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KomNet-Wissensdatenbank

Wo liegt der genaue Unterschied zwischen dem Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) und dem TWA-Wert?

KomNet Dialog 16333

Stand: 04.06.2012

Kategorie: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Zulässige Belastungen > Grenzwerte

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Frage:

Ich habe zwei Fragen, die zusammenhängen: 1. Wo liegt der genaue Unterschied zwischen dem Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) und dem TWA-Wert (time-weighted average-Wert)? Ich habe gehört, dass der TWA-Wert das amerikanische Gegenstück zum AGW-Wert ist, den wir in Deutschland kennen. 2. Einige Hersteller bieten elektronische Messgeräte an, mit denen man mittels Photoionisationsdetektor (PID) VOCs (volatile organic compounds) in Inneräumen messen kann (z. B. Dräger oder auch die Frima RaeSystems aus den USA). Führt man Messungen durch, geben solche Geräte unter Anderem den TWA-Wert und den STEL-Wert aus. Kann man mit solchen Messwerten bezüglich Innenraumluftbelastungen überhaupt etwas anfangen? Wäre es zum Beispiel möglich, den ausgegebenen TWA-Wert mit den Richtwerten des Bundesumweltamtes zu vergleichen (Ad-Hoc Gruppe des Umweltbundesamtes hat Richtwerte für bestimmte VOCs sowie TVOCs erarbeitet) um daraus einen Handlungsbedarf abzuleiten? Nur dann würde es aus meiner Sicht etwas nützen.

Antwort:

1) Der deutsche AGW und der US-Amerikanische THW sind von ihrer Definition in etwa vergleichbar. Sie beschreiben einen 8-Stunden-Mittelwert (Schichtwert) eines Stoffes in der Arbeitsplatzluft, der nicht überschritten werden darf.

2) Beide Grenzwertkonzepte sind allerdings nur auf Arbeitsplätze anwendbar, bei denen unmittelbar Tätigkeiten mit den mit Grenzwerten belegten Stoffen durchgeführt werden. Das deutsche Gefahrstoffrecht ist auch nur dann anzuwenden. Für allgemeine Innenraumbelastungen, auch an Arbeitsplätzen wie z.B. Büroräumen, können sie nicht angewendet werden. Die von Ihnen angesprochenen Innenraum-Richtwerte des Umweltbundesamtes liegen bei Stoffen, für die es einen MAK-Wert gibt, in der Regel um zwei bis drei Größenordnungen unter diesem AGW bzw. MAK-Wert.

Aus diesem Grunde sind Messgeräte, die zur Überwachung von AGW, TGW oder Kurzzeitwerten (z.B. STEL) konzipiert sind, für die Messung und Beurteilung der allgemeinen Innenraumluftqualität ungeeignet. Darüber hinaus bedarf ihre Kalibrierung ("Eichung") und die Auswertung der Messergebnisse des Sachverstands von geschultem Personal. Sie sind für Laienhand nicht geeignet.

Der Begriff "VOC" ist ein Sammelbegriff für "flüchtige organische Verbindungen". Die tatsächliche Zusammensetzung von VOC-Gemischen in der Innenraumluft kann stark variieren und nur sehr eingeschränkt pauschal beurteilt werden. Deshalb sollte die Messung und die Beurteilung der chemischen Innenraumluftqualität fachkundigen Messstellen und Laboren vorbehalten bleiben.