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Willkürliche Verkürzung der Vorgabezeiten bei Prozeßabläufen. Hat das Auswirkungen auf die psychische Belastung/Streß bei den Mitarbeitern und den Gesundheitsschutz?

KomNet Dialog 160

Stand:

Kategorie: Arbeitszeit, Arbeitsbedingungen > Psychische Belastungen und Beanspruchungen > Über- und Unterforderung

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Frage:

Willkürliche Verkürzung der Vorgabezeiten bei Prozeßabläufen. Hat das Auswirkungen auf die psychische Belastung/Streß bei den Mitarbeitern und den Gesundheitsschutz?

Antwort:

Bei einer willkürlichen Verkürzung von Vorgabezeiten wird gleich mehreren psychischen Belastungsfaktoren Vorschub geleistet. 1. Willkür – Die Kontrolle der eigenen Arbeit wird dem Mitarbeiter entzogen. Der Zusammenhang zwischen Verkürzung der Vorgabezeiten und den dahinter stehenden Anlässen wird nicht dargestellt,die Mitarbeiter können Veränderungen nicht nachvollziehen. Willkür bedeutet,dass kommende Ereignisse nicht voraussehbar sind. Es resultiert ein Gefühl der Hilflosigkeit,das streßfördernd wirken kann,je nach Streßresistenz des einzelnen. 2. Handlungsspielraum – Die Entscheidung,ob die Vorgabezeiten verkürzt werden,liegt nicht bei der ausführenden Person. Die Verantwortung für die eigene Tätigkeit wird als eingeschränkt erlebt. Die zeitliche Reihenfolge der auszuführenden Tätigkeiten wird nicht - wie es für einen adäquaten Arbeitsablauf förderliche wäre - ausschließlich vom Handelnden festgelegt. 3. Zeitdruck – Durch eine Verkürzung von Vorgabezeiten kommt es logischerweise zu einer Leistungsverdichtung. Diese kann streßfördernd oder -auslösend wirken. Dabei gilt objektiv zu bewerten,ob die geforderte Leistung von der ausführenden Person im vorgegebenen Zeitraum geleistet werden kann oder nicht. Fazit: Grundsätzlich ist eine willkürliche Verkürzung von Vorgabezeiten geeignet,um eine höhere psychische Belastung hervorzurufen. Wie bei allen anderen psychischen Einwirkungen muß die individuelle Disposition (hier: Stresstoleranz) berücksichtigt werden. Bei einer geringen Streßtoleranz kann eine solche Maßnahme erhöhte psychische und psychosomatische Auswirkungen zur Folge haben. (Stand: 10.12.1999)