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Ist in einer Arztpraxis das Umfüllen von Handdesinfektionsmitteln erlaubt?

KomNet Dialog 15901

Stand: 27.03.2012

Kategorie: Gesunde Arbeit / Arbeitsschutz > Belastungen durch Biostoffe > Gefährdungen, Belastungen (6.2)

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Frage:

Ist in einer Arztpraxis das Umfüllen von Handdesinfektionsmitteln aus einem größeren Gebinde mittels einer dafür vorgesehenen Handpumpe in eine für die Arztpraxis geeignete Handsprühflasche für den Gebrauch der Handdesinfektion aus hygienischen Gründen erlaubt.

Antwort:

Zur Desinfektion verwendet man verschiedene Desinfektionsmittel. Je nach ihrem Einsatzort werden Händedesinfektions-mittel, Flächendesinfektionsmittel und Instrumentendesinfektionsmittel unterschieden.
Händedesinfektionsmittel dienen der Händedesinfektion. Es sind flüssige Desinfektionsmittel, die Bakterien, Pilze und Viren abtöten oder inaktivieren, ohne die Haut der Hände zu schädigen. Moderne Händedesinfektionsmittel haben meist Alkohol (Ethanol oder 2-Propanol) als Grundlage. Zusätzlich werden Farbstoffe und rückfettende Substanzen eingesetzt. Eine Sonderstellung nehmen Präparate auf der Basis von Peressigsäure ein, die ein großes Wirkungsspektrum gegen verschiedene Krankheitserreger besitzen.

Für Tätigkeiten mit Gefahrstoffen z.B. Desinfektionsmitteln muss in der Gefährdungsbeurteilung genau ermittelt werden, mit welchen Stoffen und wie umgegangen wird. Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung muss ermittelt werden, welche Gefährdungen vorliegen und welche Maßnahmen getroffen werden müssen (siehe auch www.gefaehrdungsbeurteilung.de/de). Auf die Informationen unter www.gefahrstoffe-im-griff.de/ weisen wir hin. Zur Durchführung der Gefährdungsbeurteilung wird insbesondere auf die TRGS 400 (www.baua.de/TRGS/) verwiesen. 

Beim Umfüllen und beim Transport von Gefahrstoffen können Gefährdungen durch Gase, Dämpfe, Schwebstoffe, durch Spritzer oder freigesetzte Gefahrstoffmengen entstehen. Insbesondere das Umfüllen oder der Transport größerer Mengen kann zu Gefährdungen führen. Beim Umfüllen gefährlicher Stoffe aus Fässern, Ballons, Kanistern und anderen Behältern sind geeignete Einrichtungen zu benutzen.
Weitere Hilfe dazu kann der neuen Laborrichtlinie BGI/GUV-I 850-0 (Kapitel 4.10.1) und der BG-Information "Umfüllen von Flüssigkeiten" (BGI 623; Merkblatt T 025) entnommen werden. 

Bei der Handhabung der Gefahrstoffe sind, neben dem Sicherheitsdatenblatt, insbesondere die Schutzleitfäden für häufige Tätigkeiten mit Gefahrstoffe zu beachten  (http://www.baua.de/cln_137/sid_AACB141EE4E2912390503538DFBCECEC/de/Themen-von-A-Z/Gefahrstoffe/EMKG/Schutzleitfaeden_content.html).

Konkrete Hinweise zur Verwendung geben die nachfolgenden Dokumente zu einem Handdesinfektionsmittel  (http://www.produktkatalog.bode-chemie.de/produkte/haende/sterillium.php und http://www.produktkatalog.bode-chemie.de/produkte/haende/download/pflichttexte/pflichttext_sterillium.pdf); sowie die Betriebsanweisung (http://www.bode-chemie.de/sida/DE_BA_R10036.PDF). Danach wird z.B. gefordet, dass ein etwaiges Umfüllen nur unter aseptischen Bedingungen (Sterilbank) und mittels dichtschließender Schutzbrille erfolgen muss/darf.

Bitte sprechen Sie zu der Frage des richtigen Umfüllens den Hersteller an.

Hinweis 1: Da es sich meist um entzündliche Mittel handelt, sind insbesondere bei dem offenen Umgang damit sicherheitstechnische Anforderungen zum Brand- und Explosionsschutz einzuhalten. U.a.
- sind Zündquellen fernzuhalten - und nicht zu rauchen,
- ist eine ausreichende Lüftung zu gewährleisten,
- sind Maßnahmen gegen elektrostatische Aufladung zu treffen.

Hinweis 2: Für den Umgang mit Ethanol ist entsprechend Anhang Teil 1 Abs. 2 Ziffer 2 c) der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) eine arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen anzubieten (Angebotsuntersuchung).

Hinweis 3: Regelungen zur Lagerung von Gefahrstoffen in ortsbeweglichen Behältern sind in der TRGS 510 (www.baua.de/TRGS/) getroffen. Wie unter Abschnitt 3 der TRGS 510 ausgeführt, hat der Arbeitgeber im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung zu ermitteln, ob sich durch die Lagerung von Gefahrstoffen Gefährdungen für die Beschäftigten oder andere Personen ergeben.