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Wie sind die Chancen vor Gericht, dass man gegenüber dem Arbeitgeber zwecks Vereinbarung von Familie und Beruf ein Teilzeitmodell durchsetzt?

KomNet Dialog 17974

Stand: 10.02.2014

Kategorie: Familie und Beruf > Arbeitsformen - Arbeitszeiten > Vollzeit - Teilzeit

Dialog
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Frage:

Ich habe das Glück, nach meinen zwei Jahren Elternzeit einen Job bei einem neuen Arbeitgeber gefunden zu haben. Diese Stelle ist allerdings in Vollzeit, denn Teilzeitstellen werden so einfach in meiner Branche nicht ausgeschrieben... In Vollzeit + 2 Stunden Pendeln zur Firma + eventuell Überstunden - diese Arbeitsbelastung werde ich und mein Mann mit einem kleinen Kind wahrscheinlich nur ein Jahr bewältigen können. Daher möchte ich den Arbeitgeber in 1/2 Jahr oder 1 Jahr auf Teilzeit oder ein Job-Sharing-Modell ansprechen. Bei Job-Sharing könnte er die Position zu 50% mit einem anderen Arbeitnehmer besetzen. Ich weiß es gibt ein Teilzeitrecht nach 6 Monaten, dass aber aus betrieblichen Gründen abgelehnt werden kann. Wie sind die Chancen vor einem Gericht? Im Grunde lassen sich doch die meisten Positionen durch zwei Arbeitnehmer abdecken. Urlaubsvertretung/Krankheitsvertretung gehen dann sogar noch einfacher. Wie sind da die Entscheidungen vor den Gerichten? (Falls ich soweit gehen werde.)

Antwort:

Der Arbeitgeber hat den Arbeitnehmern, auch in leitenden Positionen, Teilzeitarbeit nach Maßgabe des Gesetzes über Teilzeitarbeit und befristete Arbeitsverträge - TzBfG zu ermöglichen (§ 6 TzBfG). Bevor Sie jedoch in eine gerichtliche Auseinandersetzung mit Ihrem Arbeitgeber zur Durchsetzung "Ihres" Teilzeitmodells gehen, sollten Sie unbedingt zuerst alle Möglichkeiten der Aushandlung ausschöpfen.

Grundsätzlich besteht in Ihrem Betrieb das Recht auf Teilzeitbeschäftigung, wenn Sie
a) 6 Monate in diesem Betrieb fest angestellt sind und
b) wenn dort mehr als 15 Beschäftigte arbeiten - ohne Auszubildende.

Wenn Sie einen Antrag auf Teilzeit stellen, müssen Sie dem Arbeitgeber angemessen Zeit zur Umsetzung lassen (§ 8 Abs.2 TzBfG). Dies ist die Zeit zwischen Beantragung der Teilzeit und dem geplanten Beginn der Teilzeitarbeit. Hier geht der Gesetzgeber von 3 Monaten aus.

Sie haben das Recht auf ein Erörterungsgespräch nach § 8 Abs.3 TzBfG. Das Gespräch soll zu einer einvernehmlichen Lösung führen. Verweigert der Arbeitgeber das Gespräch, verstösst er gegen den § 8 TzBfG.

Arbeitgeber haben das Recht, dem Antrag auf Teilzeit nur teilweise zu entsprechen. Auch kann eine Teilzeitbeschäftigung grundsätzlich unter Anführung von betrieblichen Gründen abgelehnt werden. Diese Gründe müssen für den/die Arbeitnehmer/in nachvollziehbar sein. So können organisatorische, finanzielle oder sicherheitstechnische Gründe genannt werden, die gegen eine Teilzeitbeschäftigung sprechen.

Gegen eine gerichtliche Auseinandersetzung spricht, dass Sie als Antragstellerin sehr genau darstellen müssen, warum Sie der Meinung sind, dass Ihre Beschäftigung in Teilzeit sehr wohl möglich ist und keinerlei Einschränkungen der betrieblichen Abläufe nach sich zieht. Ein weiteres Argument dagegen ist, dass die gerichtliche Auseinandersetzung erfahrungsgemäss sehr langwierig werden kann. Bedenken Sie auch, dass durch einen Rechtsstreit nahezu jedes (bis dahin gute) Arbeitsverhältnis stark belastet wird.

 Weitere Informationen zum Thema enthält die Broschüre "Flexible Arbeitszeiten - Informationsbroschüre für Unternehmen in NRW".

Hinweise:
Information: Die Internetplattform Forum W bietet Frauen und Männern, die nach einer längeren Familienzeit beruflich wieder einsteigen wollen, umfassende Informationen, Anregungen und Servicetipps, die den Jobeinstieg erleichtern und die Chancen beim Wiedereinstieg verbessern.

Beratung: Kostenlose Beratung zur beruflichen Entwicklung bietet ein Förderprogramm des  Landes Nordrhein-Westfalen.Die nächstgelegene professionelle Beratungsstelle ist hier zu finden Weiterbildungsberatung

Förderung: Der Erhalt von Bildungsschecks ist für Berufsrückkehrende möglich, so dass diese – neben Beschäftigten – vom Land Nordrhein-Westfalen, mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds, einen Zuschuss  für ihre berufliche Weiterbildungsmaßnahme erhalten können.