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Ist es zumutbar, dass während des laufenden Betriebs Asphalt gegossen wird? Ist der entstehende Qualm gesundheitsschädlich?

KomNet Dialog 18532

Stand: 16.05.2013

Kategorie: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Gefährdungen > Gefährdungen durch bestimmte Stoffe / Zubereitungen

Dialog
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Frage:

In unserer Firma wurde bei laufendem Betrieb bei Umbau- Maßnahmen Asphalt gegossen . Ist es für Arbeiter in der Produktion (Packtische ) zumutbar in dem Qualm weiter arbeiten zu müssen und ist dieser Qualm gesundheitsschädlich ?

Antwort:

Der Arbeitgeber hat grundsätzlich durch eine Gefährdungsbeurteilung zu ermitteln, ob und welchen Gefährdungen die Beschäftigten bei ihrer Arbeit ausgesetzt sind und welche Maßnahmen des Arbeitsschutzes diesbezüglich erforderlich sind. (§ 5 Arbeitsschutzgesetz –ArbSchG- oder § 7 Gefahrstoffverordnung –GefStoffV- ). Dies hat vor Aufnahme der Tätigkeit zu geschehen. Das Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung ist zu dokumentieren.

Im Straßenasphalt wird Bitumen als Bindemittel eingesetzt. Bitumen ist ein komplexes Gemisch, das durch Destillation von Rohöl zu Petroleum entsteht. Bei der Verarbeitung von Asphalt wird dieser erhitzt, wodurch die verschiedenen Bestandteile unterschiedlich kondensieren und ein Gemisch aus Kondensat (Dampf) und Gas entsteht, welches häufig als Asphaltdämpfe bezeichnet wird.

Gesundheitliche Studien hierzu kamen zu dem Ergebnis, dass die betroffenen Arbeiter hauptsächlich an obstruktiven Atemwegserkrankungen leiden. Weitere Studien in Bezug auf Gesundheitsgefahren bei der Tätigkeit mit heißen Bitumen werden zurzeit durchgeführt.

In der TRGS 905Verzeichnis krebserzeugender, erbgutverändernder oder fortpflanzungsgefährdender Stoffe ist der Stoff Benzo[a]pyren unter Ziffer 4 Verzeichnis krebserzeugender Stoffe Kategorien 1 oder 2 mit stoffspezifischen Konzentrationsgrenzen für die Einstufung von Zubereitungen dieser Stoffe aufgeführt. Die Einstufung als krebserzeugend begründet sich vor allem damit, dass in Bitumen PAK (Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe) mit der Bezugssubstanz Benzo[a]pyren enthalten sind.

Weiterhin ist die Bekanntmachung 910 (TRGS 910) zu beachten, die "Risikowerte und Exposition-Risiko-Beziehungen für Tätigkeiten mit krebserzeugenden Gefahrstoffen" festlegt. Hier ist Benzo[a]pyren gelistet. Der AGS hat in diesem Zusammenhang zu Benzo[a]pyren eine Begründung zur Exposition-Risiko-Beziehungen formuliert. Hier werden auch Tätigkeiten mit Asphalt betrachtet, die ein Risiko für Lungen- und Blasenkrebs, sowie für ischämische Herzkrankheiten (Herzinfarkt, u. ä.) nahelegen.

Im direktem Umfeld, womöglich in geschlossenen Hallen in denen asphaltiert wird, sollte nur gearbeitet werden, wenn eine Exposition der Beschäftigten ausgeschlossen werden kann. Die zuständige Arbeitsschutzbehörde (in NRW wären dies die Bezirksregierungen,  Dezernat 56, Sachgebiet Chemikalienrecht) sollte informiert werden, um die Situation vor Ort einzuschätzen und ggf. entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.

Hinweis:
Auf den Sachstandsbericht 2006 des Gesprächskreis Bitumen weisen wir hin.