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Ist das tragen von FFP3 Masken bei Rettungskräften bei sogenannten "Infektionsfahrten" notwendig oder reichen auch FFP2 Masken aus?

KomNet Dialog 17650

Stand: 12.12.2016

Kategorie: Belastungen durch Biostoffe > Sicherer Transport > Sichere Produkte

Dialog
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Frage:

Atemschutz bei Rettungskräften Ist das tragen von FFP3 Masken bei Rettungskräften bei sogenannten "Infektionsfahrten" notwendig oder reichen auch FFP 2 Masken aus. Die häufigste Übertragung findet über Tröpfchen (Niesen,Husten o.ä.) statt. Gegen Viren oder Bakterien würde auch eine FFP 3 Maske, meiner Auffassung, nach keinen ausreichenden Schutz bieten. Nachstehend noch einige Hinweise zu den Tätigkeiten: 1) es handelt sich teilweise um gezielte Transportfahrten von infizierten, teilweise nicht. D.h. dem Personal ist vor der Fahrt manchmal bekannt/manchmal unbekannt, ob es sich um sogenannte Infektionsfahrten handelt (Patient mit 2)die Fahrzeuge und das Rettungspersonal ist darauf eingerichtet, wenn die Information im Vorfeld bekannt ist 3)größtenteils handelt es sich auch um routinemäßige Fahrten von Patienten (Verlegungen, Arztbesuche...) Der kleinste Anteil sind nicht routinemäßige Fahrten (Unfälle...) bei denen im Nachgang festgestellt wird, dass der Patient eine infektiöse Krankheit hatte.

Antwort:

Grundsätzlich sind im Rettungsdienst entsprechend der einschlägigen Regelwerke FFP2-Maken ausreichend, auch bei aerogen übertragenen Erregern der Risikogruppe 3 (Ausnahme: Viren).

Die TRBA 250 "Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege", die ausdrücklich auch im Rettungsdienst und bei Krankentransporten Anwendung findet (Punkt 1.4), fordert unter Nr. 4.2.10:

"(1) Die geforderte Minimierung der Gefährdung durch luftübertragbare Krankheitserreger wird nach Ausschöpfung aller anderen technischen und organisatorischen Maßnahmen (insbesondere der Impfschutz der Beschäftigten, Hygienemaßnahmen) durch das Tragen von Atemschutz erreicht. Werden Patienten mit Verdacht auf eine Erkrankung
durch luftübertragbare Erreger behandelt, hat der Arbeitgeber im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung ein betriebsbezogenes Konzept zum Schutz der Beschäftigten vor luftübertragbaren Infektionen festzulegen.

Hinweis: Bezüglich einer pandemischen Situation siehe ABAS Beschluss 609 „Arbeitsschutz beim Auftreten einer nicht ausreichend impfpräventablen humanen Influenza“.
...

(3) Sind Patienten mit luftübertragbaren Krankheitserregern infiziert und müssen Tätigkeiten an diesen Patienten bzw. in deren Nähe ausgeführt werden, sind mindestens FFP2-Masken zu tragen.

Hinweise:
Solche Tätigkeiten sind z.B. die Versorgung und Pflege von Patienten mit Erkrankungen durch luftübertragbare Erreger, insbesondere wenn die Beschäftigten dabei Hustenstößen der Patienten ausgesetzt sein können.
Auf das Tragen der FFP2-Masken kann im Einzelfall verzichtet werden, wenn bekannt ist, dass der betroffene Beschäftigte über einen ausreichenden Immunschutz, z.B. aufgrund einer Impfung, verfügt.

Mund-Nasen-Schutz (MNS) ist kein Atemschutz und kann nicht vor dem Einatmen von Aerosolen schützen, aber er ist ein wirksamer Schutz vor Berührung von Mund und Nase mit kontaminierten Händen. Werden Tätigkeiten an Patienten, die an luftübertragbaren Krankheiten erkrankt sind, ausgeführt und trägt der Patient einen MNS, reicht für den Behandler das gleichzeitige Tragen eines MNS als geeignete Hygienemaßnahme in der Regel aus. Dies gilt nicht, wenn der Erreger der Risikogruppe 3 zugeordnet ist."


Bei Behandlung eines Patienten mit offener Lungentuberkulose während der infektiösen Phase ist das Tragen von Atemschutz mindestens der Klasse FFP2 erforderlich (Punkt 4.3.4).

Vergleichbares wird auch für die Influenza-Viren vorgeschrieben, nach Beschluss 609 "Arbeitsschutz beim Auftreten einer nicht ausreichend impfpräventablen humanen Influenza" sind in folgenden Fällen FFP2-Masken zu tragen (Nr. 6.3.1):
-im Umgang mit Patienten, die an einem Influenza-Erreger der Risikogruppe 3 erkrankt sind oder als Verdachtsfall gelten,
-im Umgang mit Patienten, die an einem Influenza-Erreger der Risikogruppe 2 erkrankt sind oder die als Verdachtsfall gelten, wenn die Patienten keinen Mund-Nasen-Schutz tragen.
Beschäftigte des Rettungstransportwagens haben bei Tätigkeiten am Patienten FFP2-Masken zu tragen (Nr. 7.2)
Wenn jedoch das Husten des Patienten provoziert wird (Intubation, Absaugung), sind FFP3-Masken zu tragen (Nr. 6.3.1).

Da gerade im Rettungsdienst der Erregertyp häufig während des Einsatzes noch nicht bekannt ist, wird in der Literatur allerdings häufig empfohlen, bei Verdacht einer aerogen übertragbaren Infektionskrankheit von vornherein den höherwertigen FFP3-Atemschutz zu tragen.