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Was müssen wir beim Kauf zweier Druckbehälter (V=20L; pmax 2,5bar und V=11,6L; pmax=2,5bar - Fluidgruppe I) beachten?

KomNet Dialog 17460

Stand: 03.12.2012

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Druckbehälter > Rechts- und Auslegungsfragen, Sonstiges (1.1.4)

Dialog
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Frage:

Wir möchten zwei Druckbehälter (V=20L; pmax 2,5bar und V=11,6L; pmax=2,5bar) nach DGRL Art. 3 Absatz 3 Fluidgruppe I beschaffen. Welche Dokumentation muss uns der Hersteller liefern? Was wird benötigt? 1. Betriebsanleitung inkl. Einstufung des Druckgerätes? 2. Herstellererklärung (Was soll dort bescheinigt werden? z.B.Einstufung) 3. Zeichnungen und oder Isometrien? 4. Typenschild? 5. Auf Kundenwunsch – Lieferung der Berechnungen 6. Auf Kundenwunsch – Lieferung der Materialzeugnisse Muss der Hersteller eine Zertifizierung für Druckbehälterherstellung besitzen? Art 3 Absatz 3 besagt normalerweise eine Fertigung nach der guten alten Ingenieurpraxis.

Antwort:

Artikel 3 „Technische Anforderungen“ der DGR* führt folgendes aus:
(1) Die unter den Nummern 1.1, 1.2, 1.3 und 1.4 angeführten Druckgeräte müssen die in Anhang I genannten grundlegenden Anforderungen erfüllen.1.1. Behälter, mit Ausnahme der unter Nummer 1.2 genannten Behälter, füra) Gase, verflüssigte Gase, unter Druck gelöste Gase, Dämpfe und diejenigen Flüssigkeiten, derenDampfdruck bei der zulässigen maximalen Temperatur um mehr als 0,5 barüber dem normalen
Atmosphärendruck (1 013 mbar) liegt, innerhalb nachstehender Grenzwerte:- bei Fluiden der Gruppe 1, wenn das Volumen größer als 1 Liter und das Produkt aus PS*V größer als
25 bar*Liter ist oder wenn der Druck PS größer als 200 bar ist (Anhang II, Diagramm 1);
(3) Druckgeräte und/oder Baugruppen, die höchstens die Grenzwerte nach den Nummern 1.1 bis 1.3 sowie Absatz 2 erreichen, müssen in Übereinstimmung mit der in einem Mitgliedstaat geltenden guten Ingenieurpraxis ausgelegt und hergestellt werden, damit gewährleistet ist, dass sie sicher verwendet werden können.

Da die Grenzwerte ( p= 0,5 bar; V= 1 Liter; Druck-Volumen-Produkt= 25 bar*Liter, p min= 200 bar ) von den von Ihnen genannten Behältern überschritten werden, müssen somit die grundlegenden Anforderungen des Anhangs 1 der DGR erfüllt werden. Die gute Ingenieurpraxis nach Art.3 Abs.3 reicht hierfür nicht mehr aus.

Behälter 1: V= 20,0 l; p MAX = 2,5 bar → 50 bar*Liter → Kat. 2 ( Diagramm 1 );
Behälter 2: V= 11,6 l; p MAX = 2,5 bar → 29 bar*Liter → Kat. 1 ( Diagramm 1 );


Bezogen auf Ihre Frage heißt das:Zu 1.   Betriebsanleitung nach Anhang 1 ist beizufügenEine Einstufung des Druckgerätes ist danach nicht gefordert, aber oftmals enthalten.
Zu 2.   Die Vierzehnte Verordnung zum Produktsicherheitsgesetz (Druckgeräteverordnung – 14. ProdSV)vom 27. September 2002 sagt hierzu in § 4 „Voraussetzungen für die Bereitstellung auf dem Markt“:(1) Druckgeräte und Baugruppen dürfen nur auf dem Markt bereitgestellt werden, wenn1. sie die technischen Anforderungen nach Artikel 3 Abs. 1 oder 2 der Richtlinie 97/23/EG erfüllen, mit der Kennzeichnung gemäß Anhang I Nr. 3.3 der Richtlinie 97/23/EG und mit der CE-Kennzeichnung nach § 5 Abs. 1 und 3 sowie einer Konformitätserklärung gemäß Anhang VII der Richtlinie 97/23/EG versehen sind, durch die der Hersteller oder sein in der Gemeinschaft oder in einem anderen Vertragsstaat des Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum niedergelassener Bevollmächtigter bestätigt, dass
a) die Druckgeräte und Baugruppen den grundlegenden Sicherheitsanforderungen des § 3 Abs. 1 entsprechen,
b) die in Artikel 10 Abs. 1 und 2 und Anhang II der Richtlinie 97/23/EG vorgeschriebenen Konformitäts-bewertungsverfahren nach dem Anhang III der Richtlinie 97/23/EG eingehalten sind,
c) er seine Verpflichtungen gegenüber der von ihm beauftragten notifizierten Stelle erfüllt hat und
d) er sich verpflichtet, entsprechend dem angewandten Konformitätsbewertungsverfahren nach An-hang III der Richtlinie 97/23/EG die dort genannten Unterlagen über einen Zeitraum von zehn Jahren nach Herstellung des letzten Druckgeräts bereitzuhalten, und
2. den Druckgeräten und Baugruppen eine Dokumentation nach Anhang I Nr. 3.3 sowie eine Betriebsanleitung nach Nr. 3.4 der Richtlinie 97/23/EG in deutscher Sprache beigefügt sind.
 Zu 3.   Zeichnungen oder Isometrien sind ggf. im Rahmen der Betriebsanleitung mitzuliefern.
Zu 4.   Ein Typenschild ist nach Anhang I “Grundlegende Sicherheitsanforderungen“ Nr.: 3.3. „Kennzeichnung und          Etikettierung“ anzubringen.Zu 5+6. Was Sie als Käufer der Druckbehälter ggf. noch benötigen, hängt von der weiteren Verwendung ab und ist mit demHersteller privatrechtlich abzuklären.
Nach der Frage zum Besitz einer Zertifizierung des Herstellers ist Artikel 10 „Konformitätsbewertung“ zu beachten.

Der Hersteller muss nach Artikel 10 „Konformitätsbewertung“(1) 1.1. jedes Druckgerät vor dem Inverkehrbringen nach Maßgabe dieses Artikels einem der in Anhang III
beschriebenen Konformitätsbewertungsverfahren unterziehen.1.2.    Die im Hinblick auf die Anbringung der CE-Kennzeichnung auf einem Druckgerät anzuwendendenKonformitätsbewertungsverfahren richten sich nach der Kategorie, in die das Gerät gemäß Artikel 9 eingestuft ist.1.3.    Auf die verschiedenen Kategorien sind die folgenden Konformitätsbewertungsverfahren anzuwenden:- Kategorie I: Modul A;
- Kategorie II: Modul A1, Modul D1, Modul E1;
- Kategorie III: Module B1 + D Module B1 + F Module B + E Module B + C1 Modul H;
- Kategorie IV: Module B + D, Module B + F, Modul G, Modul H1.Auf die von Ihnen angegebenen Behälter hat der Hersteller für
Behälter 1 ( Kategorie I ) das Modul A und für
Behälter 2 (Kategorie II ) das Modul A1, D1 oder E1 anzuwenden.

Anhang III „Konformitätsbewertungsverfahren“
Modul A (Interne Fertigungskontrolle)
Modul A1 (Interne Fertigungskontrolle mit Überwachung der Abnahme)
Modul D1 (Qualitätssicherung Produktion)
Modul E1 (Qualitätssicherung Produkt)


*Richtlinie 97/23/EG des Europäischen Parlaments und des Rates zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über Druckgeräte (Druckgeräterichtlinie -DGR-) vom 29.05.1997 zuletzt geändert am 29.09.2003