich muss der Arbeitgeber bei Bildschirmarbeitsplätzen die Sicherheits- und Gesundheitsbedingungen insbesondere hinsichtlich einer möglichen Gefährdung des Sehvermögens sowie körperlicher Probleme und psychischer Belastungen ermitteln und beurteilen (§ 3 BildschirmarbV).


Um die allgemeinen Vorschriften des Anhangs der BildscharbV zu konkretisieren, hat die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG) in der Schriftenreihe Prävention die Berufsgenossenschaftliche Information (BGI) 650 veröffentlicht, Internet: http://www.recht.com/hvbg . Die Information enthält Handlungsanleitungen zur Umsetzung der BildscharbV, die auch durch andere, ebenso sichere Lösungen ersetzt werden können - wenn es solche gibt. Bezogen auf die Aufstellung des Bildschirms, insbesondere bezüglich der obersten Bildschirmzeile, die „keinesfalls oberhalb der horizontalen Sehachse“ liegen soll (ebd. S. 44; Ausgabe 5.2002), gibt es allerdings weltweit keine alternative technische Lösung, die zur Umsetzung der BildscharbV herangezogen werden könnte. Die Rechtslage ist somit eindeutig.

Die praktische Umsetzung bereitet dort Schwierigkeiten, wo mehrere Bildschirme beobachtet und über Tastaturen, Lichtgriffel oder andere Eingabeinstrumente ggf. steuernd in Produktionsprozesse eingegriffen werden muss – dies ist insbesondere bei Leitständen der Fall.
Ohne Kenntnis der konkreten Arbeitssituation können hier nur allgemeine Hinweise gegeben werden:
Der Leitstandstisch sollte in eine Arbeitsebene für die Eingabegeräte usw. (die Arbeitsfläche direkt vor den Beschäftigten) und eine Bildschirmebene aufgeteilt werden. Die Ebenen sind getrennt voneinander in der Höhe zu verstellen und ermöglichen eine Anpassung der Arbeitshöhen, wobei die hintere Bildschirmebene soweit abzusenken ist, dass übereinander stehende Bildschirme unterhalb der horizontalen Sehachse positioniert werden können. Sind die Bildschirmdiagonalen so groß, dass dies nicht vollständig zu bewerkstelligen ist, müssen jene Bildschirme, die häufig benutzt werden (insbesondere bezüglich notwendiger Eingaben!) in der unteren Reihe stehen und jene die seltener benutzt werden in der oberen Reihe – dies ist ein praktikabler Kompromiss, der auch die Aspekte des Gesundheitsschutzes bezüglich der Vermeidung statischer Körperhaltungen berücksichtigt.