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Dürfen mobile Arbeitsbühnen bei Arbeitshöhen von 10 bis 15 Metern mit einer dichten Umhausung von ca. 2,00 m Höhe eingehaust werden?

KomNet Dialog 16536

Stand: 03.07.2012

Kategorie: Sichere Produkte > Beschaffenheit von Arbeitsmitteln / Einrichtungen > Beschaffenheit `alte` Arbeitsmittel / Nachrüstung

Dialog
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Frage:

Dürfen mobile Arbeitsbühnen (Hubsteiger, Hubarbeitsbühnen) bei Arbeitshöhen von 10 bis 15 Metern mit einer dichten Umhausung von ca. 2,00 m Höhe eingehaust werden?

Antwort:

Eine Hubarbeitsbühne ist eine Maschine www.baua.de/de/Produktsicherheit/Produktgruppen/Maschinen/Maschinen.html gemäß Maschinenverordnung - 9. ProdSV www.baua.de/de/Produktsicherheit/Rechtstexte/Maschinen.html i.V.m. Maschinenrichtlinie 2006/42/EG . Diese muss mit CE-Kennzeichnung, EG-Konformitätserklärung und Betriebsanleitung des Herstellers auf der Grundlage einer Risikobeurteilung geliefert werden.

In der Betriebsanleitung müssen alle Hinweise für die Montage, den sicheren und bestimmungsgemäßen Betrieb und die Instandhaltung enthalten sein.
Hubarbeitsbühnen werden u. a. entsprechend der DIN EN 280 "Fahrbare Hubarbeitsbühnen" erbaut.

Werden Veränderungen an einem technischen Gerät vorgenommen, ist zu prüfen, ob es sich um eine wesentliche Veränderung handelt bzw. ob die entsprechenden Regelwerke eingehalten werden. Des Weiteren ist zu prüfen, ob der Hersteller des Arbeitsmittels eine solche Änderung bzw. Erweiterung im Zuge seiner Konformitätserklärung berücksichtigt hat. Ist diese Änderung nicht vom Hersteller berücksichtigt worden und das Arbeitsmittel wird abgeändert, so tritt derjenige, der die Änderung vorgenommen hat als Hersteller eines Arbeitsmittels auf und muss die entsprechenden Regelwerke einhalten und die Konformität dieser Änderung bzw. des neuen Arbeitsmittels erklären.

Werden keine sicherheitsrelevanten Änderungen vorgenommen, so ist es nicht zwingend notwendig, dass eine neue Konformität erklärt wird.

Da aber bei einer zusätzlichen "Einhausung" des Arbeitskorbes sicherheitstechnisch relevante Aspekte betroffen sind wie z.B. Überlastsicherung, Kippmoment, Standsicherheit, Rettung aus dem Arbeitskorb, Schaffung neuer Quetschstellen , ist u.E. eine neue Sicherheitsbewertung des Arbeitsmittels bzw. der daran vorgenommenen Änderung nötig.

Ein Ablaufschema mit Entscheidungsschritten wird u. a. von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin - BAuA unter www.baua.de angeboten.

Weitere Informationen können dem Dokument "Wesentliche Veränderungen von Maschinen" unter der Rubrik Dokumente auf der Seite www.maschinenrichtlinie.de entnommen werden.

Wird die Hubarbeitsbühne Arbeitnehmern zur Verfügung gestellt wird, unterliegt sie außerdem als Arbeitsmittel der Betriebssicherheitsverordnung - BetrSichV einschließlich der entsprechenden technischen Regeln für Betriebssicherheit - TRBS www.baua.de/trbs und dem anzuwendenden Vorschriften- und Regelwerk der Träger der gesetzlichen Unfallversicherung (Berufsgensossenschaften/Unfallkassen) wie z.B. der BGR 500-Kapitel 2.10 "Hebebühnen" http://publikationen.dguv.de/dguv/pdf/10002/bgr500.pdf [8,54 MB]. Auf die BGI 720 "Sicherer Umgang mit fahrbaren Hubarbeitsbühnen" http://publikationen.dguv.de/dguv/pdf/10002/bgi720.pdf sowie die BGG/GUV-G 966 Ausbildung und Beauftragung der Bediener von Hubarbeitsbühnen http://publikationen.dguv.de/dguv/pdf/10002/g-966.pdf weisen wir ebenfalls hin.
Hier werden u.a Angaben zur Handhabung und zum Verhalten während des Betriebs gemacht und Beschäftigungsbeschränkungen aufgestellt.

Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung gemäß § 3 BetrSichV hat der Arbeitgeber zu prüfen, ob die in den o.g. Unterlagen aufgeführten Maßnahmen mit den Gegebenheiten am Arbeitsplatz harmonieren und Sicherheit und Gesundheitsschutz hinreichend gewähren. Andernfalls sind weitere Maßnahmen umzusetzen. Handlungshilfen für die Gefährdungsbeurteilung werden z.B. unter www.gefaehrdungsbeurteilung.de/de angeboten.