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Darf ich im Rahmen einer G37-Untersuchung trotz gutem Sehtestergebnis eine Bildschirmbrille verordnen, da der Beschäftigte mit seiner Brille Halswirbelsäulenbeschwerden hat?

KomNet Dialog 21430

Stand: 27.06.2014

Kategorie: Gesundheitsschutz > Arbeitsmedizinische Vorsorge > Konsequenzen aus Befunden

Dialog
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Frage:

Ist es mir als Betriebsärztin möglich, im Rahmen einer G37-Untersuchung bei gutem Sehtestergeebnis dennoch eine Bildschirmbrille auf Kosten des Arbeitgebers zu verordnen/empfehlen - allein mit dem Grund, daß der Beschäftigte Halswirbelsäulenbeschwerden bei der Bildschirmarbeit mit seiner z.B. Gleitsichtbrille angibt?

Antwort:

Zunächst ist festzuhalten, dass die G37 durch staatliches Recht überholt ist. Betriebsärztinnen und Betriebsärzte führen nach der Bildschirmarbeitsverordnung (BildscharbV) § 6 eine "Untersuchung der Augen und des Sehvermögens" durch:

"Für die Untersuchung der Augen und des Sehvermögens einschließlich des Zurverfügungstellens von speziellen
Sehhilfen gilt die Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge" (ArbMedVV) "vom 18. Dezember 2008 (BGBl. I S. 2768), die im Anhang Teil 4 einen Anlass für Angebotsuntersuchungen enthält, in der jeweils geltenden Fassung."
In der ArbMedVV, Anhang Teil 4 (Sonstige Tätigkeiten) heißt es in Absatz 2 (Angebotsvorsorge):

"1. Tätigkeiten an Bildschirmgeräten
Die Angebotsvorsorge enthält das Angebot auf eine angemessene Untersuchung der Augen und des
Sehvermögens. Erweist sich auf Grund der Angebotsvorsorge eine augenärztliche Untersuchung
als erforderlich, so ist diese zu ermöglichen. § 5 Abs. 2 gilt entsprechend für Sehbeschwerden. Den
Beschäftigten sind im erforderlichen Umfang spezielle Sehhilfen für ihre Arbeit an Bildschirmgeräten zur
Verfügung zu stellen, wenn Ergebnis der Angebotsvorsorge ist, dass spezielle Sehhilfen notwendig und
normale Sehhilfen nicht geeignet sind
;"
Mithin ist zunächst zu prüfen, ob (objektiv !) "normale Sehhilfen nicht geeignet sind". Wenn das nach ärztlicher Überzeugung der Fall ist, ist eine Empfehlung (Verordnung) durch die Betriebsärztin/den Betriebsarzt zu rechtfertigen.