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Werden bei der Definition `Explosionsgefährdeter Bereich` aus der Betriebssicherheitsverordnung alle Bereiche, die außerhalb der atmosphärischen Bedingungen liegen, nicht betrachtet?

KomNet Dialog 1611

Stand:

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Explosionsschutz, Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen > Sicherheitstechnische Anforderungen, Sicherheitseinrichtungen

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Frage:

§2 Abs.10 BetrSichV: Wie muss die Definition `Explosionsgefährdeter Bereich` ausgelegt werden? Ist es möglich, dass bei strenger Auslegung in Verbindung mit dem Begriff `gefährliche explosionsfähige Atmosphäre` alle Bereiche nicht betrachtet werden müssen, die ausserhalb der atmosphärischen Bedingungen liegen, also außerhalb von 08 bis 11 bar absolut und -20° C bis 60°^C nach Ex-RL? Das heißt, dass außerhalb dieser physikalischen Grenzen niemals ein explosionsgefährdeter Bereich auftreten kann, z.B. in einem auf über 60° C beheiztem Reaktionsbehälter mit Xylol. Die RL 949EG Atex 100a und die ElexV sprechen in diesem Zusammenhang von einem explosionsgefährdeten Bereich, in dem die Atmosphäre aufgrund der örtlichen und betrieblichen Verhältnisse explosionsfähig werden kann, d.h. unabhängig von den atmosphärischen Bedingungen. Liegt hier ein Auslegungsfehler vor oder sind durch die unzureichende Definition des explosionsgefährdeten Bereichs Bereiche wie oben erwähnt nicht erfasst?

Antwort:

Alle Bereiche, die außerhalb der atmosphärischen Bedingungen liegen, werden beim "explosionsgefährdeten Bereich" (Def. aus der Betriebssicherheitsverordnung) nicht betrachtet. Auch die Anforderungen an die Beschaffenheit von Geräten nach der Atex 100a beziehen sich nur auf die atmosphärischen Bedingungen, d.h. auf das schmale Band der natürlichen Druck- und Temperaturschwankungen in der freien Atmosphäre. Es greift aber der § 5 des Arbeitsschutzgesetzes, d.h. der Arbeitgeber muss alle Gefährdungen der Arbeitnehmer ermitteln, bewerten und entsprechende Vorsorgemaßnahmen treffen. Da im dem beschriebenen Reaktor offensichtlich ein Gasgemisch vorliegt oder zumindest nicht ausgeschlossen werden kann, dass es bei Vorliegen einer Zündquelle reagieren kann, müssen entsprechende sicherheitstechnische Maßnahmen getroffen werden. Beim Herangehen an ein solches Problem können die Vorschriften für die atmosphärischen Bedingungen als Richtschnur, d.h. als Stand der Technik herangezogen werden. Es ist also sicherlich ein vergleichbares Explosionsschutzdokument zu erstellen. Dies wird sogar noch umfangreicher ausfallen, da z.B. die Eignung der eingesetzten Geräte vom Inverkehrbringer gesondert nachzuweisen ist. Die bezeichneten Ex-RL der BG Chemie(BGR 104, früher Z 1/10) geben weitere Erläuterungen. Sofern beim Betreiber keine Experten, z.B. anerkannte Werksachverständige, beschäftigt werden, empfiehlt sich in jedem Fall die Einschaltung externer Experten, z.B. des TÜV oder freier Sachverständiger.