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Welche Schutzmaßnahmen müssen in einer Müllentsorgungsfirma zum Schutz vor Keimbelastungen getroffen werden?

KomNet Dialog 2124

Stand:

Kategorie: Belastungen durch Biostoffe > Schutzmaßnahmen beim Umgang mit Biostoffen > Technische Schutzmaßnahmen (6.)

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Frage:

Ich arbeite seit vielen Jahren in einer Müllentsorgungsfirma. In den letzten Jahren als Fahrer/Schütter zur Entsorgung verschiedener Abfälle. Seit einiger Zeit besitzt die Firma nun Seitenlader, welche ich auch fahre. Beim arbeiten damit entsteht eine dermaßen große Belastung mit aufgewirbeltem Asche-Hausmüll- Staub-Schimmelpilzen und wer weiß was noch alles. Es setzt sich im Fahrerhaus eine dicke Schicht ab, welche jedoch nur einen kleinen Teil dessen ausmacht, was man dabei einatmet und auch die Anwohner und die Umwelt belastet. Das Auto ist nach oben fast offen, so dass eine Schüttung ohne Aufwirbeln von Schmutz nicht möglich ist. Meine Frage ist nun: 1.) Wer prüft die Belastung der Arbeiter und Anwohner mit solchem Schmutz (Staub bei der Abfallentsorgung) und muss ich diese Arbeit wirklich ohne ausreichenden Schutz durchführen? 2.) Gibt es Möglichkeiten, sich untersuchen zu lassen, um sicherzustellen, dass man durch diese Tätigkeit nicht krank wird?

Antwort:

1.) Nach den geltenden Arbeitsschutzvorschriften hat der Arbeitgeber die Belastungen bzw. Gefährdungen der Beschäftigten zu ermitteln, zu beurteilen und die entsprechenden Schutzmaßnahmen festzulegen.

Bei der Müllentsorgung ist in erster Linie mit einer Gefährdung durch biologische Arbeitsstoffe (Mikroorganismen) zu rechnen. Mikroorganismen sind mikroskopisch kleine Lebewesen und Strukturen wie Bakterien, Schimmelpilze und Viren. Mikroorganismen kommen überall vor, in der Luft, im Boden, auf Gegenständen, in verrottendem Material etc. In allen Arten von Abfall kommen Mikroorganismen verstärkt vor. Die Belastung des Mülls mit Mikroorganismen ist im Einzelnen der Art, Menge und Zusammensetzung nach nicht bekannt.

Um Beschäftigte beim Umgang mit Mikroorganismen zu schützen, wurde die Biostoffverordnung erlassen. Sie legt fest, was bei Tätigkeiten, bei denen eine Exposition gegenüber biologischen Arbeitsstoffen stattfinden kann, zu beachten ist. So hat der Arbeitgeber im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung die Risiken für die Beschäftigten abzuschätzen und die notwendigen Schutzmaßnahmen festzulegen. Sie verpflichtet den Arbeitgeber auch, die Gefährdung durch biologische Arbeitsstoffe möglichst gering zu halten.
Die Biostoffverordnung legt ebenfalls die Rangfolge der zu treffenden Schutzmaßnahmen fest. Demnach haben technische und organisatorische Maßnahmen Vorrang vor persönlichen Schutzmaßnahmen. Das bedeutet, dass der Arbeitgeber zunächst durch geeignete technische Vorrichtungen die Staubbelastung reduzieren muss, bevor persönliche Schutzausrüstung wie Atemschutz (Staubmasken) in Betracht zu ziehen ist.
Die Überwachung der Einhaltung der Arbeitsschutzvorschriften ist Aufgabe der Ämter für Arbeitsschutz, Gewerbeaufsichtsämter. Hier finden Sie Hilfe und Unterstützung, wenn Ihr Arbeitgeber seiner Verantwortung nicht gerecht wird.

2.) Sie haben die Möglichkeit, sich von Ihrem Betriebsarzt arbeitsmedizinisch untersuchen und beraten zu lassen.
Die bei der Müllentsorgung vorkommenden Mikroorganismen können Infektionskrankheiten und Allergien auslösen. Ein Zusammenhang mit dem bei Ihnen festgestellten Blasentumor besteht nicht. Hauptrisikofaktor für die Entstehung von Blasenkrebs ist das Rauchen. Im beruflichen Bereich kann die langjährige Einwirkung von aromatischen Aminen wie es beispielsweise in der chemischen Industrie vorkommt eine derartige Erkrankung verursachen.
Unter folgenden Internetadressen werden Vorschriften und weitere Informationen zum Umgang mit biologischen Arbeitsstoffen angeboten:
http://www.baua.de/prax/index.htm
http://www.lfas.bayern.de
http://osha.europa.eu/fop/germany/de/legislation