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Dürfen Serverräume ohne FI-Schutz betrieben werden? Falls ja, sind sie als elektrische Betriebsräume zu betrachten?

KomNet Dialog 21348

Stand: 14.06.2014

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Benutzung von Arbeitsmitteln und Einrichtungen > Sichere Benutzung der Arbeitsmittel

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Frage:

Dürfen in Serverräumen Anlagenteile elektrisch ohne einen FI-Schutz betrieben werden? Wenn ja, sind Serverräume als elektrische Betriebsräume zubetrachten, in den nur elektrisch unterwiesenes Personal arbeiten darf?

Antwort:

Schutzmaßnahmen gegen elektrischen Schlag sind für elektrische Installationen spätestens seit dem Inkrafttreten der DIN-VDE 0100-410 (Februar 2009) nach dieser Norm auszuführen.

Eine "Neuheit" dieser Norm besteht darin, dass Steckdosenstromkreise, die für die Benutzung durch Laien vorgesehen sind, nun mit Fehlerstromschutzschaltern für den Personenschutz ausgestattet sein müssen. Dies gilt z. B. jedoch nicht für solche Steckdosen, denen ein bestimmter elektrischer Verbraucher zugeordnet ist (z. B. Steckdosen für Kühlschränke in Einbauküchen).

Da Geräte der Informationstechnologie im Normalbetrieb oft bereits konstruktionsbedingt Ableitströme (also keine Fehlerströme!) über den Schutzleiter abführen, welche in Summe einen Fehlerstromschutzschalter mit 10 oder 30 mA Nennauslösestrom zur Auslösung bringen könnten und diese Geräte zudem üblicherweise bestimmten Steckdosen (=> den besonders gekennzeichnete "EDV-Steckdosen") zugeordnet sind, werden Stromkreise für die Versorgung von EDV-Anlagen in der Regel nicht über Fehlerstromschutzschalter abgesichert.

Was unter dem Begriff "Elektrischer Betriebsraum" zu verstehen ist, kann u. a. der Landesbauordnung entnommen werden. In NRW ist dies die "Sonderbauverordnung - SBauVO -, Teil 6 "Betriebsräume für elektrische Anlagen".
Andere Bundesländer haben die Anforderungen in einer gesonderten Verordnung (z. B. ELTBAUVO) geregelt.
Nachfolgend sind der Anwendungsbereich und die Begriffsbestimmungen der SBauVO NRW, Teil 6 dargestellt:

"§ 139 Anwendungsbereich für das Aufstellen elektrischer Anlagen in Betriebsräumen
Die Vorschriften des Teils 6 gelten für die Aufstellung von
1. Transformatoren und Schaltanlagen für Nennspannungen über 1 kV,
2. ortsfesten Stromerzeugungsaggregaten für bauordnungsrechtlich vorgeschriebene sicherheitstechnische Anlagen und Einrichtungen und
3. zentralen Batterieanlagen für bauordnungsrechtlich vorgeschriebene sicherheitstechnische Anlagen und Einrichtungen in Gebäuden.

§ 140 Begriffsbestimmung für elektrische Betriebsräume
Betriebsräume für elektrische Anlagen (elektrische Betriebsräume) sind Räume, die ausschließlich zur Unterbringung von Einrichtungen im Sinne des § 139 dienen."


Darüber hinaus existiert auch der Begriff "abgeschlossene elektrische Betriebsstätte" (siehe z.B. BGI 519"Sicherheit bei Arbeiten an elektrischen Anlagen") mit folgender Definition:

"Abgeschlossene elektrische Betriebsstätten sind Räume oder Orte, die ausschließlich zum Betrieb elektrischer Anlagen dienen und unter Verschluss gehalten werden. Der Verschluss darf nur von beauftragten Personen geöffnet werden. Zutritt haben Elektrofachkräfte und elektrotechnisch unterwiesene Personen, Laien nur unter Beaufsichtigung von Elektrofachkräften oder elektrotechnisch unterwiesenen Personen.
Hierzu gehören z. B. abgeschlossene Schalt- und Verteilungsanlagen, Transformatorenzellen, Schaltzellen, Verteilungsanlagen in Blechgehäusen oder in anderen abgeschlossenen Anlagen, Maststationen."


Aus den genannten Definitionen und Anwendungsbereichen ergibt sich, dass Serverräume nicht als "elektrische Betriebsräume" im Sinne der SBauVO bzw. BGI 519 anzusehen sind.

Gleichwohl gelten Server als "elektrische Betriebsmittel" (bzw. "elektrische Arbeitsmittel" im Sinne der Betriebssicherheitsverordnung - BetrSichV). Arbeiten daran (z. B. Umbauten oder Instandsetzungen) sind nur Elektrofachkräften bzw. zumindest elektrotechnisch unterwiesenen Personen unter der Leitung und Aufsicht einer Elektrofachkraft vorbehalten.

Prüfungen sind durch eine "befähigte Person" im Sinne der BetrSichV in Verbindung mit der Technischen Regel für Betriebssicherheit TRBS 1203 "Befähigte Personen" durchzuführen.