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KomNet-Wissensdatenbank

Kann man im 3-Schichtbetrieb die Schichtzeiten entsprechend der Jahreszeiten verschieben?

KomNet Dialog 18022

Stand: 28.02.2013

Kategorie: Arbeitszeit, Arbeitsbedingungen > Arbeitszeitberatung und -gestaltung > Schichtarbeit

Dialog
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Frage:

Guten Tag, wurde schon mal über einen Zeitenwechsel nachgedacht (3-Schicht / Industrie)? In Frankreich und der Schweiz (JURA) sind Arbeitszeiten um eine Stunde gegen den Uhrzeigersinn verschoben. Eine Verschiebung um eine Stunde im Uhrzeigersinn wäre für mich praktischer und angenehmer (besonders im Sommer). Vielleicht könnte man als Kompromiss Sommer-/Winterperioden definieren? Womöglich Frühling+Herbst / Sommer / Winter dreiteilen? Sommer: 7:00 - 15:00 Uhr 15:00 - 23:00 Uhr 23:00 - 7:00 Uhr Winter: 5:00 - 13:00 Uhr 13:00 - 21:00 Uhr 21:00 - 5:00 Uhr Frühling+Herbst: 6:00 - 14:00 Uhr 14:00 - 22:00 Uhr 22:00 - 6:00 Uhr

Antwort:

Es gibt keine konkreten Festlegungen bei der Regelung von Schichtzeiten auf Grundlage arbeitsmedizinischer Erkenntnisse.
Dennoch liegen folgende arbeitswissenschaftliche Empfehlungen für die Schichtplangestaltung zu der Lage von Arbeitszeiten vor. Nach ihnen sollte die Frühschicht „nicht zu früh“ beginnen. Studien belegen, dass sich ein verfrühter Beginn negativ auf den Schlaf auswirkt. Reaktionszeiten sowie Müdigkeit werden beeinflusst (vgl. Knauth,P., D.Karl und K. Elmerich: Lebensarbeitszeitmodelle. Chancen und Risiken für das Unternehmen und die Mitarbeiter. Universitätsverlag Karlsruhe, Karlsruhe: 2009).
Darüber hinaus wird empfohlen, dass die Nachtschicht früh enden sollte. Der Tagschlaf gelingt umso besser, je früher geschlafen wird. Diese beiden Empfehlungen klingen bei einem 3-Schichtsystem zunächst paradox, jedoch gibt es Möglichkeiten, um dieser Problematik im 3-Schichtsystem entgegenzuwirken, beispielsweise durch flexiblere Schichtwechselzeiten (vergl. Beermann, B.: Leitfaden zur Einführung und Gestaltung von Nacht- und Schichtarbeit. Hrsg.: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Dortmund: 2005).

Neben diesen Empfehlungen sollten bei Schichtänderungswünschen auch infrastrukturelle Aspekte berücksichtigt werden. Manche der öffentlichen Verkehrsmittel fahren beispielsweise zwischen 23.00 Uhr nachts und 5.00 Uhr morgens sehr eingeschränkt bis gar nicht. Für Beschäftigte, die auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind, würde das einen erheblichen Nachteil bedeuten.

Eine Schichtplangestaltung sollte in der Regel partizipativ erfolgen, d.h. es sollte darauf hingewiesen werden, dass Gespräche zwischen Betriebsleitung, Betriebsrat und Beschäftigten ganz entscheidend sind, wenn eine Veränderung der Arbeitszeiten erzielt werden soll. Änderungen der Arbeitszeiten bedeuten zudem Änderungen im sozialen Bereich. Es sollte beachtet werden, dass jeder Betrieb seine Besonderheiten hat, das betrifft auch die unterschiedlichen Bedürfnisse der Belegschaft.