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KomNet-Wissensdatenbank

Wie lang darf die Nachlaufzeit von Rührwerke sein, wenn der Not-Halt betätigt wird?

KomNet Dialog 15485

Stand: 07.02.2012

Kategorie: Sichere Produkte > Beschaffenheit von Arbeitsmitteln / Einrichtungen > Allgemeine Beschaffenheitsanforderungen

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Frage:

Wir haben bei uns in der Fertigung einige Rührwerke eingesetzt, die zum Vermischen von verschiedenen Flüssigkeiten benutzt werden. Wie lang darf die Nachlaufzeit der Rührwerke sein, wenn ich den Not-Aus drücke?? Wie schnell muss das Rührwerk stehen?? Wo finde ich die rechtlichen Hinweise??

Antwort:

Sowohl die alte, bis 28.12.2009 geltende Maschinenrichtlinie 89/37/EG als auch die ab dem 31.12.2009  für Maschinen anzuwendende neue Maschinenrichtlinie 2006/42/EG enthalten Anforderungen, beziehen sich auf die beschriebene Gefahr (http://www.maschinenrichtlinie.de/dokumente-maschinenrichtlinie.html#c161). 
Unter Anhang I Ziffer 1.4.2.2 der Richtlinie 2006/42/EG ist gefordert:

Besteht die Möglichkeit, dass das Bedienungspersonal den Gefahrenbereich erreicht, bevor die durch die
gefährlichen Maschinenfunktionen verursachten Risiken nicht mehr bestehen, so müssen bewegliche trennende
Schutzeinrichtungen zusätzlich zu der Verriegelungseinrichtung mit einer Zuhaltung ausgerüstet sein,
— die das Ingangsetzen der gefährlichen Maschinenfunktionen verhindert, bis die Schutzeinrichtung
geschlossen und verriegelt ist, und
— die die Schutzeinrichtung in geschlossener und verriegelter Stellung hält, bis das Risiko von Verletzungen
aufgrund gefährlicher Funktionen der Maschine nicht mehr besteht. 

Unabhängig vom Zeitpunkt des ersten Inverkehrbringens muss ein Arbeitgeber für ein von Beschäftigten genutztes Arbeitsmittel die Mindestanforderungen der Betriebssicherheitsverordnung - BetrSichV gewährleisten.

Gemäß § 7 BetrSichV i.V.m. Anhang 1 Ziffern 2.4 und 2.8 gilt:
Ziffer 2.4 Kraftbetriebene Arbeitsmittel müssen mit mindestens einer Notbefehlseinrichtung versehen sein, mit der gefahrbringende Bewegungen oder Prozesse möglichst schnell stillgesetzt werden, ohne zusätzliche Gefährdungen zu erzeugen.

Ziffer 2.8 Arbeitsmittel müssen mit Schutzeinrichtungen ausgestattet sein, die den unbeabsichtigten Zugang zum Gefahrenbereich von beweglichen Teilen verhindern oder welche die beweglichen Teile vor dem Erreichen des Gefahrenbereichs stillsetzen.

Für Not-Halt und Not-Aus gilt gemäß der Norm DIN EN ISO 13850 :

„4.1.3 Die Not-Halt-Funktion muss so konzipiert sein, dass nach Betätigung des Not-Halt-Gerätes gefährliche Bewegungen und der Betrieb der Maschine in geeigneter Weise angehalten werden, ohne zusätzliche Gefährdungen zu verursachen und ohne jede weitere Einflussnahme durch irgendeine Person, entsprechend der Risikobeurteilung.“

Daher wird weder in der Norm noch in der Maschinenrichtlinie eine Anforderung an den Nachlauf (Nachlaufzeit) oder nach einer Handlung im Notfall (Not-Halt oder Not-Aus) gestellt. Es ist jedoch selbstverständlich, dass diese so kurz wie möglich sein sollte; unter Umständen sind zusätzliche Maßnahmen (z.B. Bremsen) erforderlich, ohne dass dadurch zusätzliche Gefährdungen verursacht werden (z.B. Herabfallen der Ladung eines Fahrzeuges nach einem abrupten Bremsvorgang). Alternativ ist der Zugang zum Gefahrenbereich zu verhindern.

Der Maschinenbetreiber (Arbeitgeber) ist verantwortlich für die Sicherheit seiner Maschinen. Wenn die Wirkung von Schutzeinrichtungen von dem Nachlauf einer Maschinenbewegung oder -zustand abhängig sind, muss der Maschinenbetreiber die erforderlichen Maßnahmen ergreifen.
Bei sehr alten Maschinen wird auf die § 7 Absatz 2 BetrSichV i.V.m. der Vorbemerkung Nummer 1 im Anhang 1 der Betriebssicherheitsverordnung hingewiesen.

Normen können kostenpflichtig beim Beuth-Verlag (www.beuth.de) bezogen werden.