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Muss jeder Aufenthaltsraum eines Kinderheimes einen zweiten Rettungsweg haben?

KomNet Dialog 16470

Stand: 30.06.2016

Kategorie: Gesunde Arbeit / Arbeitsschutz > Gestaltung von Arbeitsplätzen > Schulen, Kindergärten

Dialog
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Frage:

Muß jeder Aufenthaltsraum eines Kinderheimes einen zweiten Rettungsweg haben

Antwort:

Aus arbeitsschutzrechtlicher Sicht sind die Anforderungen an Fluchtwege und Notausgänge der Arbeitsstättenverordnung - ArbStättV (Anhang ArbStättV Nr. 2.3) sowie der technischen Regel für Arbeitsstätten ASR A2.3"Fluchtwege und Notausgänge, Flucht - und Rettungsplan" zu entnehmen.
 
Die ASR A2.3 definiert Fluchtwege als Verkehrswege, an die besondere Anforderungen zu stellen sind und die der Flucht aus einem möglichen Gefährdungsbereich und in der Regel zugleich der Rettung von Personen dienen. Fluchtwege führen ins Freie oder in einen gesicherten Bereich. Fluchtwege im Sinne dieser Regel sind auch die im Bauordnungsrecht definierten Rettungswege, sofern sie selbstständig begangen werden können.
Den ersten Fluchtweg bilden die für die Flucht und Rettung erforderlichen Verkehrswege und Türen, die nach dem Bauordnungsrecht notwendigen Flure und Treppenräume für notwendige Treppen sowie die Notausgänge.

Der zweite Fluchtweg führt durch einen zweiten Notausgang, der als Notausstieg ausgebildet sein kann.

In der ASR A2.3 wird des Weiteren erläutert, dass sich das Erfordernis eines zweiten Fluchtweges aus der erforderlichen Gefährdungsbeurteilung ergibt unter besonderer Berücksichtigung der bei dem jeweiligen Aufenthaltsort bzw. Arbeitsplatz vorliegenden spezifischen Verhältnisse, wie z.B. einer erhöhten Brandgefahr oder der Zahl der Personen, die auf den Fluchtweg angewiesen sind. Ein zweiter Fluchtweg kann z.B. erforderlich sein bei Produktions- oder Lagerräumen mit einer Fläche von mehr als 200 m², bei Geschossen mit einer Grundfläche von mehr als 1600 m² oder aufgrund anderer spezifischer Vorschriften. (ASR A2.3 Nr. 4 Abs. 5 )

Unter http://www.unfallkasse-nrw.de/sichere-kita/index.html wird folgende Information gegeben:
"Ist aufgrund von Notfällen die Betreuung und Beaufsichtigung der Kinder eingeschränkt, sind geeignete Maßnahmen zu treffen, damit die Sicherheit und die Gesundheit der Kinder nicht gefährdet sind.

Hierfür ist die Ausführung eines sicherheitsgerechten 2. Rettungsweges von besonderer Bedeutung:
Voraussetzung für ein sicheres Begehen auf Fluchttreppen sind ausreichend große, ebene und rutschhemmende Auftrittsflächen in gleichmäßigen Abständen.
Entsprechend den Körperabmessungen von Kindern sind die Treppen mit einer geringeren Steigung bei größerer Auftrittsfläche zu versehen

Anwendungsbereich Freitreppen, Kindergärten:

Auftritt: min. 28 cm , Steigung: max. 17 cm

Gewendelte Treppen und Spindeltreppen sind im Verlauf von Flucht- und Rettungswegen nicht zulässig." 
 
Ob ein zweiter Fluchtweg erforderlich ist, muss grundsätzlich situationsbezogen vor Ort entschieden werden.

Für eine Einzelfallentscheidung sollte eine entsprechende Fragestellung direkt an die für Sie zuständige Arbeitsschutzbehörde, die Unfallkasse oder die vor Ort zuständige Baubehörde gerichtet werden.