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KomNet-Wissensdatenbank

Gefährdungen durch künstliche Mineralfasern in Decken

KomNet Dialog 2167

Stand:

Kategorie: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Gefährdungen > Gefährdungen durch bestimmte Stoffe / Zubereitungen

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Frage:

Ort: Schule, gebaut etwa 1975. Künstliche Mineralfaserstoffe in abgehängten Decken/Eingangsbereich und angrenzendem Frühstücks- und Aufenthaltsbereich. Zustand: Deckenpaneele sind mit einem Zwischenraum von einem Zentimeter Zwischenraum verlegt. Oberhalb eingebracht ist lose Mineralwolle. Der Rieselschutz ist defekt und zum Teil schon nicht mehr vorhanden. Wie ist dieser Zustand zu beurteilen? - muss hier von einer gesundheitlichen Gefährdung ausgegangen werden? - Welche Vorschriften und Regelwerke sind in diesem Fall anzuwenden? - Welche Verpflichtung hat der Arbeitgeber gegenüber den Beschäftigten (Lehrer, Reinigungspersonal)?

Antwort:

Bei den künstlichen Mineralfasern muss man bei einem Einbaudatum in den 70er Jahren davon ausgehen, dass es sich hierbei (Einstufung zumindest nach deutschem Recht) um krebserzeugende Fasern der Kategorie 2 handelt. Kategorie 2 bedeutet, dass es hinreichende Anhaltspunkte für eine begründete Annahme gibt, dass die Exposition eines Menschen gegenüber den Fasern Krebs erzeugen kann. Die Annahme beruht dabei auf Langzeit-Tierversuchen oder sonstigen relevanten Informationen.
Eine besondere Gefährdung besteht für Mitarbeiter, die offen mit diesem Material umgehen z.B. bei Umbau- oder Sanierungsarbeiten. Hierzu gibt es eindeutige Arbeitsschutzvorschriften (TRGS 521 Faserstäube).
In dem vorliegenden Fall handelt es sich um einen passiven Umgang, d.h. die Mineralwolle wird weder bearbeitet noch entfernt, die Beschäftigten sind aber den Faserstäuben ausgesetzt. Wie bei allen krebserzeugenden Gefahrstoffen ist nicht auszuschließen, dass bei einer Dauerbelastung durch die Faserstäube gesundheitliche Beeinträchtigungen entstehen können. Allerdings gibt es für krebserzeugende Stoffe grundsätzlich keinen Grenzwert, der eine Gesundheitsgefahr ausschließt. Darüber hinaus steigt das Gesundheitsrisiko natürlich mit der Höhe der Exposition. Die Höhe der Exposition ist nicht abschätzbar, da diese von vielen Faktoren wie Stärke der Luftströmung, Zustand der Fasern, Bindemittel, Lüftungsverhalt u.a. abhängig ist. Zum heutigen Zeitpunkt muss eingebautes Fasermaterial mit offenem Kontakt zu der Umgebungsluft als nicht mehr dem "Stand der Technik" entsprechend eingestuft werden.
Gemäss § 3 Abs. 1 Nr. 1 der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) ist der Arbeitgeber verpflichtet, “... die Arbeitsstätte nach dieser Verordnung, den sonst geltenden Arbeitsschutz- und Unfallverhütungsvorschriften und nach den allgemein anerkannten sicherheitstechnischen, arbeitsmedizinischen und hygienischen Regeln sowie den sonstigen gesicherten arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen einzurichten und zu betreiben ...”.
Da von den Mineralfasern eine gesundheitliche Gefährdung für die Beschäftigten ausgehen kann, besteht für den Arbeitgeber ein Handlungsbedarf.
Der Arbeitgeber muss in der Gefährdungsbeurteilung und Dokumentation nach §§ 5/6 Arbeitsschutzgesetz die Situation betrachten und beurteilen. Nach durchgeführter Beurteilung ist festzulegen, welche konkreten Arbeitsschutzmaßnahmen durchzuführen sind, wie z.B. Entfernung der Mineralwolle oder ausreichende Abschottung der Mineralwolle zum Arbeitsplatz (verschließen der offenen Holzverkleidung).
Eine generelle Verpflichtung zum Austausch der Fasermatten besteht nicht.
Weitere Informationen bietet der Leitfaden des Länderausschusses für Arbeitsicherheit, LASI-Leitfaden LV17 „Künstliche Mineralfasern“ Handlungsanleitung für die Beurteilung von und den Umgang mit Mineralfaserprodukten, Internet: http://lasi.osha.de/docs/lv17.pdf .
In der KomNet-Datenbank werden Dialoge mit ähnlichen Fragestellungen unter dem Suchwort Mineralfasern, insbesondere unter Dialog 1044 angeboten.
Stand: 10.10.2003