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Gibt es Vorschriften oder Regeln bezüglich Absturzsicherung von Flachdächern sowie dort vorhandenen Lichtkuppeln?

KomNet Dialog 15455

Stand: 19.08.2016

Kategorie: Gestaltung von Arbeitsplätzen > Arbeitsplatz- und Arbeitsstättenbeschaffenheit > Absturzsicherungen, Geländer

Dialog
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Frage:

Gibt es Regeln oder Verordungen zur Absturzsicherung von Flachdächern sowie dort vorhandenen Lichtkuppeln? Wird unterschieden zwischen Baumaßnahme und Sicherungsmaßnahmen für spätere Dachbegehungen bzgl. Wartungsarbeiten?

Antwort:

Besonders relevant ist die berufsgenossenschaftliche DGUV Information 201-036 "Arbeitsplätze und Verkehrswege auf Dächern", die im Kapitel 5 alle heranzuziehenden Vorschriften und Regeln zu Arbeiten mit Absturzgefahr enthält (http://publikationen.dguv.de/).
Im Kapitel 4 der BGI wird die Verantwortung der unterschiedlichen handelnden Personen dargelegt, insbesondere wird dabei auf die Bauphase und Betriebsphase eingegangen.

Grundsätzlich müssen nach Nr. 2.1 zum Anhang der Arbeitsstättenverordnung Arbeitsplätze und Verkehrswege, bei denen die Gefahr des Absturzes von Beschäftigten .... bestehen mit Einrichtungen versehen sein, die verhindern, dass Beschäftigte abstürzen können.
Der Arbeitgeber muss im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung nach §§ 5,6 Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) die vorhandenen Gefährdungen ermitteln und festlegen, welche Maßnahmen des Arbeitsschutzes getroffen werden. Nach § 4 ArbSchG muss der Arbeitgeber bei der Festlegung der Arbeitsschutzmaßnahmen u.a. den Stand der Technik berücksichtigen. Der Stand der Technik wird u.a. in Technischen Regeln und den Berufsgenossenschaftlichen Vorschriften konkretisiert.

Die Technische Regel für Betriebsicherheit TRBS 2121 "Gefährdung von Personen durch Absturz – Allgemeine Anforderungen" - Punkt 4 fordert (www.baua.de/TRBS/):
Bei der Festlegung der Schutzmaßnahmen muss dem kollektiven Gefahrenschutz Vorrang vor dem individuellen Gefahrenschutz eingeräumt werden. Die Schutzmaßnamen sind entsprechend der nachfolgenden Rangfolge auszuwählen:

A. Absturzsicherung z.B. Abdeckungen, Geländer oder Seitenschutz
B. Auffangeinrichtung z.B. Schutznetze, Schutzwände und Schutzgerüste
C. Individueller Gefahrenschutz
Können Absturzsicherungen und Auffangeinrichtungen nicht angewendet werden, ist Persönliche Schutzausrüstung(PSA) gegen Absturz vorzusehen. Die Verwendung von PSA gegen Absturz setzt eine weitere Gefährdungsbeurteilung für diesen Einzelfall voraus.

In der DGUV Information 201-036 wird deshalb unter Kapitel 3.2.1. gefordert:
"Arbeitsplätze, bei denen die Gefahr des Absturzes von Beschäftigten besteht oder die an Gefahrenbereiche grenzen, müssen mit Einrichtungen versehen sein, die verhindern, dass Beschäftigte abstürzen oder in die Gefahrenbereiche gelangen.
In erster Linie kommen hier Geländer infrage. Geländer können dauerhaft installiert oder temporär angebracht werden."

Hinweis: In den jeweiligen Landesbauordnungen wird gefordert, dass für die vom Dach aus vorzunehmenden Arbeiten sicher benutzbare Vorrichtungen anzubringen sind bzw. Flächen in, an und auf baulichen Anlagen, die im allgemeinen zum Begehen bestimmt sind und unmittelbar an mehr als 1 m tiefer liegende Flächen angrenzen, zu umwehren sind (§ 35 (9) Bauordnung - BauO NRW und § 41 BauO NRW). Bei baurechtlichen Fragen wenden Sie sich bitte direkt an Ihre zuständige Baubehörde.