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Kann der nach BGI 5017 vorgegebene Mindestabstand von 2,50 m um eine Batterieladestation herum durch den Einsatz schwer entflammbarer Materialien minimiert werden?

KomNet Dialog 20294

Stand: 04.02.2014

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Explosionsschutz, Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen > Sicherheitstechnische Anforderungen, Sicherheitseinrichtungen

Dialog
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Frage:

Bei der Einrichtung einer Batterieladestation wird laut BGI 5017 (BGHM) ein Mindestabstand von 2,50 m zu brennbaren oder gelagerten Materialien gefordert. Da wir vom Platz her die Vorgaben nicht realisieren können, stellt sich die Frage, ob man den Bereich um das Ladegerät mit nicht- bzw. schwer entflammbarem Material abtrennen könnte. Der Abstand zu einem angrenzenden Regal beträgt 1,0 m.

Antwort:

Der Betrieb einer Batterieladestation fällt unter den Regelungsbereich der Betriebssicherheitsverordnung - BetrSichV. Hier ist zunächst § 3 BetrSichV relevant, wonach der Arbeitgeber eine Gefährdungsbeurteilung zu erstellen hat, mittels der er die notwendigen Maßnahmen für die sichere Bereitstellung und Benutzung der Arbeitsmittel ermittelt. Im Zusammenhang mit einer Batterieladestation ist insbesondere auch der Explosionsschutz relevant, da beim Laden von Batterien explosible Wasserstoff-Luft-Gemische (Knallgas) entstehen können. Daher hat der Arbeitgeber im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung die Wahrscheinlichkeit und die Dauer des Auftretens gefährlicher explosionsfähiger Atmosphäre, die Wahrscheinlichkeit des Vorhandenseins und des Wirksamwerdens von Zündquellen sowie das Ausmaß der zu erwartenden Auswirkungen von Explosionen zu beurteilen. Ist das Auftreten explosionsgefährdeter Bereiche nicht sicher auszuschließen, hat er ein Explosionsschutzdokument (§ 6 BetrSichV) zu erstellen (siehe hierzu auch Anhang 4 BetrSichV: "Mindestvorschriften zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten, die durch gefährliche explosionsfähige Atmosphäre gefährdet werden können" und Anhang 3 BetrSichV ("Zoneneinteilung explosionsgefährdeter Bereiche").

Bei der Erstellung der Gefährdungsbeurteilung sind neben dem berufsgenossenschaftlichen Vorschriftenwerk, wie der BGI 5017 "Ladeeinrichtungen für Fahrzeugbatterien", die Technischen Regeln für Betriebssicherheit - TRBS, insbesondere die TRBS 2152 "Gefährliche explosionsfähige Atmosphäre - Allgemeines" ff und die Empfehlungen/Wartungsvorschriften/Betriebsanleitung des Herstellers der Batterieladestation heranzuziehen. Auch die Normenreihe DIN EN 50272 "Sicherheitsanforderungen an Batterien und Batterieanlagen" kann hier Erkenntnisse bringen. Der Arbeitgeber hat hierbei mögliche Gefährdungen zu ermitteln, Maßnahmen zur Gefahrenabwehr bzw. Gefahrenminderung "eigenverantwortlich" festzulegen und diese umzusetzen.

Soll, wie in Ihrem Fall, von den Vorgaben der technischen Regeln abgewichen und die Sicherheit auf andere Weise gewährleistet werden, so muss hierüber ein Einzelnachweis geführt werden. Sie müssen also im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung einzelfallspezifisch beantworten, ob bzw. mit welchen Maßnahmen der Mindestabstand um die Batterieladestation zu brennbaren oder gelagerten Materialien verringert werden kann. Die Bedingungen, die dann einen sicheren Betrieb gewährleisten, müssen anschließend überprüft werden und die Wirksamkeit muss dauerhaft sichergestellt sein.

Das Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung ist gemäß § 6 ArbSchG hinreichend zu dokumentieren. Bei der Erstellung der Gefährdungsbeurteilung wird der Arbeitgeber durch die Fachkraft für Arbeitssicherheit und den Betriebsarzt beratnen und unterstützt.