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KomNet-Wissensdatenbank

Sind die Bereiche um die Öfen einer Härterei und der zugeordnete Aufstellort der Begasungseinrichtungen explosionsgefährdete Bereiche?

KomNet Dialog 2068

Stand: 12.09.2008

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Explosionsschutz, Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen > Sicherheitstechnische Anforderungen, Sicherheitseinrichtungen

Dialog
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Frage:

Betr. Wärmebehandlungsanlagen in Härtereien (Industrieöfen),gas- oder E-beheizt,t= 500 - 1000° C,mit Reaktionsgasatmosphären (CO,H2,NH3 usw Rest N2, Verfahrens- und Betriebssicherheitsvorgaben sind über EN 746-2 und 3 hinreichend beschrieben, Frage: 1. sind für den Bereich unmittelbar um den Ofen oder im Aufstellbereich des Ofens Ex-Zonen nach Betr.SichV. zu definieren (unter andauernder Anwesenheit von Zündquellen (Kontrollierten Gasausbränden usw) 2. sind für den Aufstellort der zugeordneten Begasungseinrichtungen (Gaschränke,Gastafeln mit Strömungsmessern und Ventilen usw) Ex-Schutz - Zonen zu definie- ren und entsprechende apparative Maßnahmen im Sinne der ATEX 95 vorzusehen oder welche Regeln gelten / gelten nicht mit welcher Begründung ?

Antwort:

Grundsätzlich lässt sich die Pflicht, Explosionsgefahren zu ermitteln und zu beurteilen aus der Gefahrstoffverordnung (§§ 7 Gefahrstoffverordnung und 12 GefStoffV iVm. Anhang III Nr. 1) ableiten:
„Der Arbeitgeber hat im Rahmen seiner Pflichten nach §§ 7 und 12 der Gefahrstoffverordnung in Verbindung mit § 5 des Arbeitsschutzgesetzes zu beurteilen, ob die verwendeten Stoffe, Zubereitungen oder Erzeugnisse beim Umgang auch unter Berücksichtigung verwendeter Arbeitsmittel, Verfahren und der Arbeitsumgebung sowie ihrer möglichen Wechselwirkungen zu Brand- oder Explosionsgefahren führen können. Insbesondere ist zu ermitteln, ob die Stoffe, Zubereitungen oder Erzeugnisse aufgrund ihrer Eigenschaften und der Art und Weise, wie sie am Arbeitsplatz verwendet werden oder dort vorhanden sind, explosionsfähige Gemische bilden können. Bei nichtatmosphärischen Bedingungen sind auch die Veränderungen der für den Explosionsschutz relevanten sicherheitstechnischen Kenngrößen zu berücksichtigen.“

Lassen sich durch technische und/oder organisatorische Schutzmaßnahmen die Bildung bzw. Entzündung explosionsfähiger Gemische nicht sicher verhindern, ist zu prüfen, ob ein explosionsgefährdeter Bereich im Sinne der Betriebssicherheitsverordnung - BetrSichV vorliegt bzw. vorliegen kann.
Folgende Bedingungen müssen gegeben sein:
- explosionsfähige Atmosphäre in gefahrdrohender Menge = gefährliche explosionsfähige Atmosphäre vorhanden
- atmosphärische Bedingungen (-20 bis +60°C und 0,8 bis 1,1 bar absolut)
- Bereitstellung von Arbeitsmitteln (z.B. Industrieofen) und Benutzung durch Arbeitnehmer.
Gemäß § 5 BetrSichV unter Berücksichtigung der Ergebnisse der Gefährdungsbeurteilung muss der Arbeitgeber die ermittelten explosionsgefährdeten Bereiche in Zonen entsprechend Anhang III BetrSichV einteilen. Dies wird dann im Explosionsschutzdokument (§ 6 BetrSichV) dokumentiert.
Die BetrSichV verpflichtet den Arbeitgeber in § 7 Absätze 3 und 4, nur geeignete Arbeitsmittel entsprechend Richtlinie 94/9/EG (ATEX) zu verwenden.

Bezogen auf die Explosionsgefahren sind neben den o.g. Vorschriften die Technischen Regeln für Betriebssicherheit (TRBS) und der nichtverbindliche Leitfaden der Kommission zur Umsetzung der entsprechenden EG-Explosionsschutzrichtlinie (1999/92/EG) heranzuziehen. (http://europa.eu.int/eur-lex/de/com/cnc/2003/act0515de02/1.pdf [1 MB])

Relevant zur Betrachtung von industriellenThermoprozezeßanlagen ist die Norm DIN EN 746, die sie kostenpflichtig beim Beuth-Verlag (www.beuth.de) erhalten können. In dem Teil 1 der DIN EN 746 werden unter der lfd. Nr. 4 die relevanten Gefährdungen aufgeführt. Die Nr. 4.4.3.2 führt als Gefährdung die Explosion auf und nennt Schutzmaßnahmen, die in den Teilen z.B. Nr. EN 746-2 und EN 746-3 konkretisiert werden. Nach Nr. 5.4.3.2 (EN 746-1) müssen konstruktive Maßnahmen getroffen werden, die das Zusammentreffen einer brennbaren Substanz mit Luft und einer Zündquelle sicher vermeiden. Das Beseitigen eines zündfähigen Gemisches kann durch Spülen mit Luft oder Inertgas erfolgen. Darüber hinaus sind Explosionsdruckentlastungen immer dann erforderlich, wenn nicht nachgewiesen werden kann, dass die Wahrscheinlichkeit der Bildung eins brennbaren Gemisches gering ist oder das eine vorhersehbare Explosion durch andere Maßnahmen sicher abgeleitet oder beherrscht werden kann. Zu den weiteren Explosionsschutzmaßnahmen siehe auch Nr. 5.8.3 EN 746-1.

Auf Grund der Komplexität ihrer Fragestellung empfehlen wir Ihnen, sich ggf. mit der zuständigen Arbeitsschutzbehörde  oder einer Sachverständigenorganisation in Verbindung zu setzen und die Fragen vor Ort zu klären.