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KomNet-Wissensdatenbank

Ist die arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung G 46 im Bereich Windkraftanlagen eine Pflichtuntersuchung?

KomNet Dialog 15812

Stand: 16.03.2012

Kategorie: Gesundheitsschutz > Arbeitsmedizinische Vorsorge > Untersuchungspflichten

Dialog
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Frage:

Muss die arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung G 46 „Belastungen des Muskel- und Skelettsystems einschließlich Vibrationen“ im Bereich Windkraftanlagen wegen der Steigleitern als Pflichtuntersuchung angeboten werden.

Antwort:

Für arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen gelten mit Inkrafttreten der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge - ArbMedVV vom 18.12.2008 im Anwendungsbereich des Arbeitsschutzgesetzes - ArbSchG die Regelungen dieser Verordnung (http://bundesrecht.juris.de/arbmedvv/index.html).

Die "Handlungsanleitung für die arbeitsmedizinische Vorsorge nach dem DGUV Grundsatz G 46 - Belastungen des Muskel- und Skelettsystems einschließlich Vibrationen" - BGI/GUV-I 504-46 (http://publikationen.dguv.de/dguv/pdf/10002/i-504-46.pdf) konkretisiert die ArbmedVV.

Eine Checkliste (Anhang der BGI/GUV-I 504-46) zur Prüfung der Erforderlichkeit von Maßnahmen der arbeitsmedizinischen Vorsorge bei hohen körperlichen Belastungen des Muskel-Skelett-Systems soll helfen die Arbeitsplätze zu identifizieren, an denen tatsächlich ein erheblich erhöhtes Risiko besteht. Die Checkliste ist geeignet, um Arbeitsplätze mit erhöhten Gefährdungen auszuwählen sowie Informationen über die Art der Belastung und nach Möglichkeit auch über bisher bekannte gesundheitliche Folgen dieser Belastungen zu erhalten. Die Checkliste zur Gefährdungsbeurteilung in Teil 1 (Anhang 1) der BGI/GUV-I 504-46 enthält auch entsprechende Abfragen zum Erreichen oder Überschreiten der Auslösewerte oder Expositionsgrenzwerte für Vibrationen nach LärmVibrationsArbSchV bzw. ArbMedVV.

Neben den Fragen zur arbeitsmedizinschen Vorsorge bei Vibrationen sollte der Aspekt Arbeiten mit Absturzgefahren oder Lärmgefahren geprüft werden. Hierzu kann die Handlungsanleitung für die arbeitsmedizinische Vorsorge nach dem DGUV Grundsatz G 41 "Arbeiten mit Absturzgefahr" (BGI/GUV-I 504-41) und die Handlungsanleitung für die arbeitsmedizinische Vorsorge nach dem DGUV Grundsatz G 20 "Lärm" (BGI/GUV-I 504-20) herangezogen werden. Zu Lärm siehe den Dialog 10171 der KomNet-Datenbank.

Zur Vorsorge bei Arbeiten mit Absturzgefahren wird in Punkt 4.2 des G 41 ausgeführt: "Eine besondere Absturzgefahr besteht insbesondere bei Brücken, Masten, Türme, Schornsteine oder mit ihnen vergleichbaren Betriebsarten, Arbeitsplätze oder Tätigkeiten, sofern eine durchgehende Sicherung (technische Maßnahmen oder persönliche Schutzausrüstung) gegen Absturz nicht gewährleistet ist." "Versicherte mit Tätigkeiten, die nur mit persönlicher Schutzausrüstung durchgehend gegen Absturz gesichert sind, können auf ihren Wunsch hin arbeitsmedizinisch untersucht werden (§ 11 ArbSchG).
Auch bei kurzzeitigen oder gelegentlichen Arbeiten mit Absturzgefahr kann auf arbeitsmedizinische Untersuchungen nicht verzichtet werden."(http://publikationen.dguv.de/dguv/pdf/10002/i-504-41.pdf ).

Mit der Gefährdungsbeurteilung muss der Arbeitgeber letztlich ermitteln, ob die Beschäftigten an der konkreten Arbeitsstelle Tätigkeiten ausüben, die im Anhang der ArbMedVV aufgeführt sind, und somit eine Exposition möglich ist, die den Expositionsbedingungen im Anhang ArbmedVV entspricht. Hierbei sollte er sich von seinem Betriebsarzt beraten lassen.

Die berufsgenossenschaftliche Information BGI 657 "Windenergieanlagen" gibt Hinweise zu Gefährdungen, Belastungen und Schutzmaßnahmen bei Tätigkeiten an Windenergieanlagen (http://publikationen.dguv.de/).

Hinweis: Eine Steigleiter zum Besteigen der Windkraftanlage gehört zu den Verkehrswegen und muss demzufolge den Anforderungen, die an Verkehrswege gemäß Arbeitsstättenverordnung zu stellen sind, genügen. Verkehrswege müssen so beschaffen und bemessen sein, und in diesem Zustand unterhalten werden, dass sie je nach ihrem Bestimmungszweck sicher begangen oder befahren werden können. Generell gilt dann auch, dass Verkehrswege, bei denen eine Absturzgefahr besteht, mit Einrichtungen versehen sein müssen, die verhindern, dass Beschäftigte abstürzen können.

Anforderungen an Steigleitern und Steigeisengänge findet man in der Arbeitsstättenverordnung im Anhang. Unter Ziffer 1.11 (a) wird aufgeführt, dass Steigleitern nach Notwendigkeit über Schutzeinrichtungen gegen Absturz, vorzugsweise über Steigschutzeinrichtungen, verfügen müssen (Ziffer 1.11 des Anhangs zur ArbStättV).