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Inwieweit sind bei den beschriebenen Instandhaltungsarbeiten die BGI 664 und die TRGS 519 anzuwenden?

KomNet Dialog 17881

Stand: 07.02.2013

Kategorie: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Verwendungsverbote > Asbest

Dialog
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Frage:

Instandhaltungsmitarbeiter sollen asbesthaltige Dichtungen in einem älteren Dampfverteilungssystem (> 500 kW) austauschen, weiterhin sollen sie vereinzelt (in Ausnahmefällen) bei Auffälligkeiten Dichtungsschnüre von Revisionsöffnungen austauschen. Bei sonstigen Auffälligkeiten, die größere Sanierungsarbeiten erfordern, werden Aufträge für Fachfirmen ausgeschrieben. Insgesamt finden diese Tätigkeit maximal 3 - 5 Mal pro Jahr statt und die Dauer der Gesamtmaßnahme beträgt dabei jeweils höchstens 1 Stunde. 1) Ist es richtig, dass für den Austausch der Dichtungen die BGI 664 Teil 2 Nr. 2 als geprüftes Verfahren für Arbeiten geringer Exposition herangezogen werden kann? 2) Gibt es für den Austausch der Dichtungsschnüre Ausnahmeregelungen von der Anwendung der TRGS 519 insbesondere hinsichtlich der „großen“ Sachkunde? 2.1) Kann hier aufgrund der geringen Tätigkeitsdauer von <= 1 Stunde ebenfalls die BGI 664 zur Festlegung der Maßnahmen (AT 7) herangezogen werden, obwohl die FWL > 500 kW beträgt? 2.2) Sind die Maßnahmen der TRGS 519 Nr. 3 – 13 bei Arbeiten mit Asbest grundsätzlich anzuwenden, oder ist es bei Arbeiten geringer Exposition ausreichend, ausschließlich die BGI 664 zu beachten und bei Arbeiten geringen Umfang nur die Forderungen der Nr. 14.2 TRGS 519 zu erfüllen?

Antwort:

zu Frage 1:

Zu Arbeiten mit geringer Exposition heißt es in der Technischen Regel für Gefahrstoffe (TRGS) 519 "Asbest: Abbruch-, Sanierungs- oder Instandhaltungsarbeiten" in Nummer 2.8 "Arbeiten mit geringer Exposition":

"Arbeiten mit geringer Exposition der Beschäftigten liegen vor, wenn eine
Asbestfaserkonzentration am Arbeitsplatz von 15 000 Fasern/m³ unterschritten wird (siehe auch Nummer 2.10).
".

D. h. ob Arbeiten mit geringer Exposition vorliegen, hängt von der Asbestfaserkonzentration ab; nicht von der in der Frage beschriebenen Expositionsdauer (hier Dauer pro Austausch i.V.m. Häufigkeit pro Jahr). Um zu prüfen, ob Arbeiten geringer Exposition vorliegen, muss u. E. daher die Asbestfaserkonzentration nach Nummer 2.10 der TRGS 519 ermittelt werden.

zu Frage 2:

In Nummer 2.7 "Sachkundige Personen" in der TRGS 519 heißt es hierzu

"(3) Abweichend von Absatz 2 kann bei Arbeiten mit geringer Exposition nach Nummer 2.8 der Nachweis der Sachkunde auch durch die Teilnahme an branchenspezifischen, mindestens fünfstündigen Lehrgängen erbracht werden, die von Innungen, Kammern oder Verbänden unter Beteiligung von Unfallversicherungsträgern oder Arbeitsschutzbehörden als geschlossene Lehreinheit veranstaltet werden (Lehrgangsinhalt siehe Anlage 5 zu dieser TRGS), die keiner behördlichen Anerkennung bedürfen. Der Lehrgang ist der Behörde anzuzeigen. Der Nachweis der Sachkunde nach Satz 1 gilt ebenfalls als erbracht, wenn im Rahmen der Berufsausbildung nachweislich die entsprechende Sachkunde nach Anlage 5 dieser TRGS vermittelt worden ist."

D. h. die Ausnahme von der "großen" Sachkunde kann nicht pauschal bei einer bestimmten Tätigkeitsart angewendet werden, sondern richtet sich nach der Höhe der Exposition (und kann bei geringer Exposition angewendet werden).

zu 2.1:

In der BGI 664 "Asbestsanierung" heißt es im Kapitel 1 "Anwendungsbereich" der AT 7: Standardheizkessel – Ausbau von Dichtschnüren:

"Der Anwendungsbereich ist beschränkt auf Kesseltypen mit Brennertür (Brenner angeflanscht an Brennraumtür), ggf. einem Türstein und einzelnen Putzdeckeln oder Putztüren für die Abgaszüge an der Kesselstirnwand sowie am Abgaszug kaminseitig bei einer oberen Leistungsgrenze bis ca. 500 kW."

Auch hier spielt die Expositionsdauer (Dauer pro Austausch i.V.m. Häufigkeit pro Jahr) keine Rolle. Neben der Überprüfung, ob eine geringe Exposition vorliegt, wird u. E. entscheidend sein, inwieweit die Leistungsgrenze von 500 kW überschritten ist. Die "ca.-Angabe" lässt an dieser Stelle verschiedene Interpretationen zu, weshalb hierzu im Zweifel Kontakt mit dem genannten Ansprechpartner auf der Seite der BGI 664 [Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA)] aufgenommen werden sollte um zu klären, welche Überschreitung der 500 kW in Ihrem Fall zulässig ist.

zu 2.2:

Grundsätzlich sind unter der Berücksichtigung von Nummer 1 "Anwendungsbereich" der TRGS 519 bei Arbeiten mit Asbest auch bei Arbeiten mit geringer Exposition und/oder bei der Anwendung einer BGI 664 ebenfalls die Nummern 3 bis 13 der TRGS 519 zu berücksichtigen. Etwaige Ausnahmen können den einzelnen Nummern der TRGS entnommen werden. Dies macht nicht zuletzt auch deshalb Sinn, da auch bei Einhaltung einer Asbestfaserkonzentration am Arbeitsplatz von 15 000 F/m³ noch ein Krebsrisiko besteht (Vgl. hierzu u. a. Nr. 1 Absatz 4 der TRGS 519) und deshalb u. a. auch die Einhaltung der Nr. 11 "Beschäftigungsbeschränkungen" der TRGS 519: "Zum Schutz besonderer Personengruppen gelten Beschäftigungsbeschränkungen, siehe Verordnung zum Schutz der Mütter am Arbeitsplatz und Jugendarbeitsschutzgesetz." auch im Falle der Anwendung einer BGI 664 sehr wichtig ist.