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Wie berücksichtige ich im Explosionsschutzdokument die Lage einer Anlage in einem Erdbebengebiet?

KomNet Dialog 17590

Stand: 19.12.2012

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Explosionsschutz, Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen > Sicherheitstechnische Anforderungen, Sicherheitseinrichtungen

Dialog
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Frage:

Wie berücksichtige ich die Lage einer Anlage in einem Erdbebengebiet im Explosionsschutzdokument nach RL 1999/92/EG - gerade auch im europäischen Raum, wo eine zusätzliche Betrachtung besonders gefährlicher Anlagen nach Störfallrecht nicht erforderlich oder unüblich ist, z.B. in der Türkei? Mir ist klar, dass ich die Gefährdung im Rahmen meiner Gefährdungsbeurteilung betrachten und bewerten muss. Für konkretere Hinweise, Betrachtungsweisen, Rechtsgrundlagen usw. wäre ich jedoch sehr dankbar. Ab welcher Erdbebenzone muss ich Erdbeben im Explosionsschutzdokument überhaupt berücksichtigen? Bei welcher Erdbebenzone sind welche Maßnahmen erforderlich, z.B. hinsichtlich der Dichtheit von Gas- oder Flüssigkeitsleitungen, Standfestigkeit von Silos etc.?

Antwort:

Die grundsätzliche Vorgehensweise für die Beurteilung/Planung einer Anlage mit Explosionsgefährdung (oder auch für andere Anlagen und Arbeitsmittel) im Sinne der Betriebssicherheitsverordnung - BetrSichV -  ist in der Technischen Regel zur Betriebssicherheitsverordnung TRBS 1111" Gefährdungsbeurteilung und sicherheitstechnische Bewertung" ausführlich beschrieben.

Darauf aufbauend ist für den Bereich des Explosionsschutzes die weitere Vorgehensweise in der TRBS 2152, Teil 1-4, beschrieben.

Eine direkte Beziehung zwischen der Erdbebenzonierung und der Bewertung zum Explosionsschutz im Sinne von § 5 BetrSichV gibt es dem Wortlaut nach nicht. Die Bewertung zum Explosionsschutz einschließlich der Durchführung notwendiger Maßnahmen geht vom "Normalbetrieb" aus, also dem "bestimmungsgemäßen Betrieb" einer Anlage. Pflicht des Arbeitgebers ist es dabei sicherzustellen, das die Mindestvorschriften des Anhangs 4 zur BetrSichV angewendet werden.

Eine Bewertung zur Erdbebensicherheit erfolgt, insbesondere bei größeren Anlagen mit Genehmigungsvorbehalt nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz über die gesetzlich verankerte Pflicht zur Einhaltung des Standes der Technik (vgl. auch § 4 BetrSichV), hier  insbesondere nach der Störfall-Verordnung - 12. BImschV.

Gemäß § 3 (2) Pkt. 2 der 12. BImSchV hat ein Betreiber eines Betriebsbereichs die allgemeine Pflicht, die erforderlichen Vorkehrungen zu treffen, um Störfälle zu verhindern. Hierbei sind auch umgebungsbedingte Gefahrenquellen, wie z. B. Erdbeben zu berücksichtigen.

Informationen zur Bemessung und Konstruktion von Tragwerken und Komponenten finden sich in folgendem Leitfaden des Verbands der chemischen Industrie - VCI: Der Lastfall Erdbeben im Anlagenbau. Dieser Leitfaden steht dort sowohl in einer Kurzfassung als auch in einer Langfassung mit Erläuterungen zur Verfügung.

Sofern die Chemieanlage entsprechend den dort dargelegten Anforderungen ausgelegt ist, kann man davon ausgehen, dass ein Erdbeben nicht mehr zu einer Freisetzung von Stoffen, wie z. B. brennbaren Gasen oder Flüssigkeiten führt.

In Deutschland sind die Erdbebenzonen derüberarbeiteten und mit Stand 04/2005 herausgegebene DIN 4149 – Bauten in deutschen Erdbebengebieten – Lastannahmen, Bemessungen und Ausführungen üblicher Hochbauten – zu entnehmen und zur Beurteilung von Risiken heranzuziehen. Die dort veröffentlichte Erdbebenkarte sieht demnach strengere Bauvorschriften für die Regionen

  • Rheinland in Nordrhein-Westfalen
  • Schwäbische Alb in Baden-Württemberg
  • Vogtland in Sachsen
vor, so das zumindest diese Regionen zu berücksichtigen sind. Für den jeweiligen Standort der Anlage ist dann der dafür geltende Stand der Technik den entsprechenden Grundlagen (z. B. DIN, VDE, DVGW, VDS etc.) zu entnehmen. Die Umsetzung der darin enthaltenen technischen Inhalte ist dann Sache der am Bau beteiligten Fachkräfte.

Die Beschaffung von DIN-Vorschriften etc. ist über den Beuth-Verlag möglich.

Anmerkung:
Dem Beratungsteam "KomNet Moderne Arbeit" aus Nordrhein-Westfalen ist es nicht möglich, Beratungen durchzuführen, die sich auf Anlagen außerhalb deutscher oder gar europäischer Grenzen beziehen. Inwieweit Regionen des europäischen Auslands und evtl. dort existierende Vorschriften bei der Beantwortung der Fragen zu berücksichtigen sind, entzieht sich unserer Kenntnis.