Inhaltsbereich
Seitentitel

KomNet-Wissensdatenbank

Wie lässt sich überprüfen, ob der Arbeitsplatzgrenzwert im Sicherheitsdatenblatt der aktuelle ist?

KomNet Dialog 17409

Stand: 26.11.2012

Kategorie: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Zulässige Belastungen > Grenzwerte

Dialog
Favorit

Frage:

Ermittlung Grenzwert Kohlenwasserstoffgemische-RCP-Methode Gemäß der aktuellen Änderung der TRGS 900 (Juli 2012 in Verbindung mit der Begründung zu KW-Gemischen (Mai 2012) sind die AGW anzuwenden auf flüssige Stoffgemische und auf Bestandteile von flüssigen Stoffgemischen die ausschließlich aus KW bestehen. Gemäß RCP-Methode können nur 5 Substanzen ausgegliedert werden (n-Hexan, Cyclohexan, Naphtahlin, 1,2-Diehtylbenzol und n-Butylbenzol). In der Begründung wird nunmehr jedoch bei Beispiel 4 und 5 bei der Ermittlung der AGW aus den SDB herangezogen. Dieser ist keiner der einzelnen RCP-Gruppen jeweils zuordenbar. Heißt das nunmehr, wenn in SDB ein einzelner AGW für einen Kohlenwasserstoff ausgewiesen ist (und man nicht erkennen kann um welche RCP-Gruppe oder die Gemischbestandteile es sich handelt) kann man diesen AGW verwenden? (Beispiel 4 sagt z.B. AGW: Testbenzin 300 mg/m³ oder Beispiel 5 AGW Spezialbenzin: 1000 mg/m³) Eigentlich sind nach meiner Auffassung nur die o.g. 5 Substanzen so anwendbar? Wie lässt es sich nunmehr überprüfen, ob der AGW gemäß SDB der tatsächliche ist, da gerade sehr oft alte AGWs in SDB stehen und somit für mich der AGW oft nicht mehr nachvollziebar erscheint?

Antwort:

Bei der Herstellung von lösemittelhaltigen Produkten, z.B. Farben und Lacken, Reinigungs- und Schmiermitteln, und zur Erstellung eines Sicherheitsdatenblattes ist ein Formulierer auf die Angaben des Lieferanten bzw. des Herstellers im Sicherheitsdatenblatt der zur Formulierung notwendigen Grundchemikalien angewiesen. Das gilt auch für die im Abschnitt 8.1 des Sicherheitsdatenblattes angegebenen Grenzwerte der Inhaltsstoffe, wie z.B. für aliphatische oder aromatische Kohlenwasserstofffraktionen aus der Erdölindustrie.

Im Allgemeinen kann der dem Lieferanten oder Hersteller nachgeschaltete Verwender den Angaben im Sicherheitsdatenblatt vertrauen, die im Abschnitt 8.1 angegebenen Arbeitsplatzgrenzwerte übernehmen und bei reinen Kohlenwasserstoffgemischen zur Berechnung des Gemischtgrenzwertes in die im Abschnitt 2.9 Nr. 3 der TRGS 900 angegebene Formel einsetzen, wobei nur die in Nr. 5. Genannten Stoffe n-Hexan, Cyclohexan, Naphthalin, 1,2-Diethylbenzol und n-Butylbenzol mit spezifischen Grenzwerten und gesondert in die Formel einzubeziehen sind.
Nach Nr. 7 in Abschnitt 2.9 gehört es zu den Verpflichtungen des Inverkehrbringers, den zutreffenden Grenzwert (AGW) des jeweiligen Kohlenwasserstoffgemisches (Abschnitt 8) oder den Gehalt der Fraktionen (Abschnitt 3) im Sicherheitsdatenblatt anzugeben, und außerdem einen Hinweis auf die angewendete Methode – RCP nach TRGS 900 enthalten. Anderenfalls kann das bedeuten, dass es sich um ein fehlerhaftes oder veraltetes Sicherheitsdatenblatt handelt und daher vom Abnehmer des Produktes bemängelt werden sollte.

Offensichtlich handelt es sich bei dem im Beispiel 4 der „Begründungen zu Kohlenwasserstoffgemische in TRGS 900“ angegebenen Testbenzin offensichtlich um Gemisch von RCP-KW-Gruppen mit einem mittels RCP-Formel berechneten AGW von 300 mg/m³, und bei den im Beispiel 5 genannten Spezialbenzin ebenfalls um ein RCP-Gruppen–Gemisch mit berechnetem AGW von 1.000 mg/m³. Dann allerdings sollte in den Sicherheitsdatenblättern dieser Bestandteile ein Hinweis auf die angewendete Berechnungsmethode RCP stehen oder dieser Sachverhalt sollte beim Lieferanten hinterfragt werden.

In den unter Abschnitt 2.9 der TRGS 900 folgenden Ausführungen ist das weitere Vorgehen bei fehlenden Angaben beschrieben. Wenn im Sicherheitsdatenblatt keine Zusammensetzung und auch kein Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) angegeben werden, ist nach Nr. 8 der niedrigste Gruppengrenzwert heranzuziehen. Das bedeutet, dass bei fehlendem Grenzwert und fehlender Angabe zur Gruppenzugehörigkeit sowie ohne Angabe, ob aliphatisches oder aromatisches Kohlenwasserstoffgemisch, der niedrigste Gruppengrenzwert anzunehmen ist, in diesem Fall 100 mg/m³ für C9-C15 Aromaten. Wenn mehr Informationen verfügbar sind, wie z.B. „entaromatisiertes Testbenzin“, ist der niedrigste Grenzwert einer Gruppe anzunehmen, wie z.B. 600 mg/m³ für C9-C15 Aliphaten.

Wenn im Sicherheitsdatenblatt kein zutreffender Grenzwert und auch keine Zuordnung zu einer Kohlenwasserstoffgruppe genannt werden, kann die Gruppenzugehörigkeit evt. auch über die in Abschnitt 3 angegebene EG- und CAS-Nummer festgestellt werden. Informationen über die Zusammensetzung sind im „European Chemical Substances Information System“ (ESIS) unter http://esis.jrc.ec.europa.eu nach Eingabe der EG- oder CAS-Nummer zu finden, wie z.B. Testbenzin, das in ESIS unter EG-Nummer 265-185-4, CAS-Nummer 64742-82-1, dem Namen „Naphtha (petroleum), hydrodesulfurized heavy“ und der Beschreibung „A complex combination of hydrocarbons obtained from a catalytic hydrodesulfurization process. It consists of hydrocarbons having carbon numbers predominantly in the range of C7 through C12 and boiling in the range of approximately 90°C to 230°C (194°F to 446°F)” aufgeführt wird.

Es handelt sich demnach um aliphatische Kohlenwasserstoffe im Bereich C7-C12, die überwiegend im Bereich der RCP-Gruppe C9-C15 liegen und denen daher ein Gruppengrenzwert von 600 mg/m³ zugeordnet werden kann. Ein höherer Grenzwert zwischen 1.500 mg/m³ für die RCP-Gruppe C5-C8-Aliphaten und 600 mg/m³ für die RCP-Gruppe C9-C15-Aliphaten wäre jedoch nur dann mittels der RCP-Formel ableitbar, wenn die genaue Zusammensetzung aus den C5-C8- und C9-C15-Aliphatenfraktionen entweder durch Nachfrage beim Lieferanten oder durch eigene analytische Bestimmung, z.B. durch Gaschromatographie (GC) mit Flammenionisationsdetektion (FID), festgestellt werden kann. Auf diese kann auch ein evt. im Sicherheitsdatenblatt angegebener fehlerhafter oder veralteter Grenzwert identifiziert und durch einen selbst abgeleiteten Grenzwert korrigiert werden, wozu nach den gesetzlichen Vorgaben eigentlich der Lieferant verpflichtet wäre.