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KomNet-Wissensdatenbank

Dürfen werdende Mütter bei erhöhten Werten eines aliphatischen Kohlenwasserstoffes beschäftigt werden?

KomNet Dialog 214

Stand:

Kategorie: Besondere Zielgruppen > Werdende und stillende Mütter > Gefährdungen für werdende / stillende Mütter

Dialog
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Frage:

Eine Mitarbeiterin eines grafischen Betriebes hat folgende Fragen: In einem Neubau (Fertigstellung August 1999) haben alle Mitarbeiter Probleme mit der Atmung, Übelkeit, Kopfschmerzen und Hautausschlag. Einige Mitarbeiterinnen sind schwanger (6. Monat) und deshalb besonders beunruhigt. Auf Drängen der Beschäftigten wurden Messungen der Raumluft durchgeführt, die einen erhöhten Wert (98,7 mg/m3) eines aliphatischen Kohlenwasserstoffgemisches ergaben. Bislang konnte niemand mitteilen, wo Grenzwerte liegen, wenn man sich bis zu über 10 Stunden in solchen Räumen über Monate hinweg aufhält. Im Messbericht steht nur, dass dieser Wert „äußerst bedenklich“ ist.

Antwort:

Die Interpretation des genannten Messergebnisses ist nur eingeschränkt möglich, da wesentliche Angaben zur Probennahme fehlen. Es ist beispielsweise nicht klar, ob die Innenraummessung entsprechend der Innenraumrichtlinie 4300 des VDI durchgeführt wurde.
Innenraumrichtwerte sind primär für die gesundheitliche Bewertung von Einzelsubstanzen entwickelt worden, da das in der Toxikologie verfügbare Wissen auf Einzelstoffbetrachtungen beruht und nur ein sehr geringes Wissen über Wechsel- und Kombinationswirkungen verfügbar ist. Üblicherweise wird bei Stoffen einer gleichen Verbindungsklasse eine Ähnlichkeit der Wirkung angenommen.

Eine gesetzliche Regelung zur Begrenzung von Expositionen gegenüber Verunreinigungen in der Innenraumlauft (und damit verbindliche Grenzwerte) fehlt bisher. Die toxikologisch begründeten maximalen Arbeitsplatzkonzentrationen (MAK-Werte) können nicht als Bewertungsgrundlage für Innenräume herangezogen werden, sie gelten nur, wenn die Stoffeinwirkung produktionsbedingt erfolgt.
Für einige Substanzen gibt es Richtwerte, die von der Ad-hoc-Gruppe der Innenraumlufthygiene -Kommission des Umweltbundesamtes und der Arbeitsgemeinschaft der Obersten Landesgesundheitsbehörden festgesetzt und veröffentlicht wurden.
Unabhängig von diesen Ausführungen ist der genannte Wert als erhöht anzusehen und sollte Anlass geben, die Ursachen (die u.U. auch in der Messstrategie liegen können) und ggf. auslösenden Substanzen zu ermitteln.

Aliphatische Kohlenwasserstoffe gehören zu den leichtflüchtigen organischen Verbindungen mit einem Siedepunkt zwischen 50 – 150° Celsius und werden verbreitet als Lösungsmittel in Lackverdünnern und Klebstofflösungen eingesetzt.

Denkbare Quellen sind also neuverlegte Teppichböden, neue Möbel, neue Lackanstriche, aber in einem grafischen Betrieb auch die eingesetzten Arbeitsmaterialien. Wichtige Sofortmaßnahme ist regelmäßiges und intensives Lüften der Räume.

Bezüglich der schwangeren Mitarbeiterinnen ist eine Bewertung ebenso schwierig, da nicht klar ist um welche Substanzen es sich handelt und zudem über viele Stoffe keine wissenschaftlichen Erkenntnisse hinsichtlich einer möglichen Fruchtschädigung vorliegen. Hexan als Beispiel für einen aliphatischen Kohlenwasserstoff wurde von der MAK-Werte Kommission in die Schwangerschaftsgruppe C eingestuft, d.h. ein Risiko der Fruchtschädigung braucht bei Einhaltung des MAK-Wertes nicht befürchtet werden. 

 (Stand: 19.06.2000)