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Wie hoch darf die Temperaturdifferenz von Wand- zu Raumtemperatur sein und wo finde ich etwas dazu?

KomNet Dialog 15659

Stand: 27.02.2012

Kategorie: Gestaltung von Arbeitsplätzen > Raumklima, Lüftung > Raumtemperaturen

Dialog
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Frage:

Für ein behagliches Klima in Büroräumen spielt neben Lufttemperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftgeschwindigkeit auch das Verhältnis der Raumtemperatur zur Oberflächentemperatur der Wände eine Rolle. Kalte Wände erzeugen eine Kältestrahlung ("Volksmund", fehlende Wärmestrahlung ist das eigentlich), die von den Beschäftigen, die in der Nähe der Wand sitzen, als unangenehm empfunden wird. Wie hoch darf das Delta von Wand- zu Raumtemperatur sein und wo finde ich etwas dazu?

Antwort:

Die Arbeitsstättenverordnung - ArbStättV www.gesetze-im-internet.de/arbst_ttv_2004/anhang_12.html fordert unter Ziffer 3.5 des Anhangs, dass in Arbeits-, Pausen-, Bereitschafts-, Sanitär-, Kantinen- und Erste-Hilfe-Räumen, in denen aus betriebstechnischer Sicht keine spezifischen Anforderungen an die Raumtemperatur gestellt werden, während der Arbeitszeit unter Berücksichtigung der Arbeitsverfahren, der körperlichen Beanspruchung der Beschäftigten und des spezifischen Nutzungszwecks des Raumes eine gesundheitlich zuträgliche Raumtemperatur bestehen muss.
Diese Anforderungen werden in den Technischen Regel für Arbeitsstätten  - ASR A3.5 "Raumtemperatur" weiter erläutert und konkretisiert. Allerdings wird in dem arbeitsschutzrechtlichen Vorschriften- und Regelwerk nicht auf mögliche Gefährdungen durch "Kältestrahlung" (Temperaturdifferenz von Wand- zu Raumtemperatur) eingegangen.

Treten diesbezüglich Probleme auf, ist der Sachverhalt auf der Grundlage einer Gefährdungsbeurteilung (siehe auch www.gefaehrdungsbeurteilung.de/de/gefaehrdungsfaktoren/thermische_gefaehrdungen/kalt ) zu bewerten. In der DIN EN ISO 7730 "Ergonomie der thermischen Umgebung - Analytische Bestimmung und Interpretation der thermischen Behaglichkeit durch Berechnung des PMV- und des PPD-Indexes und Kriterien der lokalen thermischen Behaglichkeit (ISO 7730:2005); Deutsche Fassung EN ISO 7730:2005" www.beuth.de sind konkretisierende Aussagen zur Einbeziehung in die Gefährdungsbeurteilung zu finden.  

Neben einer globalen Aussage über den PMV- und PPD-Index werden dort auch Angaben zur lokalen Thermischen Behaglichkeit formuliert (Abschnitt 6). Hierzu zählt Zugluft, der vertikale Temperaturunterschied, warme und kalte Fußböden sowie die Asymmetrie der Strahlung(stemperatur) bei warmen und kalten Decken sowie warmen und kalten Wänden. Neben einer Berechnungsformel zur Bestimmung des Anteils Unzufriedener (PD) werden im informativen Anhang Anforderungen an thermische Behaglichkeit tabellarisch aufgelistet.

Je nach zugrunde gelegter Kategorie (A,B,C) lauten die Empfehlungen für die Asymmetrie der Strahlungstemperatur <10 bzw. <13 K (vgl. Tabelle A.4 der DIN EN ISO 7730). Die Asymmetrie der Strahlungstemperatur ergibt sich dabei aus der Differenz zwischen ebener Strahlungstemperatur in Raumrichtung abzüglich ebener Strahlungstemperatur in Richtung der kalten Wand.