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KomNet-Wissensdatenbank

Gibt es Vorschriften / Informationen darüber, ob benzinbetriebene Kehrmaschinen in Hallen betrieben werden dürfen?

KomNet Dialog 15627

Stand: 18.08.2014

Kategorie: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Gefährdungen > Gefährdungen durch Rauche und Motoremissionen

Dialog
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Frage:

Gibt es Vorschriften / Informationen darüber, ob benzinbetriebene Kehrmaschinen in Hallen betrieben werden dürfen. Wenn ja, unter welchen Bedingungen.

Antwort:

Benzinbetriebene Motoren erzeugen Abgas, das neben Kohlenmonoxid (CO) ein großes Spektrum von Gefahrstoffen, unter anderem Kohlenwasserstoffe, Benzol, Kohlendioxid sowie Stickoxide enthält.

Sollen Benzinmotoren in Innenräumen betrieben werden, ist die Forderung der Gefahrstoffverordnung -GefStoffV nach einer Substitutionsprüfung zu beachten, d.h. der Arbeitgeber hat Gefahrstoffe oder Verfahren durch Stoffe, Zubereitungen oder Erzeugnisse oder Verfahren zu ersetzen, die unter den jeweiligen Verwendungsbedingungen für die Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten nicht oder weniger gefährlich sind. (§ 7 Abs. 3 GefStoffV)
Es wäre in diesem Fall also zu prüfen, ob nicht Kehrmaschinen mit einem weniger gefährlichen Emissionsverhalten wie z.B. Elektrokehrmaschinen zum Einsatz kommen können.

Sollte die Substitutionsprüfung begründet zu dem Ergebnis kommen, dass benzinbetriebene Kehrmaschinen in der Halle zum Einsatz kommen sollen, sind die weiteren Maßnahmen in der Rangfolge zu treffen, wie sie die GefStoffV vorgibt.
D.h. Maßnahmen müssen dem Minimierungsgebot entsprechen. Das wiederum bedeutet zum einen, dass auf der Grundlage einer Gefährdungsbeurteilung Maßnahmen zu treffen sind, um die Motoremissionen und die Belastungen der Beschäftigten zu reduzieren und das Einhalten der im technischen Regelwerk - TRGS www.baua.de/trgs genannten Grenzwerte zu gewährleisten.

Zum anderen gilt seit Mitte 2004 für benzinbetriebene kleine Motoren bis zu 19 kW (dazu gehören auch die meisten Kehrmaschinen) die Richtlinie 2002/88/EG http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2003:035:0028:0081:de:PDF (aufbauend auf der Richtlinie 97/68/EG) zur Emissionsminderung von Schadstoffen für dann (also ab 2004) neu in Verkehr gebrachte Geräte.

Darin werden Motoren in die Klassen "handgehaltene (SH)" und "nicht handgehaltene (SN)" Maschinen unterteilt. Für die Maschinen wurden schrittweise (Zeitraum 2004 bis 2008) Emissionsgrenzwerte eingeführt, die einzuhalten sind.
Da wir nicht wissen, welche Motorklasse bei Ihnen im Betrieb eingesetzt wird, weisen wir diesbezüglich auf die entsprechenden Tabellen aus den zuvor genannten Richtlinien hin.

Maschinen, die vor 2004 produziert wurden, unterlagen noch nicht den Bestimmungen der Richtlinien zur Emissionsminderung. Damit dürfte die Einhaltung der Grenzwerte im Innenraum noch schwieriger sein als sie auch mit neuen Maschinen schon ist.

Die Entscheidung, ob benzinbetriebene Kehrmaschinen in Hallen betrieben werden dürfen, kann nur auf Grundlage einer fundierten Gefährdungsbeurteilung getroffen werden. Die Gefährdungsbeurteilung darf nur von fachkundigen Personen durchgeführt werden. Verfügt der Arbeitgeber nicht selbst über die entsprechenden Kenntnisse, so hat er sich fachkundig beraten zu lassen. Fachkundig können insbesondere die Fachkraft für Arbeitssicherheit und die Betriebsärztin oder der Betriebsarzt sein. (§ 6 Abs. 9 GefStoffV)

Auf die Informationen und Handlungshilfen unter www.gefaehrdungsbeurteilung.de sowie unter www.gefahrstoffe-im-griff.de/ weisen wir hin.

Anmerkung: Für die Beschäftigten in der Halle, die nicht direkt Umgang mit der Kehrmaschine haben, aber von deren Emissionen betroffen sind, muss der Arbeitgeber Maßnahmen nach der Arbeitsstättenverordnung-ArbStättV  treffen. Die ArbStättV fordert, dass in umschlossenen Arbeitsräumen unter Berücksichtigung der Arbeitsverfahren, der körperlichen Beanspruchung und der Anzahl der Beschäftigten sowie der sonstigen anwesenden Personen ausreichend gesundheitlich zuträgliche Atemluft vorhanden sein muss.

Auch dieser Aspekt ist in der Gefährdungsbeurteilung einzubeziehen und wird vermutlich -mit- zu der Bewertung führen, dass eine benzinmotorbetriebene Kehrmaschine für das Betreiben in Hallen ungeeignet ist.