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Gibt es Handschuhe, die die Beweglichkeit der Finger nicht einschränken und einen besseren Schutz vor Schnittverletzungen als Lederhandschuhe beim Hantieren mit Blechtafeln bieten?

KomNet Dialog 182

Stand:

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Persönliche Schutzausrüstung (PSA) > Suche nach spezieller PSA

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Frage:

In einem Unternehmen der Metallverarbeitung entfällt der größte Teil der Arbeitsunfälle seit einiger Zeit auf Schnittverletzungen. Diese Schnittverletzungen entstehen an Blechtafeln einer Stärke von 0,75 bis 1,2 Millimeter. Die Beschäftigten benutzen handelsübliche Lederhandschuhe. Das Unternehmen vermutet, dass es Handschuhe gibt, die einerseits die Beweglichkeit der Finger nicht einschränken und andererseits einen deutlich besseren Schutz vor Schnittverletzungen bieten. Gibt es solche Handschuhe? Wer vertreibt solche Handschuhe, die empfohlen werden können?

Antwort:

In der Quartbroschüre  "Schnittfestigkeit von Handschuhen"  der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin werden Empfehlungen für die Auswahl geeigneter Schutzhandschuhe gegeben.
Bei Schnittunfällen im metallverarbeitenden Gewerbe kommt den Schnittunfällen an unbearbeiteten Blechkanten eine größere Bedeutung zu als den Schnittunfällen an messerartigen, geschliffenen Gegenständen. Werden Bleche an Blechscheren getrennt, entsteht an der Kante ein Grat, der senkrecht zur Fläche des Blechs absteht. Dieser Grat besteht aus einer Vielzahl kleiner scharfkantiger  Zähne . Art und Größe dieser  Zähne  wird durch die Blechstärke, die Qualität der Blechsorte und die Art der Trennung durch die Blechschere beeinflußt. In der Regel nimmt dabei die Größe der  Zähne  mit der Blechstärke zu.
Das Schneiden an Blechen ist daher genau genommen ein Reißen an den Zähnen des Grates. Die Krafteinwirkung des Bleches auf den zu schneidenden Gegenstand geschieht an den einzelnen Zähnen des Grates. Hier treten punktuell große Zugkräfte auf, die das Handschuhmaterial lokal extrem belasten und in das Handschuhmaterial sägezahnartig einreißen.
Im Gegensatz zu der über den Zähnen des Grates inhomogen auftretenden Krafteinwirkung des Bleches, verläuft die Krafteinwirkung beim geschliffenen Messer relativ homogen entlang der Kontur der Klinge.
Wichtig: Der unterschiedliche Schneidvorgang von messerartigen, geschliffenen Gegenständen und Blechkanten mit Graten bedingen unterschiedliche Anforderungen an die Schutzmaterialien und die Konfektionierung der Schutzhandschuhe.
Danach besitzen unter den skizzierten Einsatzbedingungen Handschuhe aus Aramid- Schlingenware (Handelsbezeichnung häufig auch Kevlar) oder besser mit Aramid umwickelte Stahlfäden einerseits eine hohe Schutzwirkung, andererseits zeichnen sie sich durch hohen Tragekomfort und positive mikroklimatische Eigenschaften aus.
Handelt es sich um geölte Bleche, so ist eine Nitrilbeschichtung des Handschuhs empfehlenswert, was allerdings die Möglichkeit feiner Handgriffe einschränkt.
In jedem Fall ist eine Erprobungsphase ist zu empfehlen. Außerdem sollte nicht nur der Innenbereich der Hand, sondern auch der Handrücken und die Stulpe aus schnittfesten Materialien bestehen. In einer Erprobungsphase sollten auch   relativ dicke   Baumwollgestrick- Handschuhe einbezogen werden, die teilweise bei der Blechverarbeitung Einsatz finden und den Vorteil besitzen, dass diese sich nur allmählich verschleißen. Somit kann der  Handschuhverschleiß  durch das Reißen der einzelnen Baumwollfäden aufgrund der Blechgratzähne vom Beschäftigten in der Regel rechtzeitig bemerkt werden. Demgegenüber wird Ledermaterial oftmals vom  ersten  Grat eines Bleches aufgerissen bzw. aufgeschnitten und dann kann schon meist der  zweite  Grat der Blechkante seine verletzungsbringende Wirkung zeigen. 

Quelle:
W. Heudorfer, Hj. Gebhardt, S. Bulheller: Schnittfestigkeit von Schutzhandschuhen, Hrsg.: Schriftenreihe der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und A rbeitsmedizin   Forschung - Fb 748, Wirtschaftsverlag NW Bremerhaven, 1996.
W. Heudorfer, Hj. Gebhardt, S. Bulheller: Technik 14 - Schnittfestigkeit von Schutzhandschuhen, Hrsg.: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, 1998

Stand: Mai 2007