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Was ist unter einem 'speziellen Lagerraum' nach TRGS 510, Nr. 4.2 zu verstehen?

KomNet Dialog 17802

Stand: 29.01.2013

Kategorie: Gesunde Arbeit / Arbeitsschutz > Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Lagerung von Gefahrstoffen

Dialog
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Frage:

Lagerung entzündliche Gefahrstoffe und Aerosolpackungen: Wenn entzündliche Gefahrstoffe und Aerosolpackungen über den in Tabelle 1 der TRGS 510 genannten Mengenschwellen gelagert werden, soll dies gemäß Nr. 4.2 (3) TRGS 510 in "speziellen Lagerräumen" oder im Freien erfolgen. Kann ein Lager mit Regalanlagen und einem Kommissionierbereich solch ein spezieller Lagerraum sein? Gibt es eine Definition/Beschreibung, wie diese "speziellen Lagerrräume" gestaltet sein müssen? Dürfen in diesen Lagerräumen auch Tätigkeiten, wie z.B. Kommissioniertätigkeiten, stattfinden?

Antwort:

Grundlage für die oben aufgeführte Lagerung ist eine Gefährdungsbeurteilung gemäß § 6 Gefahrstoffverordnung. Diese Gefährdungsbeurteilung ist mit den Anforderungen der TRGS 510 abzustimmen. Die Ausgestaltung des Lagers hat gemäß TRGS 510 Nr.1 Abs. 5 auch oberhalb der in Tabelle 1 angegebenen Lagermengen in Abhängigkeit der Notwendigkeit gemäß dem Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung zu erfolgen. Dabei ist wie folgt vorzugehen:

Gefährdungen durch die Lagerung von Gefahrstoffen können sich insbesondere ergeben durch

1.    Eigenschaften bzw. Aggregatzustand der gelagerten Stoffe,
2.    Menge der gelagerten Stoffe,
3.    Art der Lagerung,
4.    Tätigkeiten bei der Lagerung,
5.    Zusammenlagerung von Gefahrstoffen oder
6.    Arbeits- und Umgebungsbedingungen, insbesondere Bauweise des Lagers.

Der Zyklus der Gefährdungsbeurteilung ergibt bei der Gefahrenermittlung, dass dort Gase und brennbare Flüssigkeiten gelagert werden sollen. Die in Tabelle 1 TRGS 510 genannten Lagerobergrenzen stellen eine Gefährdungsabschätzung dar. Sind größere Lagermengen vorhanden, sind größere Gefahren zu erwarten. Es handelt sich also um Gefahren, denen mit den Vorschriften der Nummern 5 bis 12 allein nicht ausreichend begegnet werden kann. Diese sind aber trotzdem zu beachten. Dies gilt insbesondere für die o. g. Punkte 3, 4, 5 und 6. Deswegen sind "spezielle Lagerräume" notwendig.
Ein "spezieller Lagerraum" muss besondere Anforderungen erfüllen. Hintergrund sind Anforderungen an die Sicherheit des Lagers.

Diese ergeben sich aus folgenden Vorschriften:
1.    Bauordnung des jeweiligen Landes
2.    Wasserechtliche Vorschriften, wie z. B. Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen, wie        z. B. bei entzündlichen Stoffen
3.    Anforderungen an den Explosionsschutz ergeben sich aus der Gefahrstoffverordnung und der
       Betriebssicherheitsverordnung, insbesondere aus den Technischen Regeln für Betriebssicherheit zur Erstellung eines
       Explosionsschutzdokumentes
4.    Anforderungen aus der Arbeitsstättenverordnung und der hiernach zu erstellen Gefährdungsbeurteilung für
       Arbeitsstätten (Fluchtwege) im Zusammenhang mit der Gefährdungsbeurteilung nach Gefahrstoffverordnung. Hier
       insbesondere, dass in einem Arbeitsraum keine größeren Mengen an Gefahrstoffen als für den Fortgang der Arbeit
       notwendig, gelagert werden dürfen
5.    Besondere Anforderungen an den Brandschutz, die eine Zusamenlagerung von bestimmten Gefahrstoffen                      aussschließt, aber auch bestimmte Gebäudeabstände erfordert. (Siehe hierzu auch Anlage 5 der TRGS 510                      Lagerklassen).

Das Bündel der notwendigen Vorschriften an spezielle Lagerräume ist immer im Zusammenhang mit einer gültigen Baugenehmigung zu betrachten. Bei größeren Lagermengen sind auch die Vorschriften der Vierten Verordnung nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz zu beachten.