Inhaltsbereich
Seitentitel

KomNet-Wissensdatenbank

Arbeitsschuhe: Was ist der Unterschied von „antistatisch“ und „elektrisch leitend“? Rechtliche Grundlagen, Forschungsergebnisse etc.?

KomNet Dialog 202

Stand: 01.01.2007

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Persönliche Schutzausrüstung (PSA) > Anforderungen und Eigenschaften von PSA

Dialog
Favorit

Frage:

Was ist der Unterschied bei einem Arbeitsschuh von „antistatisch“ und „elektrisch leitend“? Grund der Frage: Dem Anfrager wurde durch einen Stromhersteller mitgeteilt, dass die Sohle eines Arbeitsschuhs einem Elektriker, der mit seiner Bohrmaschine ein Elektrokabel trifft u.U. das Leben retten könnte, wenn sie seinen Körper nicht zum Boden hin abisoliert. Der Stromschlag würde seinen Körper sonst sehr schnell durchwandern und die Organe zu sehr belasten. Einige Hersteller von Arbeitsschuhen stellen diese leitenden Sohlen her, um z.B. in Fabriken von Elektronikteilen die statische Aufladung der Mitarbeiter zu verhindern. Sind diese Schuhe ähnlich aufgebaut? Welche Verordnungen geben darüber umfassend Auskunft? In welcher Hochschule hat sich jemand bereits zu diesem Thema nachlesbar geäußert?

Antwort:

Für die Herstellung bzw. das Inverkehrbringen von Persönlichen Schutzausrüstungen (PSA), hier Arbeits-, Schutz- oder Sicherheitsschuhe, ist die Verordnung über das Inverkehrbringen von persönlichen Schutzausrüstungen (8. GPSGV) von 1997 maßgebend. Für die Bereitstellung von PSA durch den Arbeitgeber und die Benutzung von PSA durch Beschäftigte bei der Arbeit ist die "Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Benutzung persönlicher Schutzausrüstungen bei der Arbeit  (PSA-Benutzungsverordnung  PSA-BV)" von 1996 maßgebend.
Anforderungen und Prüfverfahren für die als persönliche Schutzausrüstungen-PSA einzustufenden Sicherheitsschuhe, Schutzschuhe oder Arbeitsschuhe werden im wesentlichen in den Normen DIN EN 344, 345, 346 mit jeweils den Teilen 1 und 2 beschrieben. In DIN EN 345 Teil 1 sind in Kapitel 7.1 die Kriterien für "leitfähige Schuhe" und in Kapitel 7.2 die Anforderungen an "antistatische Schuhe" definiert. Hier wird deutlich, dass die Schuhe jeweils nach dem für die Verwendung vorgesehenen Schutzziel ausgesucht und eingesetzt werden müssen. Ist o.a. Frage in Verbindung mit einer gewerblichen Nutzung zu sehen, müssen die Vorgaben des Arbeitsschutzgesetzes (ArbSchG vom 7. Aug. 1996) beachtet werden. Der Betreiber ist hiernach gesetzlich verpflichtet, mit einer Gefährdungsbeurteilung nach § 5 Abs. 3 des ArbSchG und § 3 der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) auch die Sicherheit der Person zu dokumentieren und mit geeigneten Maßnahmen, d.h auch mit der geeigneten PSA abzusichern.

Anlagen:
DIN EN 345 Teil 1 - Kapitel 7.1 "Leitfähige Schuhe" und Kapitel 7.2 "Antistatische Schuhe"

7.1 Leitfähige Schuhe
Jedem Paar leitfähiger Schuhe muß ein Merkblatt mit dem Inhalt des folgenden Textes beigefügt sein:
Elektrisch leitfähige Schuhe sollten benutzt werden, wenn die Notwendigkeit besteht, eine elektrostatische Aufladung, z.B. bei Handhabung von Explosionsstoffen, in kürzestmöglicher Zeit durch ein Ableiten der elektrostatischen Ladung zu vermindern und wenn die Gefahr eines elektrischen Schocks durch ein elektrisches Gerät oder durch spannungsführende Teile vollkommen ausgeschlossen ist. Um die Leitfähigkeit des Schuhs definitiv zu gewährleisten, wurde eine Höchstgrenze von 100 K Ohm für den Widerstand im Neuzustand festgelegt. Während der Benutzung kann sich der elektrische Widerstand von Schuhen aus leitfähigem Material aufgrund von Biegungen
und Kontamination beträchtlich ändern; es ist daher notwendig, die Fähigkeit des Produktes zur Erfüllung seiner vorbestimmten Funktion, elektrostatische Ladungen abzuleiten, während seiner gesamten Lebensdauer zu gewährleisten. Dem Benutzer wird daher empfohlen, falls notwendig, eine Vor-Ort-Prüfung des elektrischen Widerstandesregelmäßig durchzuführen. Diese und die nachfolgend angegebenen Prüfungen sollten ein Teil des routinemäßigen Unfallverhütungsprogramms am Arbeitsplatz sein.
Wird der Schuh unter Bedingungen getragen, bei denen das Sohlenmaterial mit Stoffen kontaminiert wird, die den elektrischen Widerstand des Schuhs erhöhen können, sollten die Benutzer die elektrischen Eigenschaften des Schuhs jedesmal vor Betreten eines gefährlichen Bereichs überprüfen. In den Bereichen, in denen leitfähige Schuhe getragen werden, sollte der Bodenwiderstand so sein, dass die vom Schuh gegebene Schutzfunktion nicht aufgehoben wird. Bei der Benutzung sollten keine isolierenden Bestandteile mit Ausnahme normaler Socken zwischen der Innensohle des Schuhs und dem Fuß des Benutzers eingelegt werden. Falls Einlagen zwischen die Innensohle und den Fuß eingebracht werden, sollte die Verbindung Schuh/Einlage auf ihre elektrischen Eigenschaften hin geprüft werden.

7.2 Antistatische Schuhe
Jedem Paar antistatischer Schuhe muß ein Merkblatt mit dem Inhalt des folgenden Textes beigefügt werden:
Antistatische Schuhe sollen benutzt werden, wenn die Notwendigkeit besteht, eine elektrostatische Aufladung durch Ableiten der elektrostatischen Ladungen zu vermindern, so dass die Gefahr der Zündung z.B. entflammbarer Substanzen und Dämpfe durch Funken ausgeschlossen wird, und wenn die Gefahr eines elektrischen Schocks durch ein elektrisches Gerät oder durch spannungsführende Teile nicht vollständig ausgeschlossen ist. Es sollte jedoch darauf hingewiesen werden, dass antistatische Schuhe keinen hinreichenden Schutz gegen einen elektrischen Schock bieten können, da sie nur einen Widerstand zwischen Boden und Fuß aufbauen. Wenn die Gefahr eines elektrischen Schocks nicht völlig ausgeschlossen werden kann, müssen weitere Maßnahmen zur Vermeidung dieser Gefahr getroffen werden. Solche Maßnahmen und die nachfolgend angegebenen Prüfungen sollten ein Teil des routinemäßigen Unfallverhütungsprogramms am Arbeitsplatz sein.
Die Erfahrung hat gezeigt, dass für antistatische Zwecke der Leitweg durch ein Produkt während seiner gesamten Lebensdauer einen elektrischen Widerstand von unter 1000 M Ohm haben sollte. Ein Wert von 100 K Ohm wird als unterste Grenze für den Widerstand eines neuen Produktes spezifiziert, um begrenzten Schutz gegen gefährliche elektrische Schocks oder Entzündung durch einen Defekt an einem elektrischen Gerät bei Arbeiten bis zu 250 V zu gewährleisten. Es sollte jedoch beachtet werden, dass der Schuh unter bestimmten Bedingungen einen nicht hinreichenden Schutz bietet; daher sollte der Benutzer des Schuhs immer zusätzliche Schutzmaßnahmen treffen.
Der elektrische Widerstand dieses Schuhtyps kann sich durch Biegen, Verschmutzung oder Feuchtigkeit beträchtlich ändern. Dieser Schuh wird seiner vorbestimmten Funktion bei Tragen unter nassen Bedingungen nicht gerecht. Daher ist es notwendig, dafür zu sorgen, dass das Produkt in der Lage ist, seine vorherbestimmte Funktion der Ableitung elektrostatischer Aufladungen zu erfüllen und während seiner Lebensdauer einen Schutz zu bieten. Dem Benutzer wird daher empfohlen, falls notwendig, eine Vor-Ort-Prüfung des elektrischen Widerstandes regelmäßig durchzuführen. Wird der Schuh unter Bedingungen getragen, bei denen das Sohlenmaterial kontaminiert wird, sollte der Benutzer die elektrischen Eigenschaften seines Schuhs jedesmal vor Betreten eines gefährlichen Bereichs überprüfen.
In Bereichen, in denen antistatische Schuhe getragen werden, sollte der Bodenwiderstand so sein, dass die vom Schuh gegebene Schutzfunktion nicht aufgehoben wird. Bei der Benutzung sollten keine isolierenden Bestandteile mit Ausnahme normaler Socken zwischen der Innensohle des Schuhs und dem Fuß des Benutzers eingelegt werden. Falls eine Einlage zwischen die Innensohle des Schuhs und den Fuß des Benutzers eingebracht wird, sollte die Verbindung Schuh/Einlage auf ihre elektrischen Eigenschaften hin geprüft werden.