Inhaltsbereich
Seitentitel

KomNet-Wissensdatenbank

Dürfen asbesthaltige Bodenbeläge (Floor-Flex-Platten, geschädigt und ungeschädigt) im Rahmen von Modernisierungsarbeiten mit neuen Bodenbelägen überdeckt werden?

KomNet Dialog 16537

Stand: 03.07.2012

Kategorie: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Verwendungsverbote > Asbest

Dialog
Favorit

Frage:

Dürfen asbesthaltige Bodenbeläge (Floor-Flex-Platten, geschädigt und ungeschädigt) im Rahmen von Modernisierungsarbeiten mit neuen Bodenbelägen (Teppeich, PVC, Verelgeplatten, ö.ä.) versehen bzw. überdeckt werden? Welche Maßnahmen hinsichtlich des Arbeitschutzes gemäß TGRS 519 sind zu treffen?

Antwort:

Die generelle Frage, ob allgemein bei Sanierungsarbeiten oder gar sanierungsbedürftige Asbestprodukte überdeckt werden dürfen, ist zunächst zu verneinen. Sie sind auszubauen gemäß TRGS 519 und ggf. BGI 664. Zwar können schwach gebundene Produkte laut Asbestrichtlinien räumlich getrennt oder beschichtet werden, aber bei Bodenbelägen ist das nur theoretisch möglich. Laut TRGS 519 zählen Flexplatten zu den stark gebundenen Asbestprodukten, in der Praxis ist das aber i. d. R. auszuschließen.

Da Flexplatten nach DIN EN 654:2011-07mehrschichtig aufgebaut sind und speziell die Unterschichten einen hohen Asbestanteil aufweisen können, ferner der Kleber und der Estrich asbesthaltig sein können, ist eine Gefährdung auf Dauer selbst bei "normalem" Gebrauch (z. B. ständige Begehung) nicht auszuschließen. Die Entfernung unter Beachtung aller Vorgaben der TRGS 519 ist unumgänglich.

Zusätzlich empfiehlt sie sich schon aus gesundheitlichen Gründen. Bedauerlicher Weise liegt die asbestverursachte Todesrate nach den Angaben der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) immer noch bei ca. 1.400 bis 1.500 Fällen pro Jahr. Weitere Sterbefälle resultieren aus den vier mal häufigeren angezeigten, aber aus verschiedenen Gründen nicht anerkannten Berufskrankheiten. Hinzukommen weitere "dritte Geschädigte", die beruflich nicht mit Asbest umgehen und daher nicht in diesen Statistiken erfasst sind.

Eine wesentliche Absenkung dieser Zahl ist auch nicht vor dem Jahr 2020 bis 2025 zu erwarten. Zum Einen benötigt Asbest i. d. R. mehrere Jahrzehnte Latenzzeit, zum anderen liegt das Verwendungsverbot von Asbest und die Umstellung auf asbestfreie Ersatzmaterialien noch nicht lang genug zurück.

Zu empfehlen ist das Studium der BGR 664 (Asbest-Arbeiten geringer Exposition) und dort die "BT 11, 17 und 18", die die fachlich richtige Entfernung von Flexplatten, das Abschleifen asbesthaltiger Kleber und die Entfernung asbesthaltiger Estriche betreffen. Die "Arbeiten geringer Exposition" bieten den Vorteil geringerer Faserfreisetzung bei exakter Beachtunug der jeweiligen Checklisten in Verbindung mit der TRGS 519 Anlage 5 (Lehrgang).

"Asbestsanierer" sind Spezialisten, weshalb nicht jedes Unternehmen hierfür geeignet ist. Die zuständige Arbeitsschutzbehörde, die Berufsgenossenschaften (BG) oder auch das Internet (Datensuchbank: Asbestsanierer - Vorsicht, hierin sind u. a. auch Dachdecker gelistet) helfen Ihnen weiter.