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In welchen Umfang müssen vom Unternehmer potientiell asbesthaltige Materialien ermittelt werden, auch wenn an diesen Werkstoffen akut nicht gearbeitet wird?

KomNet Dialog 1993

Stand:

Kategorie: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Verwendungsverbote > Asbest

Dialog
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Frage:

In welchen Umfang müssen vom Unternehmer/Betreiber eines Betriebsstandortes potientiell asbesthaltige Materialien (Dacheindeckungen, Isolierstoffe, Dichtungen etc.) ermittelt werden, auch wenn an diesen Werkstoffen akut nicht gearbeitet wird?

Antwort:

Die Fragestellung betrifft das - Arbeitsschutzrecht und das - Baurecht. Eine grundsätzliche Ermittlungspflicht des Arbeitgebers ergibt sich aus § 3 des Arbeitsschutzgesetzes. Danach muss der Arbeitgeber mögliche Gefährdungen ermitteln und die nötigen Schutzmaßnahmen festlegen. Im Rahmen dieser Gefährdungsbeurteilung muss auch geklärt werden, ob von den vorhandenen asbesthaltigen Materialien Gefährdungen ausgehen können. Um zu verhindern, dass Beschäftigte aus Unkenntnis gefährdet werden, kann es z.B. notwendig sein, die Beschäftigten über die asbesthaltigen Materialien zu informieren und auf erforderliche Schutzmaßnahmen hinzuweisen, die vor Beginn einer Arbeit notwendig sind (siehe dazu auch Technische Regeln für Gefahrstoffe - TRGS 519 Asbest - Abbruch-, Sanierungs-, Instandhaltungsarbeiten). Im Rahmen des Baurechtes ist die Richtlinie für die Bewertung und Sanierung schwach gebundener Asbestprodukte in Gebäuden (Asbest-Richtlinie) - Fassung Januar 1996 - (MBl. NRW. 1997 S. 1067) maßgeblich. Diese Richtlinie gilt für die Bewertung und Sanierung schwach gebundener Asbestprodukte in Gebäuden. Schwach gebundene Asbestprodukte im Sinne dieser Richtlinie sind Asbestprodukte mit einer Rohdichte unter 1000 kg/m3. Dacheindeckungen aus Asbestzementplatten fallen in der Regel nicht unter diese Richtlinie. Bei schwachgebundenen asbesthaltigen Stoffen ist die Dringlichkeit der Sanierung mit Hilfe des Formblattes nach Anhang 1 der Richtlinie zu bewerten. Auch wenn an asbesthaltigen Materialien akut nicht gearbeitet wird, besteht für den Arbeitgeber bzw. für den Betreiber Handlungsbedarf hinsichtlich der Ermittlung asbesthaltiger Materialien und vorbeugender Schutzmaßnahmen. Stand: 26.09.2003