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Ist beim Anlegen von Erdungszangen (Zangentypen mit und ohne Widerstand in der Erdungsleitung) mit zündfähigen Funken zu rechnen?

KomNet Dialog 18309

Stand: 11.04.2013

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Explosionsschutz, Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen > Sicherheitstechnische Anforderungen, Sicherheitseinrichtungen

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Frage:

Widerstandsbeschaltung von Erdungszangen im Ex-Bereich In explosionsgefährdeten Bereichen werden Erdungszangen verwendet, um bei ortsveränderlichen Behältern eine elektrostatisch ableitfähige Verbindung zum Potenzialausgleich zu schaffen. Am Markt gibt es hierzu Erdungszagen, die Widerstände (ca. 200 kOhm) in der Erdungsleitung eingebaut haben. Bei anderen Typen ist kein Widerstand vorhanden. Ist beim Anlegen der Zangen bei beiden Zangentypen mit zündfähigen Funken zu rechnen oder ist bei den Typen mit Widerstand eine Zündung eines evtl. anwesenden explosiven Gasgemisches ausgeschlossen?

Antwort:

Erdungszangen, die zur kontrollierten Erdung in Ex-Bereichen eingesetzt werden dürfen, müssen für die vom Anlagen-betreiber ermittelten Ex-Zonen nach der EU-Richtlinie 94/9/EG (ATEX) zugelassen sein.

Die Zulassung wird vom Hersteller oder Inverkehrbringer durch die Konformitätserklärung bzw. durch eine Baumusterzulassung dokumentiert. Das bedeutet, dass durch die Verwendung einer für die jeweilige Ex-Zone zugelassenen Erdungszange, unabhängig vom Typ, beim bestimmungsgemäßen Anlegen keine zündfähigen Funken entstehen dürfen.

Im Rahmen einer entsprechende Gefährdungsbeurteilung nach § 5 Arbeitsschutzgesetz - ArbSchG - bzw. § 3 Betriebssicherheitsverordnung - BetrSichV - hat der Arbeitgeber zu ermitteln, unter welchen Einsatz- und Betriebsbedingungen die Erdungszangen verwendet werden sollen. Anhand der anlagen- und betriebsbezogenen technischen Daten ist dann das für die Ex-Zone geeignete Erdungssystem auszuwählen.

Bei einer Erdungszange handelt es sich gemäß der Definition in Artikel 1, Abs. 3 der Richtlinie 94/9/EG (ATEX) nicht um ein „Gerät“, dass zur Erzeugung, Übertragung, Speicherung, Messung, Regelung und Umwandlung von Energien und zur Verarbeitung von Werkstoffen bestimmt ist und stellt somit auch keine eigene potentielle Zündquelle dar. Daher ist eine Kennzeichnung auch nicht zwingend vorgeschrieben.

Sie ist jedoch als eine „Komponente“ für den sicheren Betrieb von Geräten und Schutzsystemen erforderlich, ohne jedoch selbst eine autonome Funktion als Zündquelle zu erfüllen. Da die Erdungszange auch als Komponente Bestandteil eines anlagen- oder gerätebezogenen Schutzsystems zu betrachten ist, muss diese für den sicheren Betrieb, hier Ableitung statischer Aufladung, geeignet und für das Schutzsystem vom Hersteller/Inverkehrbringer zugelassen sein. Das gleiche gilt u. a. auch für mechanische Bauteile von Anlagen, wie z. B. Kugelhähne.

Grundsätzlich kann man sagen, dass bei einer Erdungszange bzw. einem Erdungssystem mit Widerstand der Potentialunterschied geringer ist und somit auch der Stromfluss und die daraus resultierende Gefahr der Bildung eines zündfähigen Funkens geringer ist.

Ob auch bei einer Erdungszange mit Widerstand ein zündfähiger Funken entstehen kann, hängt von den Betriebsbedingungen und der Beschaffenheit einer Anlage und ihren Komponenten ab.

Im Zweifelsfall ist hier eine Anfrage beim Hersteller notwendig oder ein Sachverständiger (ZÜS) mit der Prüfung und Bewertung des Erdungssystems hinzuzuziehen.