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Darf mangels geeigneter Zugangs-Alternativen von einem an einem Kran hängenden Arbeitskorb auf eine andere feststehende Arbeitsplattform übergestiegen werden?

KomNet Dialog 18196

Stand: 22.03.2013

Kategorie: Arbeitszeit, Arbeitsbedingungen > Sicheres Verhalten / Erkennen von Gefährdungen > Arbeiten mit Absturzgefahr

Dialog
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Frage:

Mangels anderer geeigneter Zugangs-Alternativen soll aus einem an einem Kran hängenden Arbeitskorb auf eine andere feststehende Arbeitsplattform übergestiegen werden. Ist dies unter Beachtung von durchgehendem Anseilschutz gegen Absturz an geeigneten Festpunkten sowie weiterer Maßnahmen zur Risikominderung mit einer angemessenen Gefährdungsbeurteilung vorstellbar? Welche Vorschriften und Regelungen außer der BGR 159 sind relevant?

Antwort:

Gemäß § 5 Arbeitsschutzgesetz - ArbSchG - in Verbindung mit § 3 der Betriebssicherheitsverordnung - BetrSichV - ist der Arbeitgeber verpflichtet, eine Gefährdungsbeurteilung, hier für die durchzuführenden Arbeiten, zu erstellen. Hierbei hat er mögliche Gefährdungen zu ermitteln, Maßnahmen zur Gefahrenabwehr bzw. Gefahrenminderung festzulegen und diese umzusetzen. Das Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung ist gemäß § 6 ArbSchG zu dokumentieren. Bei der Erstellung der Gefährdungsbeurteilung wird der Arbeitgeber durch die Fachkraft für Arbeitssicherheit und den Betriebsarzt unterstützt.

In die Erstellung der Gefährdungsbeurteilung sind neben den Technischen Regeln für Betriebssicherheit - TRBS 1111, TRBS 2121 ff - die berufsgenossenschaftlichen Vorschriften und die Betriebsanleitung des Herstellers des Arbeitskorbs einzubeziehen. Der sicheren Bereitstellung und Benutzung des Arbeitsmittels kommt hier eine besondere Bedeutung zu.

Die Mindestanforderungen für die Benutzung von Arbeitsmitteln zum Heben von Lasten sind unter Ziffer 4 des Anhangs 2 der BetrSichV genannt. Konkretisierungen der Anforderungen werden neben der BGR 159"Hochziebare Personenaufnahmemittel" u. a. auch in der berufsgenossenschaftlichen Regel BGR 500 Kapitel 2.10 Ziffer 2.3.2, den berufsgenossenschaftlichen Informationen - BGI 720"Sicherer Umgang mit fahrbaren Hubarbeitsbühnen" und  der BGI 5131"Arbeitsmaschinen zum Heben von Personen" aufgeführt, die in der Gefährdungsbeurteilung zu berücksichtigen sind.

U. a. wird in der BGR 500 und der BGI 5131 ausgeführt, dass Hebebühnen nur über die dafür bestimmten Zugänge bestiegen oder verlassen werden dürfen und zum bestimmungsgemäßen Benutzen kein Aus- oder Übersteigen in angehobenem Zustand zählt.

"Aus- und Übersteigen z. B. aus dem Arbeitskorb einer Hubarbeitsbühne auf angrenzende Bauteile ist grundsätzlich nicht erlaubt. Die Hubarbeitsbühne ist ein Arbeitsplatz und keine Aufstiegshilfe, kein Aufzug und kein Kran!" (Kapitel 6.4 der BGI 720).

Welche Alternativen möglich sind, um Arbeiten an hochgelegenen Arbeitsplätzen durchzuführen, insbesondere unter Nutzung eines Arbeitskorbs bzw. einer Hubarbeitsbühne, müssen in Absprache mit dem Hersteller des Arbeitskorbs bzw. der Arbeitsbühne und in Abstimmung mit der zuständigen Arbeitsschutzbehörde sowie dem zuständigen Unfallversicherungsträger vor Ort getroffen werden. Die Ergebnisse sind in der Gefährdungsbeurteilung "gerichtsfest" zu dokumentieren.