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Wie kann die Strahlendosis von Händen bzw. Unterarme eines Handchirurgen gemessen werden, wenn Ringdosimeter aus hygienischen Gründen verboten sind?

KomNet Dialog 21565

Stand: 16.07.2014

Kategorie: Physikalische Belastungen und Beanspruchungen > Ionisierende Strahlung > Röntgeneinrichtungen, Störstrahler

Dialog
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Frage:

In meiner Tätigkeit als Plastischer und Handchirurg werden auch Brüche an der Hand operiert. Hierfür ist während der Operation die Anfertigung von Röntgenbildern bzw. Röntgendurchleuchtungen des Operationsgebietes notwendig. Hierbei sitzt man als Operateur im Kontrollbereich des Bildwandlers und hat, auch wenn es versucht wird zu vermeiden, mindesten eine Hand im Strahlengang des Gerätes. Bisher habe ich zusätzlich zur Plakette unter meiner Bleischürze ein Ringdosimeter unter meinen (nicht röntgendichten) Handschuhe getragen. Diese ist mir jetzt aus hygienischen Gründen untersagt worden. Nun meine Frage: Wie kann die Strahlendosis, die auf meine Hände bzw. Unterarme einwirkt, gemessen werden? Ist der Arbeitgeber verpflichtet, uns strahlendichte OP-Handschuhe bzw. auch eine Brille (Dosis an der Augenlinse)bereitzustellen?

Antwort:

Das Problem der Hygiene wird in Zusammenhang mit Fingerringdosimetern häufig angeführt, kann von uns aber nicht nachvollzogen werden. 

Die vom MPA ausgelieferten Fingerringdosimeter sind so beschaffen, dass sie problemlos desinfiziert werden können. Man kann die Fingerringdosimeter in eine entsprechende Flüssigkeit legen, ohne dass diese Schaden erleiden. Was man nicht kann, ist diese steriliseren, da hierbei zu hohe Temperaturen erforderlich sind. Eine Desinfektion ist aus unserer Sicht allerdings ausreichend. Wenn ein Handschuh reißt -und dies geschieht in der Regel nicht durch das Dosimeter- ist die Hand auch nur desinfiziert und nicht sterilisiert und es liegen somit identische hygienische Verhältnisse vor.

Zusätzliche Dosimeter sind immer dann erforderlich, wenn anzunehmen ist, dass für die Hände 150 mSv und für die Augenlinse mehr als 45 mSv (§ 35 Abs. 5 RöV) erreicht werden können.

Für den Bereich der Streustrahlung kann die Dosis durch das Tragen von speziellen Handschuhen reduziert werden. Diese Handschuhe sind mehrfach verwendbar und reduzieren die Strahlenexposition je nach Strahlenqualität um 20 bis 30 %. Da diese Handschuhe sehr dünn sein müssen, bieten sie jedoch keinerlei Schutz bei Expositionen in der Nutzstrahlung.
Um zu erreichen, dass die Hände nicht in die Nutzstrahlung gelangen, sollte das Strahlenfeld so klein wie möglich eingeblendet werden. Dies senkt auch die Strahlenbelastung in der Umgebung und damit auch für die Augen.

Der Strahlenschutzverantwortliche ist an das Minimierungsgebot gebunden. Dies bedeutet jedoch nicht, das immer alles, was möglich wäre auch getan werden muss. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis muss natürlich auch hier berücksichtigt werden. Wie aus Ihrer Anfrage zu entnehmen ist, haben Sie in der Vergangenheit Fingerringdosimeter getragen. Wenn dies über einige Monate erfolgt ist, kann aus der Auswertung dieser Daten sicher auch entnommen werden, ob Sie die Werte nach § 35 Abs. 5 RöV erreichen und damit das Tragen von Dosimetern begründet ist.