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Darf ich als schwangere Krankenschwester einen Verbandswechsel an den Katheter-Austrittsstellen der Dialysepatienten und vorbereitende Arbeiten durchführen?

KomNet Dialog 15765

Stand: 10.03.2012

Kategorie: Besondere Zielgruppen > Werdende und stillende Mütter > Beschäftigungsverbote und -beschränkungen

Dialog
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Frage:

Ich arbeite als Krankenschwester in einer privaten Dialyse-Praxis, ein beträchtlicher Anteil der Patienten hat, anstelle eines Shunts, zentral venöse Katheterzugänge (z.B. Demers- oder Shaldon-Katheter). Meine Fragen sind: 1.: darf ich als schwangere Mitarbeiterin einen Verbandswechsel an den Katheter-Austrittsstellen der Dialysepatienten durchführen? 2.: der/die Schenkel der Katheter müssen vor dem "anlegen" an die Maschine ( also vor dem konnektieren mit dem Dialyse-Schlauchsystems) entblockt werden, das bedeutet die Schenkel müssen aspiriert werden und ggf. auch mit NaCl 0,9% durchgespült werden, bevor mit dem eigentlichen Beginn der Dialysebehandlung begonnen werden kann.Meine Frage ist, ob ich diese vorbereitenden Maßnahmen als Schwangere durchführen darf.

Antwort:

In der von der Arbeitsschutzverwaltung NRW veröffentlichten Fachinformation "Mutterschutz in Alten- und Pflegeheimen" www.arbeitsschutz.nrw.de/Themenfelder/mutterschutz/praxishilfen/index.php werden u.a. nachfolgende Informationen gegeben, die sinngemäß auch auf Tätigkeiten im Krankenhaus anzuwenden sind:

Infektionsrisiken können durch das Tragen geeigneter persönlicher Schutzausrüstung, wie z.B. flüssigkeitsdichte  Handschuhe, Schutzbrille, Kittel, Atemschutz (z. B. partikelfiltrierende Halbmasken der Klasse FFP3) minimiert werden. Dabei ist zu beachten, dass die Schutzwirkung von Schutzmaßnahmen beim Umgang mit stechenden, schneidenden, zerbrechlichen Geräten und Instrumenten aufgehoben werden kann.

Blutentnahmen, Gabe von Insulin- und Thrombosespritzen, chirurgische Dekubitus- und Wundversorgungen sowie die Entsorgung und Reinigung gebrauchter stechender und schneidender Geräte und Instrumente dürfen nicht durchgeführt werden.

Bei strikter Einhaltung sämtlicher Schutzmaßnahmen dürfen folgende Arbeiten ausgeführt
werden:
- Tätigkeiten im Bereich der Grundpflege,
- Blasenkatheterwechsel einschließlich Pflege und Spülung,
- Stomaversorgung,
- Dekubitusbehandlungen,
- Wundverbände, Wundversorgung und –pflege
Die Benutzung von Knopfkanülen zum Ausspülen von Wunden und Wundkanälen ist dabei zulässig, da es sich nicht um stechende Gegenstände handelt.

Auf die Ausführungen in der TRBA 250 "Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege" www.baua.de/trba weisen wir ebenfalls hin.

Grundsätzlich ist jeder Arbeitgeber sofort nach Bekanntgabe der Schwangerschaft verpflichtet eine sorgfältige Beurteilung der Arbeitsplatzbedingungen durchzuführen. Treffen auf ein Arbeitsverhältnis generelle Beschäftigungsverbote gemäß Mutterschutzgesetz oder Verordnung zum Schutz der Mütter am Arbeitsplatz - MuSchRiV zu www.arbeitsschutz.nrw.de/Themenfelder/mutterschutz/rechtliche_grundlagen/index.php , muss der Arbeitgeber geeignete Schutzmaßnahmen in folgender Rangfolge veranlassen:

1. Umgestaltung des Arbeitsplatzes
2. Arbeitsplatzwechsel
3. Freistellung wegen eines Beschäftigungsverbotes unter Fortzahlung des Entgeltes.

Der Arbeitgeber ist verpflichtet, die werdende oder stillende Mutter sowie die übrigen bei ihm beschäftigten Arbeitnehmerinnen über das Ergebnis der o.g. Arbeitsplatzbeurteilung und über zu ergreifende Schutzmaßnahmen zu unterrichten.
Dieses gilt auch in Bezug auf die in der Fragestellung genannten Tätigkeiten. Dabei soll sich der Arbeitgeber vom Betriebsarzt und der Fachkraft für Arbeitssicherheit beraten und unterstützen lassen.
In Zweifelsfällen sollte die vor Ort zuständige Arbeitsschutzbehörde, in NRW Bezirksregierung, Dez. 56 www.arbeitsschutz.nrw.de/Service/ansprechpartner_beratung/bezirksregierungen/index.php zur Bewertung des Sachverhaltes hinzugezogen werden.