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Weshalb werden bei der Leitmerkmalmethode nur die äußeren Lasten berücksichtigt und nicht das zusätzliche Gewicht von Übergewichtigen?

KomNet Dialog 1914

Stand:

Kategorie: Gestaltung von Arbeitsplätzen > Ergonomie > Heben, Tragen, Schieben, Ziehen, Stehen

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Frage:

Meine Frage betrifft die manuelle Lastenhandhabung. Die Leitmerkmalmethode dient ja der Gefährdungsbeurteilung für die mögliche Entstehung von Schäden an der Wirbelsäule, insbesondere der Bandscheiben. Meine Frage hierzu ist, weshalb nur äußere Lasten berücksichtigt werden. Ich nehme doch an, daß bei Übergewichtigen das Risiko bereits durch die Druckbelastung des eigenen Körpergewichts steigt, was im Sinne einer effektiven Präventivmedizin auch zu berücksichtigen wäre. Ist es zulässig, z. B. die Differenzlast zwischen rechnerischem Normalgewicht und Realgewicht als `körpernahe Last` zu definieren? Da das Lot durch den Schwerpunkt bei dickbäuchigen weiter nach ventral von der Lendenwirbelsäule abweicht, entsteht an den Wirbelkörpern auch ein erhöhtes Drehmoment, das von der Rückenmuskulatur aufgefangen werden muß (Ursache myofaszieller Rückenschmerzen). Die daraus resultierende lotrecht wirkende Kraft auf die Bandscheibe und dadurch letztlich auch der Binnendruck steigen damit erheblich an. Diese Faktoren finde ich in der Leitmerkmalmethode nicht einmal als Näherungsrechnung. Dazu hätte ich gerne eine Stellungnahme (erliege ich einem Irrtum? Ist etwas derartiges geplant? Wurde darüber überhaupt schon nachgedacht?), da das für mich auch in gutachterlicher Hinsicht eine Rolle spielt.

Antwort:

Gemäß § 5 Arbeitsschutzgesetz hat der Arbeitgeber die Arbeitsbedingungen zu beurteilen. In diesem Zusammenhang ist die Leitmerkmalmethode ein Verfahren zur orientierenden Beurteilung der Arbeitsbedingungen beim Heben und Tragen von Lasten. Da personenbezogene Risikofaktoren keinen Einfluss auf die allgemeine Beurteilung der Arbeitsbedingungen haben, werden sie bei der Leitmerkmalmethode nicht berücksichtigt. Bei Einzelfallbetrachtungen, beispielsweise im Rahmen von Gutachten in Berufskrankheitenverfahren, sollten dagegen auch individuelle Faktoren wie Übergewicht berücksichtigt werden. Hierbei sei aber darauf hingewiesen, dass eine Schädigung der Wirbelsäule durch Übergewicht, sofern es nicht sehr hoch ist, nach unserem Kenntnisstand bisher wissenschaftlich nicht nachgewiesen wurde. Darüber hinaus sind Faktoren wie Fettverteilung im Körper, aktive und passive Muskelmasse, Körperbau etc. zu berücksichtigen. Weitere Informationen zur Leitmerkmalmethode sind erhältlich bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), Nöldnerstr. 40-42, 10317 Berlin, Tel.: 030 51548-0, (http://www.baua.de). Stand: 25.06.2003