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KomNet-Wissensdatenbank

Verschiedene Fragen zur Lagerung nach der TRGS 510 für ein Alkalisierungsmittel für Dampf- und Heißwassersysteme (Polyamin)?

KomNet Dialog 18397

Stand: 25.04.2013

Kategorie: Gesunde Arbeit / Arbeitsschutz > Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Lagerung von Gefahrstoffen

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Frage:

In dem Aufstellungsraum einer Dampfkesselanlage wird ein Alkalisierungsmittel für Dampf- und Heißwassersysteme (Polyamin) verwendet. Dieses wird aus einem Fass (210 kg) mittels Fasspumpe automatisch zudosiert. Das Mittel ist gefahrstoffrechtlich eingestuft (ätzend), besitzt aber darüber hinaus keine der in Tabelle 1 der TRGS 510 genannten Eigenschaften. Die Fassmenge ist bei Betrieb nach mehreren Tagen verbraucht, dann erfolgt der Fasswechsel. Handelt es sich dabei bereits um eine Lagerung i.S.d. TRGS 510 (Menge länger als 24 h vor Ort)? In dem Aufstellungsraum der Anlage sind Beschäftigten bei Instandhaltungsmaßnahmen (d.h. mehrere Tage pro Jahr) und zur Begehung im Rahmen des Betriebs ohne ständige Beaufsichtigung (d.h. ca. 30 bis 60 Minuten pro Tag) tätig. Handelt es sich bei dem Raum um einen Arbeitsraum i.S.d. Ziffer 4.2 TRGS 510 bzw. bei der Dosieranlage um einen Arbeitsplatz i.S.d. § 8 Abs. 1 Ziffer 6 GefStoffV? Stimmt es, dass unter Einhaltung der Kapitel 4 und 7 TRGS 510 bis zu 1000 kg des oben genannten Gefahrstoffs in dem Bereich (Arbeitsraum?) gelagert werden dürfen, ohne, dass hierzu ein eigener Lagerraum eingerichtet werden muss? Gilt die Kleinmengenregelung (Anlage 9 zur TRGS 510), wonach Gefahrstoffe nur in Kleinmengen (< 50 kg) in Arbeitsräumen gelagert werden dürfen?

Antwort:

Zu Frage 1.)

Es handelt sich um eine Lagerung im Sinne der Ziff. 1 Abs. 2 und 3 der TRGS 510.

Zu Beginn des automatisierten Einfüllvorganges befinden sich 210 kg der ätzenden Flüssigkeit in diesem Raum. Also mehr als 50 kg. Wegen der Vorrichtungen (Faßpumpe mit automatischer Dosiereinrichtung) ist die Lagerung erlaubt, da sie dem gemäß § 8 Abs.1 Ziff. 6 Gefahrstoffverordnung genannten Fortgang der Arbeit dient.


Zu Frage 2.)

Es handelt sich um einen Arbeitsraum i. S. der Ziff. 4.2 der TRGS 510, da dort gelegentlich Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten ausgeführt werden müssen, deren zeitliche Eingrenzung nicht vorher bestimmt werden kann (Charakteristisch sind hier Reparaturarbeiten oder Wartungsarbeiten an Dampfkesseln). Aus diesem Grund sind auch die in Ziff 4.2. genannten „besonderen Einrichtungen ....., die dem Stand der Technik entsprechen“ zu verwenden. Das ist sicherlich eine Auffangwanne und ein Auslaufschutz und notwendige persönliche Schutzausrüstung (Schutzbrille, Schürze Stiefel und chemikalienfeste Handschuhe), bis hin zu Warneinrichtungen und Flucht- und Rettungswegkennzeichnung. Eine Notdusche muss ebenfalls in erreichbarer Nähe vorhanden sein.


Zu 3.)

Die Lagergrenze von 200 kg wurde nicht willkürlich gewählt. Da für ätzende Stoffe keine Obergrenze in der TRGS 510 genannt wird, kann die vergleichende Schwelle von 1000 kg für entzündliche Stoffe gem. Ziff 5.1. Nr. 4 nicht herangezogen werden kann.

Entscheidend ist die Gefährdungsbeurteilung (GBU) für den tatsächlichen Arbeitsraum und dies ist im vorliegenden Fall ein Kesselhaus. In einer Gefährdungsbeurteilung für ein Kesselhaus mit den dort festzulegenden Unfall- und Gefährdungsszenarien ist eine Lagerung oberhalb der max 210 kg nicht denkbar, da bei Einritt eines anlagenspezifischen Unfalles bzw. Schadenfalles, wie z. B. Brand, Explosion und Austritt größerer Dampfmengen, die Lagermenge die Gefährdung für die Rettungskräfte erheblich erhöhen würde. Daher ist ein Kesselhaus als Lagerraum nicht geeignet.


Zu 4.)

Wie schon in 1.) beschrieben kommt eine Kleinmengenregelung mit ca. 50 kg nicht in Betracht, da neben der geringen Effizienz der Arbeitsabläufe, hier ein häufigerer Wechsel der Dosiereinrichtungen, die Gefährdung für die Beschäftigten erhöht. Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung wäre daher die Einlagerung nur eines 210 kg Fasses die Lösung. Dies muss aber in der GBU genau dargelegt sein.